Joachim Löw im Interview
„Ich sage ja nicht, dass Kuranyi schlecht ist“

Joachim Löw wird auch in Zukunft auf Torjäger Kevin Kuranyi verzichten und erklärt vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei, warum er den nach Russland abgewanderten Ex-Schalker nicht einlädt. Im Interview spricht er zudem über seine Analyse der Weltmeisterschaft, den Erfolg der Mainzer und legt dar, warum er junge Spieler bevorzugt und den langzeitverletzten Michael Ballack trotzdem noch nicht abgeschrieben hat.
  • 0

Frage: Herr Löw, wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass Michael Ballack in diesem Jahr nicht mehr wird spielen können?

Joachim Löw: Überrascht hat sie mich nicht. Michael ist im Sommer drei Monate ausgefallen, danach hat er ein paar Spiele gemacht und sich wieder schwer verletzt. Jetzt darf man es nicht überreizen und sagen, der Michael muss dann und dann wieder spielen. Wichtig ist, dass er wieder gesund wird.

Wie lange werden Sie auf ihn warten?

Was wollen Sie jetzt von mir hören? Ich traue Michael zu, dass er zurückkommt. Er ist gut, er ist ehrgeizig. Und wann muss ich mich denn entscheiden?

Sagen Sie es uns!

Drei Wochen vor dem nächsten Turnier! Und das betrifft nicht nur Michael Ballack. Kurz vor der EM muss ich meinen Kader nominieren. Bis dahin kann ich mir alle Optionen offenlassen. Ich muss nicht alle zwei Monate Entscheidungen treffen, die endgültig sind. Das ist gut so, denn es gibt immer unvorhergesehene Ereignisse, auf die man kurzfristig reagieren muss. Wenn ich aber der Meinung bin, dass ein Spieler für mich keine Rolle mehr spielt, weil zwei oder drei definitiv besser sind – dann treffe ich eine Entscheidung. Und dann fliege ich zu diesem Spieler und sage ihm Bescheid. Michael Ballack ist jetzt verletzt, aber ich traue ihm zu, dass er seine Form wieder findet. Er will ja. Es gibt keinen Grund, ihn abzuschreiben.

Ihre Mannschaft wird immer jünger. Heißt das, dass die Karrieren in der Nationalmannschaft früher beginnen und dafür auch früher enden?

Es gibt auch hervorragende Spieler, die älter als 30 sind. Aber generell glaube ich, dass es von Vorteil ist, wenn die Mannschaft jung und entwicklungsfähig ist. Unsere Mannschaft war bei der WM 2010 viereinhalb Jahre jünger als bei der EM 2008. Und man hat gesehen, dass wir körperlich ein höheres Tempo spielen konnten als vor zwei Jahren. 2008 gab es einige Schwankungen. Jüngere Spieler haben einfach kürzere Regenerationszeiten. Sami Khedira zum Beispiel regeneriert extrem schnell. Deshalb finde ich es vernünftig, wenn man den Altersschnitt möglichst versucht nach unten zu drücken. Aber es gibt auch Trainer, die auf Erfahrung bauen, weil Erfahrung für sie Cleverness und Raffinesse bedeutet.

Welche Kriterien sind für Sie entscheidend?

Qualität ist schon das wichtigste Merkmal für die Umsetzung meiner Vorstellungen. Natürlich ist das subjektiv, aber ich weiß ja, was ich spielen möchte. Und deswegen verzichte ich vielleicht auf einen Spieler, den ein anderer Trainer nominiert hätte.

Seite 1:

„Ich sage ja nicht, dass Kuranyi schlecht ist“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Joachim Löw im Interview: „Ich sage ja nicht, dass Kuranyi schlecht ist“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%