Fußball
Kahn will endlich eingespielte Abwehr

Torhüter Oliver Kahn setzt sich bei Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag in Istanbul gegen die Türkei für eine kontinuierliche Besetzung der Abwehr ein.

Oliver Kahn hat vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag in Istanbul gegen den WM-Dritten Türkei (20.00 Uhr/live im ZDF) an Bundestrainer Jürgen Klinsmann appelliert, dass sich vor allem die Abwehr "ab sofort" für die WM 2006 im kommenden Sommer einspielen müsse.

"Ich bin jetzt seit 20 Jahren Profi und seit 1994 bei der Nationalmannschaft dabei. Ich weiß, wovon ich rede", sagte der Kapitän des deutschen Rekordmeisters Bayern München. "Jetzt ist es an der Zeit, dass die Mannschaft ein Gesicht bekommt, vor allem in der Defensive. Ab einem gewissen Zeitpunkt muss es auf diesen Positionen eine gewisse Konstanz und Kontinuität geben. Jürgen sieht das etwas anders - dann muss er dafür auch die Verantwortung übernehmen", erklärte der 36-Jährige ruhig aber bestimmt einen Tag vor dem Abflug an den Bosporus im Hamburger Hotel Side. Kahn ist in der Türkei und am kommenden Mittwoch (12. Oktober, 20.30 Uhr/live in der ARD) in Hamburg gegen China die Nummer eins im deutschen Tor.

"Ich muss herausfinden, wie ich meine Vorderleute beeinflussen kann"

Vor allem, dass der Bundestrainer bis kurz vor der WM die Torwartfrage offenhalten will und bis dahin weiter auf Rotation zwischen ihm und Konkurrent Jens Lehmann setzt, ist Kahn nach wie vor unverständlich. "Es ist eine ganz normale Geschichte, dass ein Torwart eine Zeit lang kontinuierlich mit seinen Spielern zusammenspielen muss. Dabei geht es auch um die mentale Leistung, die emotionale Ebene. Ich muss herausfinden, wie ich das Spiel meiner Vorderleute beeinflussen kann. In München habe ich mit den Abwehrspielern eine Art Verhältnis, da weiß jeder, was der andere macht. So etwas muss zusammenwachsen, das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt", kritisierte Kahn den derzeitigen Schlingerkurs von Klinsmann.

Grundsätzlich will Kahn, der eine Degradierung bei der WM zur Nummer zwei hinter Jens Lehmann gar nicht erst ins Kalkül zieht ("Das würde eine kompletten Leistungseinbruch meinerseits voraussetzen, und den hat es noch nie gegeben") und somit auch für diesen Fall noch nicht über einen Rücktritt nachgedacht hat, keinen Streit mit dem Bundestrainer. "Ich habe mich seit längerem mit der Situation abgefunden und die Entscheidung von Jürgen akzeptiert. Ich gehe mit der Situation sehr professionell um. Jürgen will modernen Fußball spielen, mit hohem Tempo nach vorne. Trotzdem darf man die Defensive nicht vernachlässigen. Ein Titel wird in der Abwehr gewonnen, das weiß jeder."

"Ich bin von unseren Defensivspielern überzeugt."

Zugleich brach Kahn, der für den erkrankten Michael Ballack im Hexenkessel Atatürk-Stadion nach mehr als einem Jahr wieder die Spielführerbinde tragen wird, eine Lanze für die deutschen Abwehrspieler: "Ich bin von unseren Defensivspielern vollauf überzeugt. Wir haben schon viel probiert, nun müssen wir aber eine gute Mischung finden. Eine Kombination aus jungen und erfahrenen Spielern wäre nicht schlecht."

Aber auch wenn ein erfahrener Haudegen wir Christian Wörns wegen seiner Nichtberücksichtigung zu Hause schmollt, verlangt Kahn auf dem "heißen Pflaster" von Istanbul endlich mal wieder ein Spiel ohne Gegentor für die deutsche Mannschaft. "Unser vordringlichstes Ziel muss es sein, kompakt zu stehen und kein Gegentor zu kassieren. Das würde uns viel Selbstvertrauen geben. So wird es auch kommen, weil ich überzeugt davon bin, dass wir sehr gute Abwehrspieler haben", stärkte der Routinier bereits im Vorfeld seinen Vorderleuten den Rücken.

Comeback für Metzelder

Einer der Protagonisten in der Defensiv-Abteilung wird Rückkehrer Christoph Metzelder sein, der erstmals nach der WM 2002 wieder den Adler auf der Brust trägt und sich seiner Verantwortung durchaus bewusst ist. "Ich weiß, dass von mir erwartet wird, dass ich die Abwehr stabilisiere", sagte der Dortmunder und wagte dann einen Vergleich mit dem Weltmeister: "Wir sind sicher nicht Brasilien. Aber die letzten Turniere haben gezeigt, dass es nicht unbedingt nur auf die spieltechnischen Qualitäten einer Mannschaft ankommt, sondern auch auf viele andere Dinge". Dazu gehöre die Gesamt-Atmosphäre in der Mannschaft, die der 16-malige Internationale als "außergewöhnlich" bezeichnete.

An dieser positiven Einstellung konnte auch die Absage von Miroslav Klose nichts ändern, der wegen einer Grippe nicht mit nach Istanbul reisen kann. Der Bremer Torjäger wird aber genauso wie Ballack möglicherweise am Sonntagabend nach der Rückkehr des DFB-Teams nach Hamburg wieder zur Mannschaft stoßen. Für Klose wurde der eigentlich für die "U21" vorgesehene Wolfsburger Mike Hanke nachnominiert, der wohl Sonntag wieder zu den Junioren fahren wird.

© SID

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