Kampf um Platz 5 und 6 Köln singt Halleluja

Dramatisches Finale in der Bundesliga: Die Clubs kämpfen um Platz fünf und sechs, um sich die Europa-Tickets zu sichern. Am emotionalsten war es in Köln, wo der große Traum nach 25 Jahren wahr wurde.
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Kölns Jonas Hector (links) und Mannschaftskamerad Yuya Osako jubeln über Hectors Treffer zum 1:0. Quelle: dpa
1. FC Köln gegen FSV Mainz 05

Kölns Jonas Hector (links) und Mannschaftskamerad Yuya Osako jubeln über Hectors Treffer zum 1:0.

(Foto: dpa)

KölnDer Meister steht längst fest, die zwei direkten Absteiger auch, aber der Kampf um die europäischen Plätze bot gleich auf sechs Plätzen Spannung, dass es den Fans den Kopf verdrehte. Um den wichtigen Rang drei, der zur direkten Qualifizierung zur Champions League berechtigt, stritten sich im Fernduell Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim.

So richtig aufregend war der Kampf um Rang fünf und sechs, also die Option für die Europa League. Fünf Teams waren in der Verlosung: Berlin, Freiburg, Köln, Bremen und Mönchengladbach. Die rechnerisch besten Aussichten hatten Hertha BSC Berlin und der SC Freiburg mit drei beziehungsweise zwei Punkten Vorsprung auf den 1. FC Köln auf Rang sieben. Aber die Rheinländer freuten sich vor dem Spiel gegen den FSV Mainz mehr als alle anderen Konkurrenten auf den großen Trip durch Europa – das gab es für den FC seit 25 Jahren nicht mehr.

Oh Käpt'n mein Käpt'n
Joachim Löw und Bastian Schweinsteiger
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Er ist der Neue: Am 2. September verkündete Joachim Löw schließlich, dass Bastian Schweinsteiger die Nachfolge von Philipp Lahm antreten wird. Im WM-Finale hatte Schweinsteiger vor allem Nehmerqualitäten bewiesen: Blutend, humpelnd und von gefühlt jedem Argentinier auf dem Feld einmal gefoult, hielt der Bayer bis zum erlösenden Abpfiff durch, lehnte die Auswechslung ab, holte Freistoß um Freistoß, Minute um Minute für das deutsche Team raus. Jetzt wird der Mittelfeldleader, der sein erstes Länderspiel vor gefühlten Äonen und tatsächlich zehn Jahren als Flügelstürmer „Schweini“ bestritt und der in der Abwesenheit Michael Ballacks 2010 zum neuen Chef im Mittelfeld reifte, neuer Spielführer. 2016 wird er dann, wenn nötig, wieder die Knochen hinhalten solange er muss: Dann will Deutschland nach dem WM- auch den Europameistertitel gewinnen.

Ein Überblick, wer die deutsche Nationalmannschaft schon als Kapitän anführte.

Fritz Walter
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Fritz Walter, der Mann, dessen liebstes Fußballwetter aufgrund einer Malaria-Erkrankung der strömende Regen war, lief erstmals am 15. April 1951 mit der Kapitänsbinde auf. Eine deutsche Nationalmannschaft wurde nach dem zweiten Weltkrieg und fünfjährigem Spielverbot für Deutschland erst allmählich wieder aufgebaut und Walter wurde der verlängerter Arm des früheren Reichs- und neuen Bundestrainers Sepp Herberger. Unter der Führung Walters wurde Deutschland 1954 erstmals Weltmeister und feierte das „Wunder von Bern“ – doch Walters wichtigstes Spiel war ein anderes: Als Kriegsgefangener in Máramarossziget in Rumänien spielte Fritz Walter Fußball mit den Wachsoldaten, die den Nationalspieler erkannten und dem Lagerkommandanten vorstellten. Der bewahrte der Legende nach Fritz und dessen Bruder Ludwig vor dem Gulag.

Walter blieb bis 1956 Kapitän und wollte, mit Verletzungen hadernd, danach eigentlich aus der Nationalmannschaft zurücktreten. Herberger überredete ihn dazu, sogar noch die WM 1958 mitzuspielen – danach war aber endgültig Schluss für die Legende des 1.FC Kaiserslautern. Und auch Herberger konnte ihn nicht mehr umstimmen, als er 1962 versuchte den 42-Jährigen, der seine Karriere längst endgültig beendet hatte, noch einmal zur WM-Teilnahme zu überreden. Fritz Walter starb am 17. Juni 2002 und ist Ehrenspielführer der Nationalmannschaft.

Uwe Seeler
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Das erste mal durfte sich Uwe Seeler 1961 gegen Dänemark die Kapitänsbände anlegen. Dadurch beflügelt gelangen dem nur 1,68 Meter großen Stürmer gleich drei Kopfballtore. Nach der WM 1962 wurde "Uns Uwe" dann Stammkapitän der Nationalmannschaft. In dieser Position führte er auch die deutsche Mannschaft ins Finale der WM 1966 in England. Legendär verlor das DFB-Team dort mit 2:4 nach Verlängerung. Nicht ganz untypisch für Uwe Seeler - denn trotz grandioser fußballerischer Leistungen gewann der Hamburger nie einen Titel.

Zwei Jahre später erklärte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, kam aber auf Drängen des Bundestrainers zurück. Bei der WM 1970 spielte er wieder als Kapitän und kickte England im Viertelfinale mit dem Hinterkopf aus dem Turnier - eine kleine Revanche für das verlorene Finale. Im gleichen Jahr verabschiedete er sich endgültig von der Mannschaft.

Fußball - Sepp Maier wird 65 Jahre alt
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1971 führte Franz Beckenbauer die Nationalmannschaft erstmals als Kapitän an. Drei Jahre später feierte er mit seiner Mannschaft die Weltmeisterschaft. Mit dem Wechsel zu Cosmos New York endete seine Zeit als Nationalspieler und damit auch als Mannschaftsführer - denn ein Spieler im Ausland hatte damals keine Chance auf einem Platz in der Nationalmannschaft.

Doch auch ohne den Wechsel hätte es für den Kaiser schwierig werden können - er steckte mitten in einer Ehekrise und konnte seine Beziehung zu einer Sportfotografin nicht geheim halten. Ein geschiedener Spielführer erschien der Bild-Zeitung sowie einigen DFB-Funktionären als inakzeptabel.

Bernard DietzCordoba 1978
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Bernard "Enatz" Dietz (hier im freien Flug) wurde nach dem desaströsen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 1978 neuer Kapitän. Die Ruhrpottlegende war 19 Einsätze lang Spielführer und gewann mit seiner Mannschaft 1980 die Europameisterschaft.

Doch dann teilte ihm der Bundestrainer Jupp Derwall mit, dass er nach angeblich unangemessenen Äußerungen in einem Interview von Dietz enttäuscht sei. Der Kapitän vermisste bei seinem Coach den nötigen Rückhalt. So endete seine Zeit als Mannschaftsführer.

Fußball-WM '82 - Deutschland - Österreich 1:0
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Insgesamt 51 Spiele absolvierte Karl-Heinz Rummenigge als Kapitän für die Nationalmannschaft. In den 1980er Jahren galt er als einer der weltbesten Spieler und führte die DFB-Elf als Kapitän in die WM-Endspiele von 1982 und 1986. Mit dem Vizeweltmeistertitel 1986 war für den heutigen Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München Schluss. Via Zeitungskolumne gab er das Amt ab.

Matthäus und VogtsVogt Matthäus WM 1994
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Sieben Jahre und 75 Länderspiele spielte Lothar Matthäus als Kapitän in der Nationalmannschaft. Verletzungsbedingt musste er die Binde 1994 an Intimfeind Jürgen Klinsmann abgeben. Als Trainer Berti Vogts "Loddar" nicht einmal mehr in den Kader für die EM 1996 berief, starb auch die Hoffnung, noch einmal Spielführer werden zu können. Dafür ist er mit 150 Länderspielen Deutschlands Rekordnationalspieler.

Die Stimmung rund ums Stadion war schon lange vor Anpfiff besonders: Live-Musik, Gesänge, Volksfeststimmung. Als dann auch noch zwischen Aufstellung und Hymne der Höhner-Hit „Wenn nicht jetzt, wann dann“ ertönte, war allen klar: So eine Begeisterung hat es hier in Köln lange nicht gegeben. Auf Banner gedruckt lautete das Motto: „Heute alles geben – gemeinsam durch Europa“.

Auch noch so erfahrene Reporterkollegen staunten nicht schlecht angesichts des Geräuschpegels während der ersten Minuten. Da störte zunächst auch nicht, dass die Mainzer sich durchaus nicht versteckten und keineswegs gewillt, nach ihrem rettenden 4:2-Sieg in der Vorwoche dieses für sie nicht mehr wichtige Spiel nachlässig anzugehen.

15.37 Uhr: Jubel im Stadion. Leverkusen führt bei Hertha BSC. Aber warum jubeln FC-Anhänger bei einem Tor ihres verhassten Nachbarn? Weil Köln die Hertha so noch überholen könnte mit einem Sieg. Eine Minute später der Dämpfer: Bremen führt in Dortmund und zieht am FC vorbei. Plötzlich wäre auch Platz sieben gefährdet, der reichen würde, wenn Dortmund im DFB-Pokalfinale gegen Frankfurt gewinnt. Klingt alles kompliziert, weiß hier aber jeder. Dann wieder kurz Jubel: Der FC Bayern führt 1:0 gegen den SC Freiburg. Beruhigend, den an den Breisgauern will der FC ja auch noch vorbeiziehen.

15.41 Uhr: Der FC tut sich schwer gegen gut stehende Mainzer. Die Gäste sind die aktivere Mannschaft. Doch dann die Chance von Bittencourt. Alle stehen auf, auch wenn der Schuss leicht drüber geht. Ein Tor für den FC und wenn alles so bliebe, stünde Köln auf Rang fünf. Perfekt. Aber die Blitztabelle sagt auch: derzeit ist es Rang acht, aus der Traum von Europa.

Köln belegt zwischenzeitlich Rang acht. Quelle: Screenshot
Tabelle in der ersten Halbzeit

Köln belegt zwischenzeitlich Rang acht.

(Foto: Screenshot)

15.50 Uhr: 20 Minuten sind rum. Die „Wilde Horde“ sinkt ununterbrochen, die Mainzer Fans melden sich ab und an, aber die ganz große Stimmung ist erst mal futsch. Gerade überwiegt die Sorge, dass es auf Rang acht rauslaufen könnte. Die Spieler auf dem Rasen wirken konzentriert, aber gehemmt und agieren zu unpräzise. Mainz lädt durchaus zu Kontern ein, aber Köln macht es nicht gut. Zu umständlich, zu ungenau.

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