Jose Mourinho gefeuert

Chelsea setzt „The Special One“ vor die Tür

Aus für „The Special One“: Der Londoner Club FC Chelsea – amtierender Titelträger der Premier League – trennt sich angesichts einer Niederlagenserie von seinem Trainer José Mourinho. Es hatte sich angedeutet.
Update: 17.12.2015 - 17:06 Uhr
Vor der Saison kaum vorstellbar, nun bittere Realität: José Mourinho muss als Trainer des FC Chelsea seinen Hut nehmen. Quelle: ap
Goodbye, London!

Vor der Saison kaum vorstellbar, nun bittere Realität: José Mourinho muss als Trainer des FC Chelsea seinen Hut nehmen.

(Foto: ap)

LondonKaum ein Trainer polarisiert so wie er. „The Special One“, hat Jose Mourinho sich einmal selbst genannt. Doch nach einer nicht enden wollenden Talfahrt des britischen Premier-League-Clubs FC Chelsea ist der der Mann mit den grauen Haaren und der messerscharfen Spielanalyse nun nur noch lediglich „The Sacked One“ – der Entlassene. Der englische Meister FC Chelsea  hat sich von seinem Teammanager José Mourinho getrennt. Das teilte der Verein aus London am Donnerstag mit. Der 52-Jährige, der im letzten Jahr noch die Meisterschaft gewann, war seit Juni 2013 Trainer bei den Blues.

Es ist der vorläufig triste Schlusspunkt einer großen Karriere. Doch der Mythos des „Special One“, der mit List und Tücke die feindliche Welt da draußen immer wieder an der Nase herumführte – so wie in der gern kolportierten Geschichte, in der er das Stadionverbot im Münchner Olympiastadion im Champions-League-Viertelfinale 2005 bei den Bayern in einem Wäschekorb versteckt umgangen habe – dieser Mythos hat in den vergangenen Monaten arg gelitten.

Denn Mourinho war außerstande, auf die Krise von Chelsea eine Antwort zu finden. Durch eine 1:2-Niederlage gegen Leicester City am vergangenen Montag sind die „Blues“, wie sie auf der Insel genannt werden, in eine Position gerutscht, die sich der britischer Meister des vergangenen Jahres zu Beginn der Saison wohl kaum ausgemalt hätte: Der FC Chelsea steckt im Abstiegskampf.

Die Geldliga in Europa
Platz 14: Schalke 04 – 213,9 Millionen
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Der FC Schalke ist auf Platz 14 der erste Bundesligist im Ranking von Deloitte. Zwar verloren die „Knappen“ einen Rang, die Tottenham Hotspurs zogen dank eines ordentlichen Schubs mit englischem TV-Geld vorbei, doch Königsblau konnte auch 15,7 Millionen mehr Euro als in der Saison 2012/2013 umsetzen. „Die deutschen Top-Clubs haben sich gut vermarktet und konnten ihre Umsätze steigern.“, konstatiert Karsten Hollasch, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Nicht mehr in der Top 20 ist erstmals seit der Saison 2005/2006 der Hamburger SV.

Platz 11: Borussia Dortmund – 261,5 Millionen Euro
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Der BVB hat derzeit wenig Grund zum Jubeln – tatsächlich würde mancher Fan der Borussia sich wohl freuen, wenn man in der Liga ebenfalls auf Platz 11 stünde. Da freut es doch, dass immerhin der Umsatz stimmt: Zwar schlägt in der Saison 2013/2014 kein Champions-League-Finale zu Buche, trotzdem verbesserte der Klub den Umsatz von 256,2 auf 261,5 Millionen Euro. Seine Position konnte der BVB vor allem durch höhere Fernseheinnahmen behaupten.

Platz 10: Juventus Turin 279,4 Millionen Euro
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Juventus Turin (im Bild: Federico Peluso, Mitte), als einziger italienischer Klub in den Top 10, verliert einen Platz – bei den sprunghaften Umsatzsteigerungen der englischen Klubs kam der italienische Rekordmeister nicht mehr mit. Lediglich fünf Millionen mehr im Vergleich zur Saison 2012/2013 reichen für Juventus nicht, um Platz 9 in der Money League zu verteidigen. Immerhin, in der heimischen Liga läuft es für den klaren Tabellen-Ersten der Serie A rund, in der Champions League steht man im Achtelfinale – und trifft dort auf Borussia Dortmund.

Platz 9: Liverpool – 305,9 Millionen Euro
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Ein lukrativer Fernsehvertrag ermöglicht den englischen Klubs satte Mehreinnahmen. So konnte auch der englische Vize-Meister im Vergleich zur Saison 2012/13 seinen Umsatz um 60 Millionen Euro steigern und verbessert sich im Ranking um drei Plätze nach oben. Sportlich muss die letzte Saison den „Reds“ hingegen bereits meilenweit entfernt vorkommen: Nachdem im Ligaschlussspurt die schon fast sichere Meisterschaft hergeschenkt wurde, ist das Team derzeit nur Achter, in der Champions League schied man sang- und klanglos als Gruppenletzter in der Vorrunde aus. Und Klub-Urgestein Steven Gerrard verlässt den Verein zum Saisonende in Richtung USA.

Platz 7: Arsenal London
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Nicht nur in der Tabelle der Premier League wurde Chelsea von Arsenal London überholt. Auch umsatztechnisch liegt der Verein von Özil, Mertesacker & Co. mit 435,5 Millionen Euro vor Chelsea.

Platz 7: Chelsea London – 387,9 Millionen Euro
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Auch Chelsea (mit Samuel Eto'o, links) verzeichnete ein kräftiges Umsatz-Plus, bleibt aber auf Platz 7. Im vergangenen Jahr waren die Briten nach einem Umsatzeinbruch von fast 19 Millionen Euro aus den Top 5 gerutscht. Mit dem neuen alten Trainer José Mourinho scheint Chelsea diese Saison aber auch wieder zu alter sportlicher Stärke wiederzufinden, die „Blues“ führen die Premier League derzeit an.

Platz 6: Manchester City – 414,4 Millionen Euro
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Auch die Citizens (im Bild: Stürmer Edin Dzeko) machten deutlich mehr Umsatz: Nach 316,2 Millionen Euro in der Saison 2012/2013 kann sich Manchester City um fast 100 Millionen steigern, der englische Meister bleibt damit auf Platz 6.

Eine Legende entzaubert sich selbst. Kaum eine Trainerfigur ist so berühmt und unbeliebt wie Mourinho. Liegt der 52-Jährige doch schnell im Clinch mit Schiedsrichtern, gegnerischen Trainern und dem Fußball-Gott persönlich, wenn es gerade mal wieder nicht so läuft wie sich der Portugiese dies vorstellt.

Doch selbst seine Kritiker bezweifeln nicht die fachlichen Qualitäten des Team-Managers. So gewann der exzentrische Trainer schon mehr Titel, als manch anderer Kollege in seiner kompletten Karriere. Zwei Mal gewann er die Champions League und auch bei Chelsea, wo er bereits von 2004 bis 2007 angestellt war, wurde er mit sechs Titeln in drei Jahren erfolgreichster Coach der Klubgeschichte. Doch zuletzt wirkte der Mann, der sich selbst einmal als „Special One“ tituliert hatte, seltsam hilflos.

Die Pleite gegen Leicester war bereits die neunte Saisonniederlage für den amtierenden Champion. Damit rangierten die Blues aktuell nur auf dem 16. Tabellenplatz, einen Zähler von den Abstiegsrängen entfernt. Zum Vergleich: In der gesamten vergangenen Saison gab es lediglich drei Niederlagen.

Ungewöhnlich lange hatte Chelsea-Eigentümer, der russische Milliardär Roman Abramowitsch, an Mourinho festgehalten – doch nun war die Geduld mit dem Teammanager endgültig aufgebraucht. Denn Mourinho gelang es zuletzt nicht mehr, die Mannschaft zu erreichen. Schon fast hilflos griff er als Reaktion seine Profis in der Öffentlichkeit deshalb wiederholt scharf an. Der Portugiese attackierte offen die Einstellung einiger Spieler. „Einige von ihnen sollten überdenken, wie sie Chelsea leben, wie sie Fußball und ihre Arbeit leben“, schimpfte der Startrainer noch vor wenigen Tagen im clubeigenen Chelsea TV.

Doch auch dieser Vorstoß konnte Mourinho den Job nicht mehr retten. Laut englischen Medien kostet die Trennung den Verein bis zu 50 Millionen Euro, da der Trainer noch bis 2019 unter Vertrag stand und auf ein geschätztes Jahreseinkommen von mehr als 13 Millionen Euro gekommen sein soll.

Ein Mangel an potenziellen Nachfolgern für Mourinho besteht darum nicht. Als Kandidaten werden unter anderem der Niederländer Guus Hiddink, der Ex-Liverpool-Trainer Brendan Rodgers sowie Juande Ramos, Ex-Trainer von Real Madrid, gehandelt. Die Zeitung „ Telegraph“ berichtet dagegen, dass die Nachfolge bereits feststeht: Hiddink soll demnach das Traineramt bis zum Ende der Saison übernehmen.

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