Kommentar zu Fifa-Sperren
Ein reinigendes Gewitter

Michel Platini ist als zukünftiger Fifa-Präsident nicht mehr tragbar. Das sind gute Neuigkeiten: Das System Blatter könnte tatsächlich vor der Ablösung stehen. Es gibt die Chance, nun einen echten Reformer zu nominieren.
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ZürichDie Fifa-internen Ermittler schreiben sportpolitische Geschichte. Sie machen den Weg frei für einen echten Neuanfang an der Spitze des Weltfußballverbandes. Nun steht auch der DFB in der Pflicht, diese Chance entschlossen zu nutzen.
Wichtiger als die vorläufige Suspendierung Blatters ist der Entschluss, auch Uefa-Boss Michel Platini für 90 Tage von allen fußballerischen Aktivitäten zu sperren. Ob Blatter jetzt oder erst im Februar aus dem Amt scheidet, ist für die weitere Zukunft der Fifa irrelevant.
Aber mit der vorläufigen Sperrung Platinis nimmt die Fifa-Ethikkommission den bisher aussichtsreichsten Kandidaten auf Blatters Nachfolge aus dem Rennen. Als neuer Fifa-Präsident ist Platini jetzt nicht mehr tragbar. Eigentlich, denn offenbar möchte der Franzose trotz allem in die Fußstapfen seines einstigen Förderers Blatter treten. Formal wäre das möglich, der Rückhalt für den UEFA-Präsidenten dürfte nun aber deutlich schwinden. Damit ist das Rennen um die Fifa-Spitze wieder vollkommen offen. Und die Zeit drängt: Am 26. Oktober schon läuft die Frist ab, bis zu der sich Kandidaten ihre Bewerbung für das Präsidentenamt einreichen müssen.

Platini war nie der Kandidat für den Neuanfang. Denn er war ehemaliger Gefolgsmann Blatters, der Streit um die Macht hat beide entzweit. Nicht der Streit um eine saubere Fifa. Nun fällt Platini über dubiose Zahlungen aus der Vergangenheit, die er bis heute nicht vernünftig erklären konnte. Blatter und Platini haben gemeinsam in den Fußball-Institutionen Karriere gemacht. Nun zieht sie beide das System Blatter in den Abgrund.

Wie geht es jetzt weiter? DFB-Chef Wolfgang Niersbach hatte selbst einen 10-Punkte-Plan veröffentlicht, wie die Fifa zu reformieren sei. Nun steht er in der Pflicht, schnell einen Kandidaten für die Fifa-Spitze zu finden, der diesem Reform-Anspruch gerecht wird und der einen komplexen Apparat wie die Fifa steuern kann. Zudem muss der Kandidat eine Mehrheit unter den 209 Landesverbänden der Fifa hinter sich scharen. Franz Beckenbauer hat den Südafrikaner Tokyo Sexwale vorgeschlagen, ein ehemaligen Mitstreiter Nelson Mandelas, der im Rohstoffgeschäft zu Reichtum gekommen ist. Zumindest eine prüfenswerte Option scheint sein Name zu sein.

Die Europäer haben aber durch die Sperrung Platinis in der Fifa-Gemeinde nicht unbedingt an Glaubwürdigkeit gewonnen, einen geeigneten Fifa-Spitzenmann zu nominieren. Stets wurden Kandidaten von anderen Kontinenten auch von der Öffentlichkeit mit etwas Herablassung ob ihrer Unbestechlichkeit behandelt.

Nun zeigt sich: Auch bei den europäischen Spitzenfunktionären ist nicht alles sauber. Nachdenklich stimmt dabei zum Beispiel, dass der englische Fußballverband auch nach Bekanntwerden der dubiosen 2-Millionen-Zahlung Blatters an Platini am Franzosen als Fifa-Kandidat festhielt.

Die Lage der Fifa ist mit den Beschlüssen der Ethik-Kommission von Donnerstag sicher komplizierter geworden. Doch so viel Hoffnung auf einen echten Neuanfang war noch nie.

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  • Sieht schwer danach aus als sei der Laden nicht mehr zu retten.

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