Klubs ringen um ihren Anteil
„Die Helden müssen bluten“

Spannung in der Fußball-Bundesliga oder internationaler Erfolg: Sportökonomen sehen in der Verteilung der Fernsehgelder ein Dilemma.

DÜSSELDORF. Der Vorstand der Fußball-Bundesliga trifft heute eine folgenreiche Entscheidung: Wie sollen die jährlich 420 Millionen Euro an TV-Geldern ab der kommenden Saison auf die Klubs der 1. und 2. Liga verteilt werden? Um diesen Verteilungsschlüssel stritten sich im Vorfeld bereits die „kleinen“ mit den „großen“ Vereinen - Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit Bayern-Manager Uli Hoeneß. Die Kleinen wollen mehr Geld, damit sie den Großen besser Paroli bieten können und die Großen pochen auf mehr, um international mit den noch Größeren mithalten zu können.

Bis zu dieser Saison nahm die Liga über die Fernsehrechte 300 Millionen Euro ein. Der FC Bayern bekam davon rund 16 Millionen Euro in der Spitze, das Minimum für einen Verein lag bei 10,7 Millionen Euro. Summen, die einen beträchtlichen Anteil der Budgets der Klubs ausmachen. Bis zur Saison 1999/2000 verteilte die Liga die Fernsehgelder zudem nur nach Köpfen. Seitdem sind in der ersten Bundesliga 50 Prozent fix, die andere Hälfte richtet sich nach dem sportlichen Erfolg. Genau diese sportliche Komponente möchte vor allem Bayern München ausbauen, um mehr Geld für die Champions League zu haben. „Die erfolgreichen Vereine sind doch auch der Grund, warum die Liga mehr Geld bekommen hat“, sagt Hoeneß. Kleine Vereine befürchten dagegen, dass man damit Seriensieger produziert und die Spannung leidet: „In den nächsten 20 Jahren wird Bayern 16 Mal Meister“, sagt Bruchhagen.

Von ihrem Standpunkt aus, haben beide Recht, so die gängige Meinung führender Sportökonomen. Ein Dilemma, das für sich betrachtet nicht zu lösen ist. Denn einerseits macht es durchaus Sinn, die Bundesliga attraktiv zu gestalten und mehr umzuverteilen. „Wenn der Sieger immer schon vorher fest steht, dann kommen die Zuschauer auf Dauer gesehen nicht mehr in die Stadien. Der Fan will zwar Helden. Aber die Helden sollen bluten im Kampf“, erklären die Wirtschaftsprofessoren Egon Franck und Helmut Dietl von der Universität Zürich, die seit Jahren gemeinsam über den Sport forschen. Andererseits gibt es in Europa eine Liga-Hierarchie. Und wenn die Bundesliga sehr viel Geld solidarisch umverteilt, dann schwächt man die Champions-League-Vertreter, weil das in anderen Ligen wie in Italien und Spanien nicht so ist. „Da hat man das Dilemma. Denn damit die Champions League attraktiv bleibt, muss auch sie ausgeglichen sein“, sagen Franck und Dietl.

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