„Königsblauen“ bangen nach Heimpleite um Champions League
Katzenjammer auf Schalke

dpa GELSENKIRCHEN. Der Hamburger SV ist aus dem hitzigen Gefecht beim FC Schalke 04 als großer Sieger hervor gegangen, doch bei Thomas Doll mochte trotz des „Riesenschritts“ Richtung Champions League keine Jubelstimmung aufkommen.

„Es gab viele Nickeligkeiten, Hektik und unnötige Provokationen. Phasenweise hatte das nichts mit Fußball zu tun. Da hat es keinen Spaß gemacht zuzuschauen“, sagte der HSV-Trainer nach dem 2:0 (0:0) durch Tore von Rafael van der Vaart (57.) und dem Ex-Schalker Ailton (80.) im emotionsgeladenen Duell mit Tritten, Schlägen, Rudelbildungen und zwei Schlüsselszenen.

Nachdem beide Teams auf hohem Niveau begonnen und gute Chancen ausgelassen hatten, geriet das Spiel zeitweise aus den Fugen. Schalkes Rafinha sah in der 28. Minute die Rote Karte, weil er im unübersichtlichen Getümmel den HSV-Spielmacher van der Vaart ins Gesicht geschlagen hatte. Es war zwar keine böse Attacke, doch der Platzverweis durch Schiedsrichter Helmut Fleischer war berechtigt, auch wenn die Meinungen auseinander gingen. „Die Hand von Rafinha hat im Gesicht von van der Vaart nichts zu suchen. Da hat er einen Fehler gemacht“, beklagte Teammanager Andreas Müller die dumme Aktion des Brasilianers, der Schalke damit womöglich um den Einzug in die Champions League und wichtige Millionen-Einnahmen brachte.

„Er muss nicht fallen, als hätte ihn ein Baum erschlagen“, verurteilte Mirko Slomka hingegen die Schauspieleinlage van der Vaarts. Nur acht Minuten später hätte auch Hamburgs Thimothee Atouba nach einem Ellenbogencheck gegen Fabian Ernst vom Platz gestellt werden müssen, doch Fleischer beließ es hier bei Gelb. „Wenn, dann war das auch Rot. Aber mit etwas Fingerspitzengefühl hätte man in beiden Fällen auf einen Platzverweis verzichten können“, sagte Slomka. Kollege Doll pflichtete ihm sogar bei: „Man hätte auch mit elf gegen elf weiter machen können.“

In Unterzahl waren die Knappen drei Tage nach dem hart umkämpften 3:1 bei Levski Sofia am Ende überfordert. Zwar stemmten sie sich auch nach dem 0:1 durch van der Vaarts Freistoß aus 36 Metern, der von Mladen Krstajic noch leicht abgefälscht wurde, gegen die Niederlage. Doch die Kräfte schwanden, so dass der eingewechselte Ailton noch seinen großen Auftritt an alter Wirkungsstätte hatte. Der Brasilianer, der Schalke in der Vorsaison mit 14 Toren in die Champions League geschossen hatte, markierte mit dem sehenswerten Außenristschuss nach einem Konter (80.) das 2:0 und genoss dieses Glücksgefühl ohne übertriebenen Jubel. Trotz des Sieben-Punkte-Polsters auf den Revierclub wähnt Ailton sein Team aber längst nicht am Ziel: „Wir sind noch nicht durch.“

Doll sprach von einem „Riesenschritt“ nach vorn. „Wir sind wieder Zweiter und wollen den Platz verteidigen. Das ist eine große Aufgabe“, meinte er. Sein Lob galt nicht nur Bastian Reinhardt und Guy Demel, die das Innenverteidiger-Duo Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz gut ersetzten, sondern der ganzen Elf: „Wir sind zu einer Klasse-Mannschaft gereift.“

Katzenjammer herrschte dagegen bei Schalke. Nach dem 0:3 bei den Bayern und dem 2:2 gegen Wolfsburg war die erste Heimniederlage der Saison laut Ernst ein weiterer „herber Rückschlag“. Platz zwei sei „nicht mehr in Reichweite“, gestand Müller. Nun gilt in der Bundesliga die ganze Konzentration dem Kampf um den dritten Platz, den derzeit Werder Bremen mit vier Punkten Vorsprung belegt. Slomka: „Wir geben nicht auf.“

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