Jürgen Kohler missfielen die Strukturen beim MSV
Ein Weltmeister nörgelt sich aus dem Amt

Ein klares Bekenntnis zu seinem Arbeitgeber kam Jürgen Kohler in den letzten Wochen nur selten über die Lippen. Seit Dienstag muss sich nun auch der MSV Duisburg nicht mehr zu seinem Cheftrainer bekennen. Nach gerade einmal vier Monaten setzte der Revierclub Kohler vor die Tür.

DUISBURG. Walter Hellmich hatte genug. „Das geht so nicht“, sagte der Vorsitzende des MSV Duisburg und zog gestern den Schlussstrich unter die Ära Jürgen Kohler. Der Weltmeister von 1990 hatte erst am 19. Dezember 2005 als Trainer und Sportdirektor beim stark abstiegsbedrohten Bundesligisten angeheuert – als Nachfolger von Norbert Meier, dem eine Kopfnuss zum Verhängnis geworden war.

„Natürlich versuchen wir alles, um die Klasse zu halten. Die Mannschaft ist stark genug, um den Befreiungsschlag zu landen. Es muss aber auch weiter gehen, wenn wir es nicht schaffen“, begründete der 62-Jährige Hellmich die Trennung von Kohler, der in Duisburg das erste Mal einen Bundesligisten betreute. Vorerst übernimmt Heiko Scholz, einer von vier Co-Trainern Kohlers, die Verantwortung. Neben dem Chefcoach musste auch dessen „erster“ Assistent Andreas Zachhuber gehen. Scholz ist seit 2003 beim MSV, durfte nach Kohlers Amtsübernahme aber nur Spielbeobachtungen absolvieren. Einen Nachfolger sucht Hellmich für die nächste Saison: „Wir sondieren den Markt und führen Gespräche, lassen uns aber Zeit.“

Hellmich setzte Kohler vor allem deshalb vor die Tür, weil er die oberste Direktive seines Chefs verletzt hatte: Absolute Identifikation mit dem Verein und die entsprechende Hingabe. „Bei mir zählt die Putzfrau genauso viel wie der Geschäftsführer, solange sie sich nur in den Dienst der Firma stellen“, sagt der Bauunternehmer, für den etwa 1 000 Angestellte arbeiten.

Kohler gehört nicht mehr dazu. Obwohl mit Vertrag bis 2007 (auch für die 2. Liga) ausgestattet, druckste er in den vergangenen Wochen nur herum, wenn er auf seine Zukunft angesprochen wurde und verwies auf die rechnerische Chance, doch noch den Klassenverbleib schaffen zu können. Ein klares Bekenntnis, dem MSV auch in schlechten Zeiten die Stange zu halten, blieb jedoch aus. „Ich habe einen Vertrag, alles weitere besprechen wir zu gegebener Zeit“, sagte Kohler noch nach dem jüngsten 1:1 in Wolfsburg, das die Lage des MSV noch aussichtsloser machte.

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