Knapper Sieg über starke Kroaten
Brasilien muss sich Pfiffe gefallen lassen

Ohne Glanz und Gloria haben die hoch gelobten brasilianischen Ballzauberer ihre Feuerprobe bei der Weltmeisterschaft bestanden. Der Topfavorit und Titelverteidiger mühte sich am Dienstag in Berlin zu einem schmeichelhaften 1:0 (1:0)- Erfolg und wäre beim ersten Schritt zum erhofften sechsten WM-Triumph fast gestrauchelt.

HB BERLIN. Mit einem Arbeitssieg ohne jeden Zauber ist der große Favorit Brasilien in die Fußball-Weltmeisterschaft gestartet. Beim 1:0-Erfolg über die gleichwertigen Kroaten reichte dem fünfmaligen Weltmeister am Dienstagabend vor 72.000 Zuschauern in Berlin eine durchschnittliche Leistung. Schütze des goldenen Tores war Kaka mit einem Distanzschuss. Bei dem fünfmaligen Weltmeister enttäuschte vor allem der hüftsteife und unbewegliche Superstar Ronaldo auf der ganzen Linie. Kroatien überzeugte dagegen mit einer großen taktischen und kämpferischen Leistung.

Kaka räumte nach dem Spiel ein, dass seine Mannschaft nicht besonders kreativ gespielt habe: "Wir wussten, dass es nicht leicht sein würde und dass die Kroaten stark sein würden." Vor allem in der zweiten Halbzeit habe es für die Selecao kaum Chancen gegeben, durchzukommen. "Wir haben uns zu wenig bewegt und die Räume nicht geöffnet", sagte der 24-Jährige. Der kroatische Mittelfeldspieler Marko Babic von Bayer Leverkusen sagte: "Wir können stolz sein." Natürlich sei es schade, dass sein Team die Chancen nicht genutzt habe. Aber mit zwei Siegen in den letzten beiden Spielen sei der Einzug ins Achtelfinale weiter möglich.

Die Kroaten, die sich 1998 beim 3:0 gegen Deutschland und vier Jahre später beim 2:1-Erfolg über Italien den Ruf eines WM-Favoritenschrecks erspielt hatten, waren mit demonstrativem Selbstvertrauen nach Berlin geflogen. Und tatsächlich fanden sie nach ein paar nervösen Anfangsminuten schnell ins Spiel. Das mit vier Bundesligaspielern bestückte Team von Trainer Zlatko Kranjcar ließ die Brasilianer bis zur Mittellinie unbehelligt, um sie in der eigenen Hälfte mit massiver Defensive und rustikalem Zweikampfverhalten an einem geregelten Spielaufbau zu hindern.

Den Südamerikanern gefiel das überhaupt nicht, und so resultierten die ersten Chancen weniger aus zauberhafter Spielkultur als aus Gewaltschüssen von Roberto Carlos und Ronaldinho, die Torwart Stipe Pletikosa gut parierte. Umgekehrt scheiterte das Team von Trainer Zlatko Kranjcar mit den eigenen, nicht übermäßig schnellen Angriffen spätestens an der brasilianisch-deutschen Innenverteidigung mit dem Münchner Lucio und den Leverkusener Juan. Trainer-Sohn Niko Kranjcar war als Spielmacher überfordert, so dass sich der überragende Stürmerstar Dado Prso meist weit zurückfallen ließ, um sich die Bälle aus dem Mittelfeld selbst zu holen.

Logische Folge war ein in der ersten Halbzeit für die Zuschauer unspektakuläres Spiel, das nur selten bis in die Strafräume gelangte und in dem beide Teams vor allem auf Fehler des Gegners lauerten. Selbst ein Ronaldinho-Freistoß von der Strafraumgrenze - an guten Tagen eine hundertprozentige Torchance - blieb frei von jedem Zauber in der Mauer hängen.

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