Jubel nach dem Viertelfinaleinzug
Italien feiert Matchwinner Totti

Nachdem Francesco Totti bisher bei großen Turnieren nicht überzeugen konnte, wurde der 29-Jährige nach seinem Last-Minute-Siegtor gegen Australien (1:0) in ganz Italien als Matchwinner gefeiert.

Nach seinem verwandelten Foulelfmeter, dem 1:0-Siegtreffer der Italiener gegen Australien, wurde Francesco Totti als umjubelter Held gefeiert. Der Torschütze selbst war ebenfalls überglücklich über seinen Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit. "Ich bin unheimlich froh, dass ausgerechnet ich getroffen habe", sagte der Römer. Besonders für den 29-Jährigen eine persönliche Genugtuung nach der Pleite bei der WM 2002 in Japan und Südkorea.

Vor fast exakt vier Jahren, am 18. Juni 2002, war Totti noch der Buhmann ganz Italiens. Sein Platzverweis in der Verlängerung nach einer angeblichen "Schwalbe" im Achtelfinale gegen die damals von Guus Hiddink trainierten Südkoreaner leitete die 1:2-Niederlage ein. Diesen Makel beseitigte der Kapitän vom AS Rom beim Wiedersehen mit Hiddink, diesmal an der Seitenlinie der Socceroos. In Italien wurde die Mannschaft und vor allem Totti nach Spielschluss in allen großen Städten mit spontanen Partys gefeiert.

Danach sah es allerdings vor wenigen Wochen noch nicht aus. Nach einem Wadenbeinbruch am 19. Februar schien das Thema WM für Totti bereits erledigt, doch der Spielmacher kämpfte sich in Rekordzeit zurück. Die Kritik in der Heimat hatte Totti aber auch nach seinem Treffer, dem er seiner Frau und seinem sieben Monate alten Sohn Christian widmete, nicht vergessen: "Viele Leute haben gesagt, dass ich mit meiner Verletzung das Luxusproblem des Teams bin. Ich bin mal gespannt, was sie jetzt sagen. Wahrscheinlich, dass ich der beste Spieler der Welt bin."

Auch zu Beginn des Spiels in Kaiserslautern hatte wenig darauf hingedeutet, dass Totti in die Rolle des Helden schlüpfen könnte. Der Römer saß zunächst nur auf der Ersatzbank. Trainer Marcello Lippi hatte Alessandro Del Piero den Vorzug gegeben. Erst in der 75. Minute revidierte der Coach seine Entscheidung.

"Totti war nicht zu 100 Prozent fit, deshalb war er erst einmal auf der Bank. Ich habe zu ihm auf der Bank gesagt, er soll einen seiner berüchtigten Schüsse zeigen. Das hat er dann auch gemacht. Das Tor war natürlich sehr wichtig für ihn", sagte ein erleichterter Lippi nach dem mühevollen Sieg vor 46 000 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion: "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst, dass wir nach Hause fahren müssen."

Lippi verschwieg allerdings, dass der Erfolg äußerst glücklich zu Stande kam und Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo aus Spanien erheblichen Anteil daran hatte. Zwar war der Platzverweis gegen Italiens Marco Materazzi nach einem Foul an Marco Bresciano (51.) eine sehr harte Entscheidung, doch aus Sicht der Azzurri machte der Unparteiische die Rote Karte mit seinem Strafstoß-Pfiff wieder gut.

Hinter dem angeblichen Foul von Lucas Neill an Fabio Grosso stand jedenfalls ein großes Fragezeichen. Das musste selbst Gennaro Gattuso zugeben. "Wenn wir die Rote Karte nicht bekommen hätten, hätten wir sicher auch den Elfmeter nicht bekommen", meinte der italienische Mittelfeldspieler.

Noch deutlicher wurden die Australier. "Das war nie ein Elfer", sagte Scott Chipperfield und ereiferte sich noch weit nach dem Schlusspfiff über die Entscheidung. Auch Hiddink war sauer: "Nach Ansicht der TV-Bilder besteht kein Zweifel daran, dass es kein Strafstoß war. Ich bin dennoch sehr stolz auf die Mannschaft. Wir waren nah dran."

Während die Squadra Azuura nun weiter vom ersten WM-Triumph seit dem Jahr 1982 träumen darf, ist die Ära von Hiddink nach nur einem knappen Jahr bereits wieder beendet. Der 59-Jährige übernimmt nach der Endrunde die russische Auswahl. Bis die Australier einen neuen Trainer gefunden haben - für den mit einem Jahresgehalt von 2,2 Mill. Euro dotierten Job sind Gerard Houllier und Carlos Bilardo im Gespräch - wird Assistenztrainer Graham Arnold das Team betreuen.

© SID

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