Katar und die WM 2022
Die Kicker-Kaderschmiede der Scheichs in Eupen

Immer auf der Suche nach Talenten: Katar ködert als Gastgeber der WM 2022 junge Kicker aus aller Welt. Und lässt sie in Belgien Spielpraxis sammeln. Die globale Fußballoffensive der Scheichs nimmt bizarre Formen an.
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EupenIn einer Zeit, in der Fußballvereine zum potentiellen Spielzeug der Superreichen geworden sind, strahlt das Flutlicht im belgischen Eupen nicht allzu hell. Das „Stadion am Kehrweg“ liegt grau mitten in der Stadt und macht wenig her. Die große Fußballbühne liegt mit Bayer Leverkusen und Standard Lüttich zwar geographisch gesehen um die Ecke, scheint in dem 18.000-Einwohner-Städtchen allerdings Lichtjahre entfernt zu sein.

In der Hauptstadt der deutschsprachigen Kantone Ostbelgiens ist der Alltag, was Erfolge angeht, eher trist: Der örtliche Fußballverein AS Eupen dümpelt in der zweiten belgischen Liga vor sich hin. Nationale Erfolge feierte der Klub seit seiner Gründung 1945 noch nie. Nur selten verirrt sich die große Fußballwelt in den östlichsten Zipfel Belgiens.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Königliche Allgemeine Sportvereinigung Eupen, wie der Verein mit vollem Namen traditionell heißt, mittlerweile zur fußballerischen Außenstelle des arabischen Emirats Katar geworden ist. 2012 schlossen der marode Provinzklub und die Aspire Foundation, eine Stiftung des katarischen Königshauses mit Hauptsitz in der Hauptstadt Doha, einen zehnjährigen Vertrag und machte die KAS Eupen bis zur Wüsten-WM 2022 buchstäblich zur Kaderschmiede des Emirats.

Barcelona, Paris, Eupen: Das katarische Engagement nimmt gleich hinter der deutsch-belgischen Grenze bizarre Formen an. Denn neben medienwirksamen Sponsorings beim FC Barcelona und Paris St. Germain ist die KAS Eupen ein wenig beachtetes Rädchen in der globalen Fußballmaschine der Scheichs.

2012 stand die KAS Eupen finanziell vor dem Aus: Ein unerwarteter Aufstieg in die erste belgische Liga, der sofortige Wiederabstieg sowie windige Investoren und Spielervermittler, hatten dem Verein erheblich zugesetzt. „Die Vergangenheit hatte Schulden in Millionenhöhe angehäuft“, sagt Sportdirektor Christoph Henkel.

Mit dem Angebot aus Katar ergriff die Klubführung den letzten Strohhalm und vereitelte den Gang in die Insolvenz. Wie viel die Kataris in die einstige Dorfmannschaft investierten, will Henkel nicht verraten. Nur so viel: „Die Aspire Foundation hat die KAS auf gesunde finanzielle Beine gestellt.“ Die Finanzen spielen bei katarischen Engagements traditionell kaum eine Rolle.

Ganz plötzlich stand der Verein im Rampenlicht. Eupen ist für die Kataris ein wichtiger Standort ihrer globalen Fußballoffensive. Denn: Seit 2012 werden jährlich 15 in Katar ausgebildete Spieler in den Eupener Profikader integriert. Seither ist der Eifel-Klub kaum wiederzuerkennen: Man spielt wieder um den Anstieg in die erste Liga mit. Die Schulden sind getilgt, die Spieler kommen aus der ganzen Welt, vorwiegend jedoch aus Afrika.

Das ist ein altbewährtes Konzept. Denn die belgischen Fußballligen sind angesichts des überschaubaren Niveaus und der großzügigen Ausländerregelung bereits seit geraumer Zeit zum beliebten Showroom für afrikanische Talente geworden. Die Kataris haben sich das zum Nutzen gemacht.

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Scheichs haben das große Ganze im Blick

Kommentare zu " Katar und die WM 2022: Die Kicker-Kaderschmiede der Scheichs in Eupen"

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  • Liebes Handelsblatt,
    die Handballnationalmannschaft von Katar hat es nicht in die K.O. Runde geschafft, sondern ins Finale...
    Und Eupen spielt sicherlich um den Aufstieg, nicht den Anstieg ;)

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