Fußball
Klinsmanns Pläne platzen: Auch Klose fällt aus

Jürgen Klinsmann muss umplanen und die eigentlich beendete Experimentier-Phase der deutschen Fußball-Nationalmannschaft notgedrungen beim Härtetest gegen den WM-Dritten Türkei verlängern.

dpa HAMBURG. Jürgen Klinsmann muss umplanen und die eigentlich beendete Experimentier-Phase der deutschen Fußball-Nationalmannschaft notgedrungen beim Härtetest gegen den WM-Dritten Türkei verlängern.

Nach dem Ausfall von Kapitän Michael Ballack wurde auch der vorgesehene erste Sturm gesprengt, weil der Bundestrainer nun doch auf den an Grippe erkrankten Bremer Miroslav Klose verzichten muss. Auch Top-Stürmer Lukas Podolski steht für die Partie in Istanbul wegen seiner Oberschenkel-Verletzung auf der Kippe. Einen doppelten Härtetest bestand dagegen Torhüter Oliver Kahn.

Podolski konnte unter Aufsicht von Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nur ein individuelles Fitness-Programm absolvieren und äußerte sich skeptisch zu einem Einsatz in der Türkei: „Man muss abwarten. Ich spüre einen Druckschmerz.“ Der 20-Jährige zahlt offenbar nun den Preis dafür, dass er die letzten zwei Ligaspiele für den 1. FC Köln nur „nach Spritzen“ bestreiten konnte, wie er verriet.

Ohne Podolski und den ebenfalls wegen einer Zerrung pausierenden Abwehrspieler Robert Huth besiegte die DFB-Auswahl in einem 70-minütigen Trainingsspiel die A-Jugend des Hamburger SV mit 6:0 (1:0). Beim Geheimtest trafen der für Klose nachnominierte Wolfsburger Mike Hanke (2 Tore) sowie Bastian Schweinsteiger, Sebastian Deisler, Oliver Neuville und Thomas Hitzlsperger.

Der Lichtblick nach dem zweitägigen Fitness-Test, der bei den Spielern „müde Beine“ (Deisler) hinterlassen hatte, war Oliver Kahn: Nach der Knieverletzung, die den Bayern-Keeper am Wochenende zu einer Pause im Bundesligaspiel gegen Wolfsburg gezwungen hatte, hinterließ der 36-Jährige beim Training mit Torwartcoach Andreas Köpke einen blendenden Eindruck. „Ich habe einen Härtetest gemacht und war hochzufrieden“, sagte Kahn. Einem Comeback als DFB-Kapitän in Istanbul steht nach dem Ballack-Ausfall nichts mehr im Wege.

Nach seiner Auszeit gegen die Slowakei (0:2) und Südafrika (4:2), als sich sein Rivale Jens Lehmann beweisen durfte, geht Kahn mit hohen Erwartungen in die Begegnung mit dem WM-Dritten von 2002. Der 36-Jährige will persönlich unbedingt erstmals seit dem 1:0 Ende März gegen Slowenien im Nationaltrikot wieder einmal zu Null spielen. „Die Türkei ist ein guter Gegner in Europa. Es sollte unser vordringliches Ziel sein, kompakt zu stehen und keine Gegentore zu bekommen.“

Auch Klinsmann hat die Defensive besonders im Blick. Intensiv wurde das Zusammenspiel von Viererkette und Mittelfeld mit dem Ziel einer aggressiven Balleroberung geübt. Die Abwehr-Youngster sollen in Istanbul einem Reifeprozess unterzogen werden. „Gerade die junge Mannschaft braucht diese Spiele in einer verrückten Atmosphäre, um sich auf internationalem Niveau zu messen“, sagte Klinsmann.

Wie gegen Südafrika sollen Patrick Owomoyela (25 Jahre), Lukas Sinkiewicz (19), Per Mertesacker (21) und Marcell Jansen (19) die Abwehrkette vor Kahn bilden. Im Mittelfeld scheint neben Torsten Frings, Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger der Bremer Tim Borowski für die vakante Ballack-Position auserkoren zu sein. Der 25-Jährige traut sich die Aufgabe zu, verzichtet aber auf forsche Forderungen. „Ich bin kein lauter Typ. Ich hätte nichts dagegen zu spielen. Aber das laut zu sagen, werde ich nicht tun“, sagte er.

Deutlichere Töne schlugen andere an. „Jetzt wird es langsam Zeit, dass die Mannschaft ein Gesicht bekommt“, unterstützte Kahn ausdrücklich den Plan von Klinsmann, die Experimentierphase acht Monate vor der Weltmeisterschaft beenden zu wollen. Das Einspielen einer Stammformation sollte nach Kahns Vorstellungen aber auch die Torhüter-Position betreffen, doch Klinsmann will von der Rotation zwischen Kahn und Lehmann nicht abrücken. „Jürgen sieht das etwas anders, er trägt dafür aber auch die Verantwortung“, bemerkte Kahn.

Überraschend äußerte auch Christian Wörns nochmals via „Bild“-Zeitung seine Verärgerung über seine Nichtnominierung für die Länderspiele. Der Routinier fühlt sich ein „bisschen veräppelt“ vom Bundestrainer, mit dem nach einem Telefonat zumindest für ihn weiterer Gesprächsbedarf besteht. „Wir sind noch nicht auf einen Nenner gekommen“, betonte Wörns, der um seine WM-Teilnahme fürchtet. Klinsmann mochte nicht auf Wörns' erneuten öffentlichen Vorstoß reagieren, sondern blieb bei dem, was er schon nach der ersten Kritik gesagt hatte: „Meinungsverschiedenheiten besprechen wir. Aber wenn ein Spieler nicht nominiert wird, haben wir unsere Gründe dafür.“

Die voraussichtliche Aufstellung gegen die Türkei: Kahn - Owomoyela, Sinkiewicz, Mertesacker, Jansen - Frings - Schneider, Schweinsteiger - Borowski - Neuville, Kuranyi

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