Kein Hintergrundwissen nötig
Auch für Frauen ist die WM verständlich

Sie leiden, sie weinen, sie jubeln, sie schreien und tanzen. Ob im Stadion, vor Fernsehern oder Radios - die Zahl der weiblichen Fußball-Fans wächst.

HB BERLIN. Immer mehr Frauen und Mädchen dringen in die einstige Männer-Bastion Fußball vor. So ist das jedenfalls bei Großereignissen wie Europa- oder Weltmeisterschaften, wenn die deutsche Nationalmannschaft antritt. Dann verfolgen etwa gleich viele Frauen wie Männer die Spiele, etwa jede(r) zweite ist dabei. Der Bundesliga allerdings zeigen Frauen die kalte Schulter.

Nur knapp 20 Prozent wollen Bayern, Schalke oder Hamburg spielen sehen. Woran das liegt? Der Berliner Sportphilosoph Gunter Gebauer erklärt das Phänomen damit, dass die Bundesliga komplizierter als eine WM sei, da man sich für einen Verein, für seine Geschichte und den Tabellenstand interessieren müsse. "Es geht um technische Feinheiten, um Auf- und Abstieg, um UEFA-Cup - oder Champions-League-Plätze. Das ist bei der Nationalmannschaft einfacher, spielt da gar keine Rolle", sagt er in einem AP-Interview. Da gehe es gerade bei einer WM nur darum, ob sie gewinnt oder verliert. Und das verlange eben kein Hintergrundwissen.

Und eben dieses Hintergrundwissen, mit dem Männer auch gerne mal prahlten, interessiere Frauen weniger. Ihnen gehe es weniger um technische Details, sondern mehr um Stilistik: "Sie reden darüber, wie sich die Repräsentanten ihres Landes auf dem Platz verhalten, wie sie sich anstellen, ob der Stil in Ordnung ist, also ob sie gut, schön, hart spielen", erklärt Gebauer. Es gebe auch Frauen, die unumwunden zugäben, dass sie sich schöne Bodys anschauen wollten. Aber das sei die Ausnahme.

Männer würden sich dagegen über das Spielsystem, über Pässe, Mannschaftsaufstellung, Statistiken und historische Spiele unterhalten. Viele Männer hätten Dinge wie eine 'Kicker'-Stecktabelle zu Hause. Sie befassten sich systematisch mit Fußball. "Männer diskutieren immer, wen sie aufstellen würden, diskutieren immer darüber, wie sie einen Elfmeter in welche Ecke geschossen hätten", sagt Gebauer.

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