Keine Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Bundestrainer
Klinsmann kümmert sich um deutsche "Bankdrücker"

Bei einem Einzug ins WM-Viertelfinale will sich Jürgen Klinsmann besonders intensiv um die bisherigen Ersatzspieler im deutschen Team kümmern. "Es gibt bei uns keine Zwei-Klassen-Gesellschaft", betonte der Bundestrainer.

Trotz des bisherigen WM-Verlaufs gibt es auch in der deutschen Nationalmannschaft einige unzufriedene Gesichter. Für das Turnier im Heimatland hat Jürgen Klinsmann nämlich seine Stammelf gefunden - sehr zum Leidwesen der vielen Reservisten. Auch im Viertelfinale am Freitag (17.00) in Berlin gegen Argentinien sind keine Änderungen zu erwarten. Die Hoffnung auf einen Platz in der Anfangsformation ist derzeit für zwölf Spieler aus dem 23-köpfigen deutschen WM-Kader gleich null.

Der Bundestrainer ist sich der Problematik bewusst, vor allem wenn die deutsche Nationalmannschaft wie erhofft ins Finale am 9. Juli vorstößt. Dann wäre es die wohl schwierigste Aufgabe von Klinsmann, seine Ersatzspieler bei Laune zu halten. "Wenn wir weiterkommen, steht uns eine harte Zeit bevor. Der Umgang mit den Spielern, die nicht so zum Zuge kommen, ist dann besonders wichtig", betonte Klinsmann zuletzt immer wieder und fügte mit Nachdruck an: "Es gibt bei uns keine Zwei-Klassen-Gesellschaft."

Kahn für Klinsmann das Vorbild

Bisher hat er es in der Tat geschafft, die Unzufriedenheit seiner Bankdrücker in positive Energie zu verwandeln. Im Training geben Oliver Vollgas, wollen sich so für ihre Chance aufdrängen. Vor allem aber halten sich alle bisher verbal zurück. Als Vorbild stellt der Bundestrainer in diesem Zusammenhang immer wieder den Ersatzkeeper heraus: "Sein Verhalten ist federführend. Sein Wort hat Gewicht. Er pusht die Jungen."

Auch wenn der 37 Jahre alte Kahn derzeit sehr darunter leidet, nicht spielen zu dürfen, macht er keinen Ärger. Daran orientiert sich der Rest aus dem zweiten Glied. Zuletzt hatte bereits "Statist" Jens Nowotny verdeutlicht, "dass wir keine Missstimmung brauchen. Das wäre ja Vaterlandsverrat".

Eine Einstellung, die Klinsmann voraussetzt. Genauso erwartet er, dass seine Reservisten jederzeit für den Ernstfall bereit sind. "Sie müssen heiß und hungrig bleiben", erklärt der DFB-Coach und hat bisher nichts auszusetzen: "Sie geben sich sehr viel Mühe, dranzubleiben. Das machen sie vorbildlich. Ich bin überzeugt davon, dass jeder da wäre, wenn er reinkommt."

"Das ist eine Geschlossenheit, die von innen kommt"

Auch Abwehrchef Christoph Metzelder würdigt das Verhalten seiner Kollegen. "Um die Stärke einer Mannschaft einzuschätzen, muss man auf die Spieler gucken, die nicht so zufrieden sind. Aber trotz ihrer persönlichen Enttäuschung verfolgen sie ein großes Ziel und stecken alle Energie in die Mannschaft", betonte der 25-Jährige. Teammanager Oliver Bierhoff sieht darin eine "zusätzliche Stärke. Das ist eine Geschlossenheit, die von innen kommt".

Lehmann, Friedrich, Metzelder, Mertesacker, Lahm, Schneider, Ballack, Frings, Schweinsteiger, Klose und Podolski heißen die elf Auserwählten. Lediglich Tim Borowski durfte im Eröffnungsspiel für den angeschlagenen Kapitän Michael Ballack von Beginn ran und Robert Huth ersetzte Metzelder gegen Ecuador.

Zudem durften sich Oliver Neuville, David Odonkor, Sebastian Kehl und Gerald Asamoah bisher bei Kurzeinsätzen als Joker profilieren. In Kahn, dem dritten Keeper Timo Hildebrand, Nowotny, Marcell Jansen, Thomas Hitzlsperger und Mike Hanke sind noch sechs Spieler aus dem 23er-Kader ohne Einsatz. Sie sind Anwärter auf den berühmt-berüchtigten "Günter-Hermann-Gedächtnispreis". Der frühere Bremer Günter Hermann hatte es 1990 beim dritten deutschen WM-Triumph in Italien noch nicht einmal auf die Ersatzbank geschafft und war damit zum Paradebeispiel für deutsche "Turnier-Touristen" geworden.

© SID

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