Königsblau in der Krise
Schalke 04: Im Klub der schlechten Laune

Mal wieder ist Krisenzeit bei Schalke 04, aber dieses Mal geht es um Grundsatzfragen - und die Zukunft von Manager Andreas Müller. Der Kapitän der legendären Schalker Uefa-Cup-Siegermannschaft von 1997 soll die sportliche Misere durch seine Transferpolitik verursacht haben. Seit gestern kursiert aber auch schon wieder der Name eines Ex-Trainers.

GELSENKIRCHEN. Natürlich war es Jefferson Farfán, der nach 13 Minuten einen Stuttgarter anschoss, anstatt den Ball ins leere Tor zu schieben. Natürlich war es Farfán, der drei Minuten später auch einen Elfmeter vergab. Farfán, 23-jähriger Stürmer, ist mit zehn Millionen Euro der teuerste Einkauf der Schalker Vereinsgeschichte - einen passenderen Versager hätte es beim 0:2 in Stuttgart gar nicht geben können. Denn um Spieler wie ihn geht es ja, um die Transfers, und vor allem um den Manager, der für sie verantwortlich ist.

"Müller raus", lautet der aktuelle Soundtrack zu Schalke 04, auch am Sonntag gaben ihn die mitgereisten Anhänger mit unerbittlicher Vehemenz zum Besten. Schalke belegt nur Platz neun in der Bundesliga, der Revierklub hat vorigen Donnerstag im Uefa-Cup gegen Manchester City (0:2) den nächsten europäischen Offenbarungseid geleistet, nachdem schon die Champions League in der Qualifikation gegen Atlético Madrid verpasst worden war. Von den letzten sechs Spielen wurde nur eines gewonnen, und wenn diese Serie morgen bei Twente Enschede andauert, droht noch vor der Winterpause das Aus im kleinen europäischen Wettbewerb. Dabei sahen sie sich für den eigentlich schon zu gut auf Schalke.

Die Rede ist von einem Klub, der größenwahnsinnig genug ist, auf Platz drei der Liga und nach Erreichen des Viertelfinals der Champions League den Trainer zu entlassen - so erging es Mirko Slomka im Frühjahr. Die Rede ist auch von einem Klub, in dem die Fans eigene Spieler auspfeifen - so ergeht es Kevin Kuranyi bei jedem Heimspiel immer mal wieder. Und schließlich von einem Verein, der seit Jahren, selbst wenn es gut läuft, so viel schlechte Laune ausstrahlt, dass man sich andauernd fragt: Wo, bitteschön, liegt denn diesmal wieder das Problem?

In so einem Klub folgt Krise auf Krise nach dem Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung; sie wird herbeigepfiffen, herbeigeredet, und irgendwann sind alle so daneben, dass tatsächlich nur noch verloren wird. Man wäre daher fast geneigt, die momentane Stimmung als periodisch zelebrierte Vereinsfolklore wahrzunehmen, wenn diesmal nicht ein paar Dinge anders wären - und Grundsätzliches in Frage stünde.

Denn der Volkszorn richtet sich ja nicht wie in den vergangenen Jahren bei den Herren Neubarth, Heynckes. Rangnick oder Slomka nur gegen den Trainer - der im Sommer gekommene Fred Rutten bleibt bislang sogar weitgehend verschont vom Unmut der Anhänger. Vielmehr fungiert zum ersten Mal, seit er 2006 von Rudi Assauer übernahm, Manager Andreas Müller als Zielscheibe der Anklage. Der 45-Jährige war Kapitän der "Eurofighter", der legendären Schalker Uefa-Cup-Siegermannschaft von 1997, und hat deshalb lange Kredit genossen - vielleicht sogar über Gebühr. Die Transferpolitik nämlich, wegen der er jetzt so bedrängt wird, ist schon seit längerem von überschaubarer Qualität.

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