Kartendealer viagogo: Schalke verbietet Unterschriftenaktion

Kartendealer viagogo
Wenn der Schwarzmarkt legal wird

  • 0

Schalke verbietet Unterschriftenaktion

Roest hat in einem Punkt recht: Einen Schwarzmarkt gab es schon immer. Die teilweise horrenden Preise regelten Angebot und Nachfrage. Viagogo aber macht das Ticketverschieben einfacher. Für Privatpersonen, die ausnahmsweise mal verhindert sind, mag das von Vorteil sein. Von dem Portal profitieren aber auch professionelle Schwarzhändler, die Tickets in großen Mengen erwerben, mit dem einzigen Ziel, sie später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Ein englisches TV-Magazin enthüllte, dass nicht einmal ein Viertel der angebotenen Karten auf viagogo von Privatpersonen stammen. Profi-Dealer seien deutlich in der Überzahl. Roest widerspricht: „Die meisten der viagogo-Händler verkaufen weniger als 10 Tickets pro Jahr.“

Heikel könnte es für viagogo wegen eines weiteren Kritikpunktes werden: Die Dokumentation hatte aufgedeckt, dass viagogo selbst Karten beim Veranstalter erwerbe, um sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Diesen sogenannten Schleichbezug könnten deutsche Veranstalter rechtlich unterbinden. Im Falle der kooperierenden Bundesliga-Vereine ist das jedoch unwahrscheinlich, weil sie ja freiwillig mit viagogo zusammenarbeiten.

Schalke 04 will ab Sommer seine komplette zuvor intern betriebene Ticketbörse an das Unternehmen auslagern und der Internetplattform für jeweils einige Heimspiele 300 Tickets zur Verfügung stellen, die nur über viagogo verkauft werden. Die Karten dürfen zwar am Ende für nicht mehr als das Doppelte des ursprünglichen Preises über den Tisch gehen. Dennoch reden die Fans von einem „Pakt mit dem Teufel“. „Schalke 04 droht, seine Identität für ein Trinkgeld zu verkaufen“, heißt es auf der Protestseite vianogo.de.

Die Klubs sehen in der Zusammenarbeit mit viagogo den Vorteil, den Schwarzhandel zumindest etwas kanalisieren zu können, und bei geschickter Vertragsgestaltung von der Marge sogar zu profitieren. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal Deutschland“ soll viagogo dem FC Schalke pro Jahr zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro zahlen. Für den Deal muss der Verein nun seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen ändern. In denen steht, Karten dürften nicht zu einem höheren Preis als dem Tagespreis verkauft werden.

Der Ticketdealer profitiert von saftigen Gebühren, die Käufer und Verkäufer zahlen müssen sowie der Preisdifferenz der weiterverkauften Karten, seine Investition deckt es damit aber wohl kaum. Viagogo geht es wahrscheinlich vor allem um den Sponsorenstatus, den sie mitgekauft haben. Viagogo will auf die Werbebanden, will sein Image verbessern.

Doch zuletzt gab es Rückschläge. Beim Hamburger SV wurde der Druck der Fans so groß, dass die Zusammenarbeit mit viagogo wieder beendet wurde. Auch der FC Bayern erklärte, seinen Vertrag über die kommende Spielzeit hinaus nicht zu verlängern und an einem eigenen Ticketportal mit fairen Preisen arbeiten zu wollen. Die Schalke-Fans hoffen auf Ähnliches. Sie wollen eine außerordentliche Mitgliederversammlung erzwingen, um den Deal zu kippen.

Eine Unterschriftenaktion im Stadion beim Heimspiel gegen Düsseldorf am vergangenen Samstag hatte Schalke 04 verboten. Er wolle keine Aktion unterstützen, die sich gegen aktuelle oder zukünftige Partner richte, begründete der Verein sein Verbot. Die Fans sammeln die Unterschriften nun vor dem Stadion. Für die Einberufung einer Mitgliederversammlung brauchen sie etwa 8.200.

Seite 1:

Wenn der Schwarzmarkt legal wird

Seite 2:

Schalke verbietet Unterschriftenaktion

Christian Spiller
Christian Spiller
Zeit Online / Redakteur

Kommentare zu " Kartendealer viagogo: Wenn der Schwarzmarkt legal wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%