Fußball
Klinsmann setzt gegen Russen auf dosierte Rotation

Die Generalprobe der deutschen Fußball- Nationalmannschaft für den Confederations Cup wird zur letzten großen Bewährungschance der Herausforderer, doch nicht jeder darf sich beweisen.

dpa DüSSELDORF. Die Generalprobe der deutschen Fußball- Nationalmannschaft für den Confederations Cup wird zur letzten großen Bewährungschance der Herausforderer, doch nicht jeder darf sich beweisen.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann kündigte für den Härtetest gegen Russland am 8. Juni im neuen Mönchengladbacher Borussia-Park an, dass er die Stammformation vom 4:1 in Nordirland nicht völlig umkrempeln will. "Wir wollen, dass sich unser Grundgerüst einspielt", sagte Klinsmann und sprach von "einem Stamm von sieben, acht Spielern".

Wer in den Genuss der dosierten Rotation kommen wird, ließ der 40- Jährige im Düsseldorfer Team-Quartier offen. Auch die Spieler selbst waren mehrheitlich noch im Unklaren, als sie beim Abschlusstraining erstmals nach zwei Fitness-Tagen mit Ball-Entzug wieder gegen ihr Lieblings-Spielgerät treten durften. Neu ins Team rücken auf jeden Fall Oliver Kahn, der zugleich auch beim Confederations-Cup-Auftakt eine Woche später gegen Australien das Tor hüten wird, und Innenverteidiger Arne Friedrich für Rot-Sünder Robert Huth.

Auch auf der rechten Seite dürfte es zu einem Rollentausch kommen. Der Stuttgarter Andreas Hinkel brennt darauf, sich als Alternative zu dem in Belfast desolaten Patrick Owomoyela zu empfehlen. "Bei ihm ist die Entwicklung da", lobte Klinsmann den Schwaben. Im Angriff will der Kölner Lukas Podolski, der seinen Kurzeinsatz in Nordirland prompt mit dem Treffer zum 4:1 krönte, beweisen, dass er mehr als nur ein Joker ist. Der künftige Wolfsburger Mike Hanke wird nach 90 Zuschauer-Minuten in Belfast wohl als Einwechselspieler das ersehnte Länderspiel-Debüt feiern.

Der härteste Konkurrenzkampf findet allerdings im Mittelfeld statt, wo die Münchner Bastian Schweinsteiger und Sebastian Deisler sportlich und verbal Druck auf die von Klinsmann als gesetzt eingestuften Bernd Schneider, Torsten Frings und Fabian Ernst ausüben. Von Deislers Aussage, er gehe von einem Einsatz aus, ließ sich Klinsmann allerdings nicht beeindrucken. Zwar bescheinigte er dem hoch begabten Bayern-Profi eine "sehr gute Entwicklung", aber im gleichen Atemzug sagte er: "Wir wünschen uns, dass er sich durchboxt. Aber das geht nicht von heute auf morgen."

Zumindest als Joker wird sich Deisler aber empfehlen dürfen, andere wären froh, wenigstens diese Aussicht zu haben. Der Stuttgarter Timo Hildebrand als dritter Torhüter wird ohne Testspiel-Minute in den Confederations Cup gehen. Ein ähnliches Los droht auch dem Bremer Christian Schulz sowie den nachnominierten Marco Engelhardt und Thomas Brdaric. "Es kann schon sein, dass der ein oder andere in den Testspielen nicht eingesetzt wird. Das heißt aber nicht, dass er nicht beim Turnier zum Einsatz kommt", sagte Klinsmann.

Im Gegensatz zum missglückten Trainingsspiel vor einer Woche beim FC Bayern, als Jens Lehmann den geballten Unmut der Münchner Fans über sich ergehen lassen musste, erwartet Klinsmann im mit 45 600 Zuschauern vollbesetzten Borussia-Park eine stimulierende Kulisse. "Pfiffe gegen Nationalspieler haben bei einem Heimspiel der Nationalmannschaft nichts zu suchen", antwortete er auf die Frage, ob diesmal Kahn Pfiffe befürchten müsse: "Wir hoffen auf ein Publikum, das uns den Rücken stärkt und uns antreibt."

Im Vergleich zu den technisch ungeschulten und taktisch unbedarften Nordiren dürfte sich mit den Russen ein anderes Kaliber präsentieren. "Keine leichte Aufgabe, das wird ein interessanter Gradmesser", sagte Klinsmann, der einräumte, dass ihn das Videostudium des russischen 2:0-Sieges gegen EM-Starter Lettland beeindruckt habe. "Die Truppe hat es in sich. Aber wir werden unser eigenes Spiel spielen - und das hoffentlich erfolgreich", so Klinsmann.

Ob die Mannschaft am Ende des intensiven Trainingslagers den gewünschten Tempo-Fußball bis zum Schluss durchhält, ist jedoch fraglich. Assistenztrainer Joachim Löw räumte ein, dass man bei der Trainings-Gestaltung wenig Rücksicht auf das anstehende Testspiel genommen habe, sondern ganz auf den Confederations-Cup-Auftakt am 15. Juni gegen Australien ausgerichtet sei. Deshalb wurden am Tag vor dem Spiel gleich zwei Trainingseinheiten angesetzt: Am Vormittag standen Fitness- und Koordinations-Übungen mit den US-Spezialisten auf dem Programm, am Nachmittag dann endlich wieder ein Trainingsspielchen. "Wir haben die Spielfreude geweckt und Reize gesetzt", sagte Löw, "aber wir haben die Spieler nicht völlig ermüdet."

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