Kabinensprache Deutsch Die Bundesliga tut sich schwer

Deutsche Sprache, schwere Sprache: Bayern-Boss Uli Hoeneß verlangt von den ausländischen Profis, dass sie in der Kabine Deutsch sprechen. Viele geben Hilfestellungen. Doch zahlreiche Profis tun sich schwer.
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Bayern-Profi Robert Lewandowski gibt zu, dass er im ersten halben Jahr in der Bundesliga Probleme mit der deutschen Sprache hatte. Sein Chef, Uli Hoeneß, verlangt, dass jeder Spieler in der Kabine Deutsch sprechen soll. Quelle: dpa
Amtssprache Deutsch

Bayern-Profi Robert Lewandowski gibt zu, dass er im ersten halben Jahr in der Bundesliga Probleme mit der deutschen Sprache hatte. Sein Chef, Uli Hoeneß, verlangt, dass jeder Spieler in der Kabine Deutsch sprechen soll.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWas Bayern-Präsident Uli Hoeneß radikal gefordert hat, halten auch die anderen Fußball-Bundesligisten für grundsätzlich richtig. In den Umkleidekabinen soll Deutsch gesprochen werden. „Die Amtssprache bei uns ist Deutsch“, sagte Werder Bremens Trainer Alexander Nouri vor Beginn der zweiten Saisonhälfte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn etwas unverständlich ist, bedienen wir uns auch anderer Sprachen. So wie in jedem internationalen Unternehmen.“

Für Hoeneß ist das Thema ganz simpel. Dass ausländische Profis Deutsch lernen, ist für ihn ein Zeichen des Willens zur Integration und Identifikation. Sonst würde der Verein nur als „Sprungbrett oder auf dem Weg nach Hause“ benutzt, wie er in der „Sport Bild“ folgerte. Deshalb will er es zur Vorschrift machen - und wer ihr nicht folgt, müsse Strafe zahlen.

Im Vielvölkerstaat der Bundesliga gibt es sicher viele Spieler, für die das Lernen von Deutsch mit all den grammatikalischen Finessen schwer ist. „Die deutsche Sprache ist keine einfache Sprache“, sagte Bayern-Torjäger Robert Lewandowski. Für ihn sei das erste halbe Jahr in der Liga und bei Borussia Dortmund deshalb schwer gewesen. „Das Wichtigste ist die Fußballsprache auf dem Platz. Wir verstehen uns sehr gut. Diese Fußballsprache kann jeder“, berichtete der Pole.

Einfach ist es derzeit für BVB-Neuling Raphaël Guerreiro nicht, sich sprachlich zurecht zu finden. „Die Begriffe verstehe ich ganz gut. Auch die Anweisungen des Trainers, weil sie oft übersetzt wurden“, berichtete der gebürtige Franzose mit portugiesischem Pass. Zusammen mit Ousmane Dembélé paukt er beim Club-Dolmetscher nun Deutsch.

„Die meisten vertragen eh nicht viel“
„Die Fesseln können nicht so schlecht gewesen sein, so wie wir die letzten Jahre vorneweg marschiert sind.“
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Replik von Kapitän Philipp Lahm nach dem 6:0 gegen Bremen am 1. Spieltag auf die Aussage von ARD-Experte Mehmet Scholl, die Bayern seien von Pep Guardiolas Fesseln befreit worden.

„Ich komme aus Schweden. Da ist man 35 Grad nicht gewöhnt – minus 35 vielleicht.“
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Gladbachs Linksverteidiger Oscar Wendt zur „Hitzeschlacht“ gegen Bayer Leverkusen am 1. Spieltag.

„Wir werden uns nicht hinten reinstellen und eine Kerze anzünden.“
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Ingolstadts damaliger Trainer Markus Kauczinski nach dem 2. Spieltag zur kommenden Herkulesaufgabe beim FC Bayern München.

„Wir hatten einen Plan. Er hat nur einfach nicht funktioniert.“
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Leverkusens Nationalspieler Julian Brandt nach der 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt am 3. Spieltag.

„Nein, ich muss ja früh ins Bett. Ich muss doch morgen um 14.00 Uhr zum Tanztee.“
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Darmstadts damaliger Trainer Norbert Meier, am 4. Spieltag mit 58 damals ältester Bundesliga-Trainer, auf die Frage, ob er das 1:1 gegen Hoffenheim und seinen Geburtstag noch ein bisschen feiere.

„Ich will nicht, dass wir wie Werder Bremen spielen - das wäre ja verrückt.“
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Der frühere Werder- und damalige Wolfsburg-Manager Klaus Allofs zur 1:2-Niederlage des VfL in Bremen am 5. Spieltag.

„Ein faires Spiel sagt der Trainer der Mannschaft mit 21 Fouls zum Trainer der Mannschaft mit sieben Fouls.“
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Dortmunds Trainer Thomas Tuchel nach dem 0:2 bei Bayer Leverkusen am 6. Spieltag zur Aussage seines Kollegen Roger Schmidt.

Deutsch-Unterricht in vielen Variationen wird den Profis aus aller Welt in jedem Club angeboten. „In dieser Hinsicht bekommen unsere Spieler jegliche Unterstützung“, sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler. „Grundsätzlich ist es wichtig, ob in der Kabine, auf dem Platz oder im Privaten Deutsch zu verstehen. Das erleichtert natürlich die Integration.“ Doch nicht jeder ist gewillt dazu. Bayer-Stürmer Javier Chicharito Hernandez spricht öffentlich nach anderthalb Jahren kein Wort Deutsch - dafür parliert der Mexikaner sehr gut Englisch.

Für Augsburgs Sportdirektor Stefan Reuter sind die Deutsch-Kenntnisse der Spieler „extrem wichtig“, um sich verständigen und ihnen Inhalte vermitteln zu können. „In der Kabine brauchen wir aber keine Dolmetscher, weil alle Deutsch können.“

Besonderen Wert legt 1899 Hoffenheim darauf, dass alle Profis der Kraichgauer die deutsche Sprache verstehen. „Für mich ist es sehr wichtig, dass Deutsch gesprochen wird. Nicht nur, weil meine Trainingsformen sehr komplex sind und durch das Dolmetschen einfach zu viel Zeit verloren geht“, sagte Chefcoach Julian Nagelsmann. Auch für die Integration des Spielers sei es äußerst wichtig. Deshalb werde beim täglichen Umgang miteinander auch Deutsch gesprochen. „Wir sprechen mit den Spielern ebenfalls auf Deutsch und erwarten, dass auf Deutsch geantwortet wird“, sagte Nagelsmann.

Nicht ganz so rigide ist Valérien Ismael. In der Kabine des VfL Wolfsburg werde „in der Regel“ Deutsch gesprochen. „Aber wenn das nicht geht, weil die Spieler noch kein Deutsch können, sprechen wir Englisch“, sagte der Cheftrainer. Die Fußballbegriffe gebe es nur auf Deutsch, „damit die Spieler das Fußballvokabular schnell lernen“.

Rote Bullen, Torgeilheit und Trainerschwund
Top: RB Leipzig
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Auch die deutliche 0:3-Niederlage beim FC Bayern konnte dem Aufsteiger aus Sachsen die bis dato fantastische Hinserie nicht verderben. 36 Punkte nehmen die Leipziger mit ins Jahr 2017, eine hervorragende Ausgangsposition. „Ich bin bis hierher sehr stolz auf das, was diese Mannschaft geleistet hat“, sagte Trainer Ralph Hasenhüttl nach der „Lehrstunde“ von München. Das Saisonziel, eine „sorgenfreie Saison zu spielen“, hat der Emporkömmling praktisch schon erreicht.

Flop: Trainer
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Viktor Skripnik (im Bild), Bruno Labbadia, Dieter Hecking, Markus Kauczinski, Norbert Meier, Dirk Schuster und André Schubert: Bereits sieben Trainer mussten ihren Posten in der Hinrunde abgeben. Der Trend geht bei der Folgebesetzung immer mehr zu Lösungen aus dem eigenen Lager wie bei Alexander Nouri (Bremen) oder Valérien Ismaël (Wolfsburg). Darmstadt und Augsburg ließen sich Zeit und stellten zunächst Ramon Berndroth und Manuel Baum als Interimslösung ein.

Top: Torhungrige Stürmer
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In der vergangenen Spielzeit lieferten sich Pierre-Emerick Aubameyang (Dortmund) und Robert Lewandowski vom FC Bayern ein Wettschießen um die Torjägerkanone. Auch in dieser Saison haben der Gabuner (16 Tore) und der Pole (12) schon wieder ein prall gefülltes Torekonto. Doch auch Angreifer Anthony Modeste (im Bild), der 13 von 21 Treffern des 1. FC Köln erzielt hat, mischt im Kampf um die Torjägerkanone munter mit.

Flop: Hamburger SV
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Der krisengeplagte Traditionsclub legte einmal mehr ein Halbjahr voller Pleiten, Pech und Pannen hin. Bruno Labbadia musste als Trainer gehen, Dietmar Beiersdorfer wurde seine Posten als Sportdirektor und Vorstandsvorsitzender los, Jörn Wolf trat als Medienchef ab, und auch Aufsichtsratsboss Karl Gernandt zog sich zurück. Sportlich? 13 Punkte, 31 Gegentore und – mal wieder – der Relegationsrang 16. Neuer starker Mann ist Heribert Bruchhagen, der den Verein als Vorstandsboss in eine bessere Zukunft führen soll.

Top: Julian Nagelsmann
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Mit 29 Jahren ist Nagelsmann der jüngste Chefcoach der Bundesliga-Geschichte. Nach den ersten zehn Monaten seiner Amtszeit steht er bereits auf einer Stufe mit dem Titelverteidiger in der Champions League – zumindest statistisch: Seine Hoffenheimer sind als einziges Team neben Real Madrid in den europäischen Topligen noch ungeschlagen.

Flop: Schiedsrichter
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Zu einem Ärgernis gerieten im ersten Fußball-Halbjahr die Schiedsrichter und deren Leistungen. Selbst Routiniers wie Felix Brych und Wolfgang Stark (im Bild, M.) hatten in dem Hochgeschwindigkeitsspiel mitunter Probleme. Die Torlinientechnik wurde zwar eingeführt, jedoch wird der Ruf nach dem bereits beschlossenen Videobeweis in der Liga nach der vergangenen Halbserie immer lauter.

Top: Spannung in der Liga
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Die ersten vier Verfolger von Tabellenführer FC Bayern? Leipzig, Hertha, Frankfurt und Hoffenheim. Wohl selten hat eine Tabellenkonstellation eine so spannende Rückserie versprochen wie in dieser Spielzeit. Vize-Meister Dortmund lauert zwar auf Rang sechs, die weiteren Topteams aus Leverkusen, Schalke, Wolfsburg oder Gladbach haben aber bereits einen beträchtlichen Rückstand auf die internationalen Ränge.

Auch bei RB Leipzig ist man nicht so streng mit Spielern, die nicht so schnell Deutsch lernen. In diesem Fall würden „dem einen oder anderen auch in seiner Muttersprache wichtige Hinweise vermittelt, weil er sie dann am besten versteht“, so Trainer Ralph Hasenhüttl. Dies gilt für den Schotten Oliver Burke, der im vergangenen Sommer von Nottingham Forest kam. „Wenn du trainierst und eine andere Sprache lernen musst, ist es nicht immer ganz einfach“, sagte Burke. Kommt er deshalb schwerer mit all den Herausforderungen klar? „Nein. Die Trainer und alle sprechen ja Englisch.“

Beim FSV Mainz 05 braucht es eigentlich keinen Dolmetscher, weil Trainer Martin Schmidt auch Englisch, Italienisch und Französisch kann. Er pocht dennoch darauf, dass in der Kabine Deutsch gesprochen wird. Auf dem Trainingsplatz hat er nichts dagegen, wenn es mehrsprachig zugeht. Im Fußball gehe es zunächst um Beine und Leistung, da sei „die Sprache vordergründig nicht das Wichtigste“, meinte Schmidt. „Ich zwinge keinen, Deutsch zu lernen.“

  • dpa
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