Kaiserslautern
„De Fußball kummt häm in die Palz“

Mag die Gegenwart für die Anhänger der roten Teufel auch trist sein, mit ihrem WM-Motto erinnern sie selbstbewusst an bessere Zeiten: "De Fußball kummt häm" - nach Hause in die Stadt, in der ihre Provinz-Elf um die Legende Fritz Walter Maßstäbe im Fußball setzte.

HB DÜSSELDORF. Wer die abgelaufene Saison des Fußballclubs 1. FC Kaiserslautern verfolgt hat, mag kaum glauben, dass das nicht einmal 300 Meter hoch gelegene Stadion am Betzenberg für viele Gastmannschaften einst als nahezu uneinnehmbarer Gipfel galt. Was es bedeutet, wenn der "Betze" brennt - auch wenn er damals schon Fritz-Walter-Stadion hieß -, erlebten die Münchner Bayern im Frühjahr 1991. Sie verloren in einem vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft gegen die "roten Teufel" aus Kaiserlsautern. Jupp Heynckes, damals Trainer der Bayern, giftete anschließend: "Kaiserslautern ist tiefste Provinz." Es änderte nichts: Der Meistertitel ging in die Provinz - wie sieben Jahre später, als Trainer Otto Rehhagel die nach einem Zweitliga-Jahr aufgestiegenen Pfälzer prompt zum Titel führte.

Mag die Gegenwart für die Anhänger der roten Teufel auch trist sein, mit ihrem WM-Motto erinnern sie selbstbewusst an bessere Zeiten: "De Fußball kummt häm" - nach Hause in die Stadt, in der ihre Provinz-Elf um die Legende Fritz Walter Maßstäbe im Fußball setzte. Der spätere Stadion-Namensgeber bestritt im Juni 1959 sein Abschiedsspiel auf dem 40 Jahre zuvor erbauten "Betzenberg". Das seitdem mehrfach ausgebaute Stadion kann heute auch bei umweltbewussten Menschen punkten. Auf dem Dach wurde eine 6 000 Quadratmeter große Solaranlage installiert, die den Energiebedarf von 200 Einfamilienhäusern deckt.

Dem wahren Fan sind allerdings Ligapunkte wichtiger als Ökopunkte. Und so hofft er doch ganz inständig, dass die Verweildauer in der zweiten Liga auch diesmal nicht länger als ein Jahr währt. Einer drückt ganz besonders fest die Daumen, privat als FCK-Mitglied und dienstlich als Geschäftsführer der Fritz-Walter Kaiserslautern-Stadion GmbH: Erwin Saile hofft darauf, dass wie vor zehn Jahren der Zuschauerschnitt in der zweiten Liga nicht merklich abfällt. In der abgelaufenen Erstliga-Saison kamen im Schnitt 30 000 bis 35 000 Zuschauer zu den Heimspielen. Hohe Zuschauerpräsenz sichert die Zahlungsfähigkeit des 1. FCK, der jährlich 3,2 Mill. Euro Stadionmiete überweisen muss. "Es wäre ein Gau, wenn der Verein die Miete nicht mehr zahlen könnte", sagt Saile, betont aber sofort, er habe keine Anzeichen, dass es soweit kommen könnte.

Die Miete decke Zins- und Tilgungszahlungen ab, versichert Saile. Vermieter wurde die Stadt im Jahr 2003. Um den Verein vor der Pleite zu retten, kauft sie dem 1. FCK damals das Stadion ab. Ob aus den Mietzahlungen des Fußballweltverbandes Fifa nun ein Zusatzgeschäft für die Stadion GmbH wird, lässt Kaiserslauterns WM-Koordinator offen. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Stadt als alleinige Eigentümerin der Gesellschaft am Ende drauflegt.

Ohnehin ist es Sailes Ziel, zusätzliche Geldquellen zu erschließen - was für ein reines Fußballstadion im Wettbewerb mit den neuen Multifunktionsarenen der Liga-Konkurrenz nicht einfach ist. Saile möchte mit der Football-Liga NFL ins Geschäft kommen. Hintergrund: Offenbar gelingt es zurzeit nicht allen NFL-Vereinen, ihre Stadien zu füllen. Saile kann mit einem großen Zuschauerpotenzial für American Football werben: In und rund um Kaiserslautern leben 48 000 Amerikaner. rrl

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