Klinsmann sieht sich Vorwurf ausgesetzt, dass er ohne Not von forschem Stil abweicht
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Mit Dietmar Hamann kehrt gegen die starken Holländer eine Schlüsselfigur der Ära Völler in die Fußball-Nationalelf zurück.

FRANKFURT/MAIN. Der moderne Fußball hat schon einige bemerkenswerte Karrieren gefördert. Michael Ballack zum Beispiel ist einem Bonmot seines damaligen Kaiserslauterer Vereinstrainers Otto Rehhagel zufolge auf der Sonnenliege zum Nationalspieler geworden. Denn während Ballack im Sommer 1998 am Strand lag, dilettierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Frankreich, und anschließend glaubte die halbe Nation, dass es ohne den damals 21 Jahre alten Ballack keine Zukunft mehr gebe.

Dietmar Hamann hat in den vergangenen 15 Monaten ähnliche Erfahrungen mit dem Wankelmut der öffentlichen Meinung gemacht. „Nach der EM 2004 haben Kritiker und Experten gesagt: Hamann muss raus!“, sagt der ehemalige Teamchef Rudi Völler. Der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool galt als Ballverschlepper, Tempozügler und damit als Hauptschuldiger für das getragene Spiel der Deutschen. Inzwischen hat nicht nur Völler das Gefühl, „Didi ist neben Michael Ballack, der Einzige der gesetzt ist“. Dabei hat Hamann noch kein einziges Länderspiel unter Völlers Nachfolger Jürgen Klinsmann bestritten.

Am Mittwoch könnte sich das ändern und Hamann mit knapp 32 Jahren zu seinem 59. Länderspieleinsatz kommen. Für das Spiel gegen Holland in Rotterdam (20.30 Uhr, live in der ARD) gehört Hamann zum ersten Mal seit der EM wieder zum Aufgebot. „Didi war immer in unserem Blickfeld“, sagt Klinsmann. Trotzdem hat er bisher auf ihn verzichtet, um junge Spieler zu testen. Diese Phase ist nun offensichtlich beendet. Neben Hamann hat Klinsmann auch den 33 Jahre alten Dortmunder Verteidiger Christian Wörns wieder berufen. „Beide bringen viel Erfahrung mit“, sagt er.

Allerdings sieht sich Klinsmann nun dem Vorwurf ausgesetzt, dass er ohne Not von seinem forschen Stil abweiche. Sollte Bernd Schneider gegen die Holländer links in der Viererkette verteidigen, Wörns in der Innenverteidigung spielen und Hamann im defensiven Mittelfeld, wäre Per Mertesacker der einzige Spieler, der nicht schon unter Völler zur Nationalmannschaft gehört hat.

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