Kommentar Millionäre sind mit Prämien nicht zu motivieren

Der DFB stellt den Nationalspielern bei Verteidigung des WM-Titels in Russland eine Rekordprämie in Aussicht: 350.000 Euro. Eine beachtliche Summe, die aber mancher Fußballer in seinem Club in einer Woche verdient.
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Die deutschen Top-Fußballer Thomas Müller, Mesut Özil, Julian Draxler und Toni Kroos (v.l.n.r.) verdienen in ihren eigenen Clubs Millionen. Quelle: dpa
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Die deutschen Top-Fußballer Thomas Müller, Mesut Özil, Julian Draxler und Toni Kroos (v.l.n.r.) verdienen in ihren eigenen Clubs Millionen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist noch ein halbes Jahr hin bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Ein halbes Jahr, in der sich Bundestrainer Joachim Löw endgültig auf eine Mannschaft festlegen muss, die Deutschland vertreten wird. Und die im besten Fall ihren Titel von 2014 verteidigt. Das Ziel steht also längst fest – der Sieg soll her.

Doch wie motiviert man junge Männer, die finanziell längst ausgesorgt haben? Die in ihren Vereinen, beim FC Bayern München oder beim FC Arsenal, teilweise wahnwitzig hohe Summen dafür bekommen, dass sie jedes Wochenende Tore schießen oder verhindern.

Denen ihre Fans vorwerfen, sie seien abgehoben und wüssten nicht mehr, für wen sie da spielen. Die tatsächlich keinen Schritt tun können, ohne von Medien begleitet zu werden.

Motiviert man solche Menschen mit noch mehr Geld? Das ist zu bezweifeln.

Die Schauplätze der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland
Moskau
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Mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern ist Moskau die größte Stadt Europas und gilt als Machtzentrum Russlands. Zu den wichtigsten Wahrzeichen gehört der Kreml am Roten Platz. Hinter Backsteinmauern lenkt dort Präsident Wladimir Putin die Geschicke des Landes. Moskau hat zwei WM-Stadien: die Arena des Traditionsclubs Spartak sowie das renovierte Luschniki-Stadion, wo Eröffnungsspiel und Finale stattfinden.

Kasan
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Die Hauptstadt der ölreichen Teilrepublik Tatarstan gilt als Beispiel für ein Miteinander der Kulturen – hier stehen Moscheen muslimischer Tataren neben orthodoxen Kirchen christlicher Slawen. Sportliches Aushängeschild der Stadt an der Wolga ist Rubin Kasan.

Sotschi
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Dank der Olympischen Winterspiele unter Palmen wurde der beliebte Badeort mit subtropischem Klima 2014 weltbekannt. Zudem hat Sotschi eine Formel-1-Rennstrecke. Die russische Elite schätzt den Ort am Schwarzen Meer als Feriendomizil.

St. Petersburg
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Zar Peter I. gründete die Stadt 1703 als „Fenster nach Europa“ seines Reichs. Hier ergriffen die Kommunisten 1917 die Macht. Zu Sowjetzeiten hieß die Stadt an der Newa Leningrad. Heute ist die Touristenmetropole die zweitgrößte Stadt Russlands. Das Zentrum ist Unesco-Welterbe und wird wegen seiner malerischen Flüsse und Kanäle auch als „Venedig des Nordens“ bezeichnet.

Jekaterinburg
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Die nach Zarin Katharina I. benannte Stadt am Ural-Gebirge gilt als Tor nach Sibirien. 1918 wurde hier Zar Nikolaus II. mit seiner Familie ermordet. In der Region sind Schwerindustrie und Waffenschmieden angesiedelt. Als prominentester Sohn der Stadt gilt Ex-Präsident Boris Jelzin (1931-2007).

Kaliningrad
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Stadt Königsberg der UdSSR zugesprochen. Heute grenzt das westlichste Gebiet Russlands nur an EU-Staaten. Als bekannteste Persönlichkeit der Ostsee-Region zwischen Polen und Litauen gilt der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804).

Nischni Nowgorod
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Die Stadt an der Mündung der Oka in die Wolga war im 19. Jahrhundert ein Konkurrent für Moskau als Handelsdrehscheibe. Ein Sprichwort sagt noch heute: „Moskau ist das Herz Russlands, St. Petersburg der Kopf und Nischni Nowgorod seine Tasche.“

Und doch ist es das Mittel, auf das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seit jeher setzt. Eine Prämie als Lockmittel. Sollte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2018 am Ende wieder den WM-Pokal mit nach Hause nehmen, erhält jeder Spieler 350.000 Euro.

Im Vergleich zur WM 2014 in Brasilien wären das jeweils 50.000 Euro mehr. Schon da erhielten die Nationalspieler die bisherige Rekordsumme von 300.000 Euro. Zum Vergleich: 300.000 Euro, das ist die Summe, die der FC Arsenal derzeit angeblich dem Nationalspieler Mesut Özil bietet, damit er weiter dort spielt. 300.000 Euro pro Woche.

Es ist also fraglich, ob Nachrichten über steigende Prämien von Seiten des DFB die kickenden Millionäre wirklich motivieren, für Deutschland zu spielen. Ganz zu schweigen davon, ob sie noch mehr Geld wieder näher an die Zuschauer rücken lässt – oder ob sich beide nicht noch weiter voneinander entfernen. Schon seit einiger Zeit sind die Stadien nicht mehr unbedingt ausverkauft, wenn Jogis Jungs spielen.

Und, auch das ist klar, kann der DFB bei den Summen, die zum Teil im Vereinsfußball gezahlt werden, nicht mithalten.

Aber die Fußball-Millionäre haben ohnehin längst verstanden, dass eine Weltmeisterschaft vor allem dazu dient, mit Hilfe der enormen Medienpräsenz den eigenen Marktwert zu steigern. Das ist, Rekordprämie hin oder her, Anreiz genug.

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