„Kleines Delikt“
Maradona gesteht legendäres Handtor

Die Legende von der "Hand Gottes" lebt endgültig nicht mehr. Diego Armando Maradona hat gestanden.

HB BUENOS AIRES/FRANKFURT. "Heute muss ich es zugeben: Ich habe das Tor mit der Hand geschossen", sagte Diego Armando Maradona klipp und klar in der ARD-Dokumentaton "Legenden" am Montagabend. 20 Jahre nach seinem legendären Treffer zum 1:0-Führungstreffer im WM-Viertelfinale von Mexiko gegen England (2:0) bezeichnete das einst trickreiche Fußball-Genie das irreguläre Tor nicht ohne ein Schmunzeln "als kleines Delikt. Ein Taschendiebstahl".

Jahrelang hielt der mittlerweile 45-Jährige die Mär von der göttlichen Fügung aufrecht. Damals, am 22. Juni 1986 im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt, hatte der 1,66 Meter große Maradona im Luftduell mit Englands Torwart-Ikone Peter Shilton kurzentschlossen die linke Hand zu Hilfe genommen. Es sei "die Hand Gottes" gewesen, hatte er seinerzeit und in den Jahren danach immer wieder betont.

Erstmals abgerückt von der überirdischen Version war er vor rund eineinhalb Jahren. "Das wäre sehr arrogant von mir zu sagen, dass es Gottes Hand war. Gott half uns, ich habe es aber gemacht", hatte Maradona in einem Interview des schwedischen Fernsehens zugegeben.

Von einem schlechten Gewissen ist aber auch heute kaum etwas zu spüren. Im Fußball werde der Körper eingesetzt, der Ellbogen, so sei das nun mal, versuchte sich Maradona zu rechtfertigen: "Ich war einfach schnell." Zu schnell übrigens auch für die gesamte englische Mannschaft bei seinem zweiten - einwandfreien - Treffer auf dem Wg zum WM-Titel im Finale gegen Deutschland. Sein unwiderstehliches Solo gegen die Briten im hoch brisanten Duell zweier Nationen, die sich Jahre zuvor im Falkland-Krieg gegenüber gestanden hatten, wurde später zum "Tor des Jahrhunderts" gekürt - auch wenn Maradona mit politischem Gespür dazu meinte: "Man kann sich nicht mit einem Fußballspiel revanchieren für viele junge Menschen, die gestorben waren."

Der nach seinen Drogenentziehungskuren wieder normalgewichtig und gut aufgelegt wirkende Maradona, der 1997 seine von persönlichen Eskapaden sowie sportlichen Höhepunkten und Tiefschlägen geprägte Karriere beendet hatte, gab sich im Bezug auf seinen Lebenswandel allerdings auch selbstkritisch. "Ich haben meinen Körper geschunden", sagte der einstige Mitspieler von Bernd Schuster beim FC Barcelona und Profi des SSC Neapel. Aber so wie bei der von ihm selbst zu Grabe getragenen Legende von der Hand Gottes, sagte er auch: "Ich habe niemals anderen geschadet", ehe er mit ein bisschen Wehmut hinzufügte: "Höchstens mir selbst."

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