Kommentar zu BVB-Zahlen
Warum Dortmund die Europa League gewinnen muss

Sportlich herrscht bei Borussia Dortmund noch Optimierungsbedarf, hat das Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Odds gezeigt. Die Jahreszahlen belegen nun, dass auch wirtschaftlich Luft nach oben ist.
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Nicht einmal einen Tag nach dem 4:3 Zittersieg im Play-Off-Hinspiel zur Europa League gegen den krassen norwegischen Außenseiter Odds BK hat Borussia Dortmund auch wirtschaftlich nicht so recht überzeugen können. Denn die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15, die der einzige börsennotierte deutsche Profiklub am Mittag vorlegte, waren aus Sicht der BVB-Aktionäre eher durchwachsen. Prompt ging es mit der Aktie zunächst um mehr als drei Prozent nach unten, im Verlauf des Börsenhandels reduzierte sich das Minus aber auf zuletzt gut ein Prozent.

Es ist eine Frage des Standpunkts: Dortmunds Finanzgeschäftsführer Thomas Treß zeigt sich über das Umsatzplus von 13 Prozent auf 276 Millionen Euro und des mehr als halbierten Nettogewinns von nur noch 5,5 Millionen Euro „außerordentlich zufrieden“. Das kann man so sehen, wenn man bedenkt, dass Dortmund in einer sportlich nicht sonderlich erfolgreichen Saison (Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League, siebter Rang in der Abschlusstabelle der Bundesliga) besonders bei den TV-Erlösen und den erfolgsabhängigen Prämien Einbußen verkraften musste. Und auch die vorzeitige Tilgung aller Kreditverbindlichkeiten hat Geld gekostet – in Worten 4,3 Millionen Euro. Nicht unter den Tisch fallen darf jedoch, dass der BVB das Zahlenwerk mit einem cleveren Deal gerettet hat: Der Klub hatte sich gegen die Nichtteilnahme an der Champions League versichert und konnte deshalb einen außerordentlichen Ertrag von fünf Millionen Euro verbuchen.

Aber was kommt jetzt? Allein durch die verpasste Qualifikation zur Champions League wird der BVB in diesem Geschäftsjahr Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, die sich wahrscheinlich nicht durch höhere Einnahmen im Spielbetrieb (Ticket-Verkauf), dem Verkauf von Fan-Devotionalien (Merchandising) oder Sponsoring-Einnahmen kompensieren lassen. Im Klartext bedeutetet das: Im Geschäftsjahr 2015/16 werden die Zahlen schlechter ausfallen.

Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung des BVB, hat ein noch viel gravierenderes Problem ausgemacht: Die ungeheure Finanzkraft der britischen Premier League, deren 20 Klubs dank imposanter TV-Einnahmen den europäischen Transfermarkt beherrschen und selbst für mittelmäßige Spieler astronomische Ablösesummen zahlen. Deshalb will Watzke künftig jeden Cent, den der BVB erwirtschaftet, in den Fußball stecken. Ihm bleibt auch gar nichts anderes übrig, um im Konzert der großen Klubs in Europa weiter mithalten zu können. Und das muss der BVB.

Borussia Dortmund hat mit den drei Großaktionäre Evonik, Puma und Signal Iduna potente Investoren im Rücken. Deren Bereitschaft, kurzfristig neues Geld in den BVB zu pumpen, dürfte sich jedoch in Grenzen halten. Sie haben bei der Kapitalerhöhung im vergangenen neue Aktien zu einem Preis deutlich über dem aktuellen BVB-Kurs gekauft. Diesen sozusagen vorab erhaltenen Vorschuss müssen sich die Dortmunder nun verdienen. Wenn schon nicht in der Champions League, dann am besten mit dem Gewinn der Europa League.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur

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