Köln reagiert
„Geißböcke“ entlassen Manager Michael Meier

Beim 1. FC Köln hat sich das Personalkarussell noch vor Weihnachten gedreht. Nach wochenlangem Hickhack trennte sich der Klub von seinem umstrittenen Manager Michael Meier.

Die Geißböcke haben ihren Sündenbock gefunden: Der heftig umstrittene Manager Michael Meier wurde beim 1. FC Köln nach wochenlangem Ränkespiel von seinen Aufgaben entbunden. "Michael Meier wurde beurlaubt. Eine einvernehmliche Vertragsauflösung wird im Sinne aller Beteiligten kurzfristig angestrebt", teilte der Fußball-Bundesligist am Montag offiziell mit. Zuvor hatte bereits FC-Trainer Frank Schaefer die Demission des Managers bestätigt. Ein neuer Sportdirektor soll in den kommenden Wochen präsentiert werden.

Die FC-Vizepräsidenten Jürgen Glowacz und Friedrich Neukirch hatten am Morgen im Geißbockheim die FC-Mitarbeiter über die Personalie informiert. Meier selbst soll von FC-Boss Wolfgang Overath bereits am Sonntag vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg (1:1) über seine Entlassung informiert worden sein, nachdem sich der Präsident mit dem Gesellschafter-Ausschuss und dem Verwaltungsrat verständigt hatte.

Meier, seit 2005 Manager in Köln, stand seit langem in der Kritik. Dem 61-Jährigen wird von großen Teilen der Fans, aber eben auch vom Verwaltungsrat angelastet, beim Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft versagt zu haben. Auch wird ihm eine Mitschuld am Schuldenberg in Höhe von 24 Mill. Euro gegeben.

Meier, der am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, hatte seinerseits mit einer unbedachten Äußerung die Diskussion um seine Person angeheizt. "Ich glaube nicht, dass ich ein Unsympath bin. Es ist etwas entstanden, das erklärbar ist mit einer gesellschaftlichen Entwicklung, die wir kennen, beispielsweise durch Stuttgart21. Da geht es um eine Bewegung, in der man sich nicht mehr alles bieten lässt. Man sucht nach einem Sündenbock - und den stelle ich im Moment dar", hatte er offensichtlich ohne jeden Selbstzweifel bei Liga total! gesagt.

Bei der turbulenten Jahreshauptversammlung der Kölner am 17. November war Meier bereits als Schuldiger ausgemacht worden, alleine Overath hatte sich anschließend noch vor seinen Manager gestellt. Beim Spiel gegen Wolfsburg (1:1) am Sonntagabend hatte der frühere Leverkusener und Dortmunder Manager noch auf der Tribüne neben seinem Präsidenten gesessen. Nach dem Abpfiff folgte im Stadion ein längeres Vier-Augen-Gespräch des umstrittenen Managers mit dem FC-Boss, der angeblich auf Bitten der Mannschaft vor dem Wolfsburg-Spiel die offizielle Demission aufgeschoben hatte. Overath soll Meier aber schon am Sonntag auf dessen Entlassung vorbereitet haben.

Auch Overaths Position ist beim Tabellen-16. nach dem Hickhack der letzten Wochen geschwächt. Der Kölner Verwaltungsrat will deshalb offenbar die komplette Führungsstruktur im Klub umbauen. Dem Verwaltungsrat schwebt nach kicker-Informationen eine Abtrennung der Führung um Overath vom operativen Geschäft vor. Dieses soll in Zukunft von einem Hauptgeschäftsführer (statt bisher von drei Geschäftsführern) geleitet werden. Als Kandidat für dieses Amt gilt der 45-jährige Claus Horstmann, der bislang für die Bereiche Finanzen, Marketing und Sponsoring zuständig ist.

Horstmann wurde zunächst einmal beauftragt, "die Prozesse des 1. FC Köln zu überprüfen und die notwendigen Anpassungen in Abstimmung mit der Gesellschafterversammlung vorzunehmen. Darüber hinaus wird Horstmann in enger Abstimmung mit dem Vorstand ab sofort den Markt sondieren und die Entscheidung für einen neuen Sportdirektor mit der Gesellschafterversammlung (Wolfgang Overath, Friedrich Neukirch, Jürgen Glowacz, Dr. Rolf Martin Schmitz, Fritz Schramma) abstimmen."

In dem früheren Hoffenheimer Manager Jan Schindelmeiser wird bereits ein Nachfolger für Meier gehandelt, dessen Vertrag noch bis 2013 geht. Meier soll eine Abfindung in Höhe von einer Million Euro erhalten.

Am 24. Oktober hatte sich der Traditionsklub vom glücklosen Trainer Zvonimir Soldo getrennt und den ehemaligen U23-Coach Schaefer zum Interimstrainer bestimmt. Schaefer holte seitdem aus fünf Bundesligaspielen sieben Punkte.

© SID

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