Klinsmann setzt auf Hockeytrainer: DFB zeigt Interesse an Peters-Verpflichtung

Klinsmann setzt auf Hockeytrainer
DFB zeigt Interesse an Peters-Verpflichtung

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigt Interesse an einer Verpflichtung von Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters. Der Weltmeistermacher wird mit großer Wahrscheinlichkeit den Posten des Technischen Direktors beim DFB übernehmen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff bestätigten am Mittwoch am Rande eines WM-Medien-Workshops in Frankfurt/Main intensive Verhandlungen mit dem 45-Jährigen.

Klinsmann: "Er hat uns mit seiner Art überzeugt"

"Er kann uns unheimlich viel geben und beibringen. Er hat eine andere Denkweise. Die Gespräche sind auf einem sehr hohen Qualitätsniveau verlaufen und weit fortgeschritten. Er hat uns mit seiner Art überzeugt", betonte Klinsmann, der seine eigene Zukunft weiterhin erst nach der WM entscheiden will. An dem Gespräch mit Peters nahmen am Mittwoch neben Klinsmann und Bierhoff auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Horst R. Schmidt und Assistenztrainer Joachim Löw teil.

Im Rennen soll aber auch noch Matthias Sammer sein. "Die Gespräche mit dem DFB laufen", sagte der frühere Dortmunder und Stuttgarter Bundesliga-Coach der Bild-Zeitung. Demnach soll Sammer bereits am Montag in Frankfurt sein Konzept präsentiert haben.

Die Personalie Peters muss letztendlich noch vom 14-köpfigen DFB-Präsidium abgesegnet werden. Eine Entscheidung soll am 8. Februar auf einer Präsidiumssitzung fallen. Vor Oktober steht Peters aber wohl für den Posten, den der DFB auf Initiative von Klinsmann und Bierhoff neu schaffen wird, nicht zur Verfügung.

"Es war ein gutes Gespräch, die Beratungen gehen weiter. Bisher wurden Gespräche mit mehreren Kandidaten geführt, und die Entscheidung sollte ursprünglich Ende Februar fallen. Durch die Entwicklung der vergangenen Stunden haben wir uns jedoch darauf verständigt, das Präsidium bereits am 8. Februar zu terminieren", meinte Zwanziger.

Auch Bierhoff sprach sich für eine Verpflichtung von Peters aus, der beim Deutschen Hockey-Bund (DHB) nicht nur für die Herren-Nationalmannschaft, sondern auch für die Koordination aller Auswahlteams verantwortlich ist: "Auch wenn es für viele erschreckend sein könnte, weil er kein Fußballtrainer ist. Aber Bernhard Peters hat hervorragende Erfolge vorzuweisen. Und er könnte von außen wichtige Impulse einbringen. Wir tun gut daran, uns zu öffnen und wissenschaftlich zu arbeiten."

Peters hält sich vorerst zurück

Weltmeister-Coach Peters hielt sich am Mittwoch im sid-Gespräch noch bedeckt: "Ich bitte um Verständnis, dass ich im Moment noch gar nichts dazu sagen will." Der Familienvater (vier Kinder) hat beim DHB noch einen Vertrag bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Peters wird die Hockey-Herren in diesem Jahr noch bei der Weltmeisterschaft in Mönchengladbach vom 6. bis 17. September betreuen. Da werde man ihn "auf jeden Fall noch als Trainer sehen", sagte er. Bisher war die Suche nach einem Sportdirektor für den DFB nicht von Erfolg gekrönt. Die bisherigen Kandidaten wie Ex-Bundestrainer Berti Vogts, die ehemaligen Nationalspieler Matthias Sammer und Guido Buchwald sowie Nürnbergs Coach Hans Meyer sagten ab oder standen nicht zur Verfügung.

Im Fußball-Bereich hat der Hockey-Coach, der 2002 mit seinem Team Weltmeister wurde und bei Olympia 2004 die Bronzemedaille holte, kaum Erfahrungen gesammelt. Er äußerte aber bereits nach den Olympischen Spielen in Athen, dass er gerne einmal etwas anderes machen würde. Bisher hospitierte er lediglich bei den Bundesligisten Gladbach, Mainz und Schalke für wenige Tage. Zuletzt hatte er aber in einem FAZ-Interview schon über die Fußballer geurteilt. Die hätten einen vergleichsweise nur "mäßigen Trainingszustand".

Auch Klinsmann hat in seiner bisherigen Amtszeit seit Juli 2004 festgestellt, "dass uns andere Sportarten voraus sind. Da haben wir 10, 15 Jahre geschlafen. Deshalb gehört Offenheit und Respekt dazu". Ohnehin sei es ein Irrglaube, "dass man diesen Posten als Technischer Direktor mit einem Trainer besetzen muss. Er ist fast eher ein Manager", ergänzte Bierhoff.

Auch Zwanziger von der Wahl angetan

DFB-Präsident Zwanziger, der nach der WM für die Nationalmannschaft zuständig ist, hatte zuletzt allerdings immer betont, dass ein Sportdirektor aus dem Fußball kommen müsse. Mittlerweile scheint aber auch Zwanziger von der Wahl Klinsmanns angetan zu sein. "Es hat bereits erste positive Gespräche auf Präsidiumsebene gegeben", bestätigte der Bundestrainer.

Der neue Mann beim DFB soll strategisch und konzeptionell arbeiten. Er soll als Bindeglied zwischen Nationalmannschaft und Verband fungieren. Zudem ist er verantwortlich für die komplette Nachwuchsarbeit und die Trainerausbildung, in der die Philosophie von Klinsmann deutlich erkennbar sein soll. Letztendlich, so Klinsmann, "streben wir eine Leistungsverbesserung im deutschen Fußball an".

Klinsmann hatte Peters schon einmal zur Nationalmannschaft eingeladen. Im September 2004 hatte Peters den Fußball-Profis vor dem Länderspiel gegen Brasilien von seinen Erfahrungen im Bereich Hockey und Trainingslehre berichtet. Ziel des Vortrages war es laut Klinsmann, den Horizont seiner Spieler zu erweitern und Einblicke in eine andere Sportart zu vermitteln.

© SID

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