Fußball
"Kleines Finale" für Deutschland ein Charaktertest

Mit einem Sieg im Spiel um den dritten Platz gegen Mexiko will sich die DFB-Elf heute erfolgreich aus dem Confederations Cup verabschieden. "Für uns ist das Turnier in keinster Weise vorbei", sagte Jürgen Klinsmann.

Auch wenn es heute für die deutsche Nationalmannschaft im "kleinen Finale" gegen Mexiko nur um Platz drei geht, will das Team von Jürgen Klinsmann den Confederations Cup unbedingt mit einem Erfolgserlebnis beenden. Um den positiven Gesamteindruck bei der "Mini-WM" trotz des knapp verpassten Finales nicht zu verwischen und die gute Stimmung ein Jahr vor der WM 2006 im eigenen Lande hochzuhalten, nimmt der Bundestrainer seine Truppe vor dem eigentlich ungeliebten Spiel um Platz drei (17.45 Uhr/live in der ARD und bei Premiere) in Leipzig und dem anschließenden Urlaub in die Pflicht.

"Für uns ist das Turnier in keinster Weise vorbei. Es ist wichtig, dass wir das Turnier mit einer guten Note beenden. Wir nehmen das sehr ernst. Wir haben die Verpflichtung, vor allem den Super-Fans gegenüber, noch einmal alles zu geben. Dann können sich die Spieler in ihren wohlverdienten Urlaub verabschieden", appellierte Klinsmann an seine Mannschaft. Er sehe ohnehin "überhaupt keine Motivationsprobleme", so der Bundestrainer, der in vielen Gesprächen in den Tagen nach dem verlorenen Halbfinale gegen Brasilien (2:3) versucht hat, "die Spannung wieder nach oben zu bringen".

Ernst: "Wir werden Vollgas geben"

Die Mannschaft hat die Botschaft ihres Trainers offensichtlich verstanden. "Wir wollen das Spiel auf alle Fälle gewinnen und nicht als Vierter von der Bühne gehen. Es wäre blöd, sich mit einer Niederlage in die Pause zu verabschieden", sagte Bastian Schweinsteiger, der nach seiner Gelbsperre ins Team zurückkehren wird. "Wir wollen die gute Stimmung und Euphorie nicht kaputtmachen, damit wir keine Schelte kriegen. Deshalb werden wir Vollgas geben", versprach Fabian Ernst. Die Partie sei "für den Gesamteindruck sehr wichtig, da müssen wir noch einmal alle Kräfte bündeln", meinte Arne Friedrich.

Für Torwart Oliver Kahn, der am Mittwoch sein 80. Länderspiel bestreiten wird, nimmt das Duell mit den Mexikanern aus anderer Hinsicht einen hohen Stellenwert ein, auch wenn Spiele um Platz drei nach seiner Aussage immer sehr schwierig seien. "Aber für uns ist das hier eine andere Situation: Für uns ist es wichtig, dass wir uns weiterhin mit den besten Teams der Welt messen. Und da zählt Mexiko dazu", betonte Kahn: "Deshalb ist es für uns weniger wichtig, einen bestimmten Platz zu erzielen, sondern weitere Erkenntnisse zu sammeln, wie weit wir sind. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung WM. Wir dürfen das nicht als notwendiges Übel betrachten."

Mexiko für Klinsmann "sehr hohe Messlatte"

Ersetzen muss Klinsmann den Berliner Arne Friedrich. Der Abwehrspieler, der nur eine Laufeinheit absolvieren wollte, musste diese beim Abschlusstraining im Zentralstadion wegen eines Blutergusses in der Wade abbrechen und steht gegen die Mexikaner nicht im Kader. Für ihn rückt wohl Bernd Schneider auf die rechte Seite, links wird dafür wohl wieder Thomas Hitzlsperger verteidigen. In der Innenverteidigung sind Per Mertesacker und Robert Huth gesetzt. Klinsmann erhofft sich zum Abschluss noch einmal einige Fingerzeige gegen die Nummer sechs der Welt. Zumal Mexiko einen völlig anderen Spielstil als Argentinier und Brasilianer pflege, so Klinsmann. "Das ist ein Mannschaft, die macht schnell aus einem 3-5-2-System eine Taktik mit plötzlich sechs Abwehrspielern. Da können wir wieder dazulernen", erklärte der Bundestrainer und bezeichnete Mexiko als "sehr hohe Messlatte". Immerhin besiegte der Gold-Cup-Gewinner beim "Confed Cup" Weltmeister Brasilien in der Vorrunde 1:0 und scheiterte an Argentinien im Halbfinale erst im Elfmeterschießen.

Dennoch wird Mexiko gemeinhin nicht zu den so genannten "Großen" des Weltfußballs gezählt. Deshalb muss sich die deutsche Mannschaft zumindest keine Gedanken über die Negativserie gegen die Topnationen machen. 13-mal in Folge seit dem 7. Oktober 2000 ist die DFB-Auswahl gegen Brasilien, Argentinien und Co. inzwischen ohne Sieg. Auch beim Konföderationen Pokal war die deutsche Mannschaft leer ausgegangen.

Trotzdem hätten bei der "Mini-WM" laut Klinsmann "generell alle im Team gewonnen, wir sind als Mannschaft gewachsen und haben wichtige Erkenntnisse ziehen können". Ansonsten hielt sich der Bundestrainer mit einem Fazit bewusst zurück: "Wir haben noch ein wichtiges Spiel vor uns. Erst danach werden wir in aller Ruhe die Situation analysieren, bevor dann schon am 17. August in Rotterdam gegen die Niederlande das nächste Highlight ansteht."

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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