Kaiserliches Donnerwetter
WM-OK greift Verbraucherschützer an

Der Streit um das Options-Ticket-Programm für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat an Schärfe deutlich zugenommen und nun sogar die Bundesregierung auf den Plan gerufen.

dpa MAINZ. "Überall, wo wir waren, hat man uns den Roten Teppich ausgelegt, wir wurden mit Respekt behandelt. Alle freuen sich auf Deutschland. Nur wir im eigenen Land machen uns selber die Probleme. Das, was wir am wenigsten brauchen, sind Querschüsse und vor allem Tagediebe, die uns den Tag stehlen", holte OK-Präsident Franz Beckenbauer am Samstagabend im ZDF-Sportstudio zum kaiserlichen Donnerwetter aus.

Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung um die zusätzlich zur Verfügung gestellten Karten vor dem Landgericht Frankfurt/Main am Mittwoch wolle nun Verbraucherschutzminister Horst Seehofer entsprechende Gespräche führen, kündigte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach an. "Wir sind stolz darauf, dass wir die Weltmeisterschaft mit einem ganz kleinen Team ohne Steuergelder nach Deutschland geholt haben. Wir schlagen uns nun mit konstruierten Sachen rum. Das frustriert und ist total überflüssig", schimpfte Niersbach.

"Es ist typisch deutsch, dass wir ein Problem kreieren, das unserer Einschätzung nach so gar nicht existiert, wie es vom Verbraucherschutz mit großen Parolen nach Außen getragen wird", ergänzte der Vize, der an der Seite von Beckenbauer in der vergangenen Woche die WM-Teilnehmer aus Afrika besucht hatte. Währenddessen war am Donnerstag ein Vergleichsversuch zwischen Verbraucherschützern und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gescheitert. Die vom Bundesverband Verbraucherzentrale (vzbz) beantragte Einstweilige Verfügung wurde gegen den DFB zunächst nicht erlassen.

"Durch das Ticket-Optionsprogramm eröffnet sich eine zusätzliche Chance auf WM-Karten, die ursprünglich nicht für den öffentlichen Verkauf bestimmt waren", betonte bereits Horst R. Schmidt, ebenfalls Vizepräsident im WM-OK. Zu den 1,1 Mill. Karten kommen 250 000 bis 300 000 Karten aus dem Options-Programm hinzu.

Vorgeworfen wird dem WM-OK, dass der Fan den kompletten Preis bezahlen muss, obwohl er noch nicht weiß, ob er eines der rückläufigen Tickets erhält. Wartet er vergeblich auf eine Karte, wird das Geld einen Monat nach den Titelkämpfen vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 an den Kunden zurückgezahlt, nicht aber die fünf Euro Bearbeitungsgebühr pro Karte.

Gegen einen angeblichen Zinsgewinn setzte sich Niersbach vehement zur Wehr. So habe das WM-OK die wohl anfallenden 150 000 Euro SOS- Kinderdörfern zukommen lassen wollen. Darauf sei von der vzbz der Einwurf gekommen, dass der einzelne Kunde einen Anspruch auf Zinsen habe. Diese, so rechnete Niersbach vor, würden bei einem Ticket für 100 Euro 1,39 Euro betragen. "Wir streiten uns um 1,39 Euro bei einem Projekt mit einem Gesamtetat von 430 Millionen", sagte er aufgebracht.

Hintergrund des Options-Programms waren die Erfahrungen aus den vergangenen Titelkämpfen in Portugal (Europameisterschaft) sowie Japan und Südkorea. Damals waren ganze Blöcke frei geblieben, da Nationen ihre Kontingente nicht nutzten. "Wir wollen sofort reagieren können. Wir wollen aber auch die Sicherheit haben, dass es ernst gemeint ist, deswegen wollen wir die Vorkasse haben", erklärte Niersbach. So waren in der ersten Verkaufsphase 40 000 georderte Tickets nicht bezahlt worden. Der OK-Vize unterstrich zudem, dass keiner zum Kauf von Options-Tickets gezwungen werde.

Hoffnung machte er den Fans, dass es auch am Stadion noch Tickets zu kaufen geben werde. Niersbach räumte aber zugleich ein, dass eine Lösung auch im Falle des kurzfristigen Umtauschs einer Karte noch nicht gefunden sei, nachdem die Tickets auf den Namen des Käufers ausgestellt werden. "Das ganze Kartengeschäft ist insgesamt so kompliziert, dass man bei jedem einzelnen Zug anschließend fragen könnte, hätte man das nicht anders machen können", meinte Niersbach. Die WM sei aber ein Geschenk, man dürfe nicht "klein kariert" an manchen Dingen festhalten.

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