Kommentar zum De-Bruyne-Wechsel
Chapeau, Klaus Allofs!

Manchester City überweist rund 75 Millionen Euro für Kevin De Bruyne an den VfL Wolfsburg. England ist ein Paradies für deutsche Vereine, sie reagieren auf Angebot und Nachfrage. Doch wo soll das alles hinführen?
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DüsseldorfUnd dann ist er doch der Verlockung erlegen. Etwa 75 Millionen Euro also blättert der nimmerklamme Premier-League-Club Manchester City für Kevin De Bruyne hin. Eine gigantische Summe, die in der Bundesliga einmalig ist. Lange hatte der VfL versucht, den in der vergangenen Spielzeit überragenden Belgier zu halten, um einen Angriff auf Branchenprimus Bayern München zu starten. Doch den Millionen des Scheichs Mansour bin Zayed Al Nahyan konnte selbst der solvente VW-Klub nichts mehr entgegensetzen.

De Bruyne reiht sich in die Liste der kostspieligen Sommertransfers des englischen Tabellenführers ein. Erst Mitte Juli war der Flügelstürmer Raheem Sterling für 62,5 Millionen Euro von Liverpool zu den Citizens gewechselt. Zuletzt gab der Club die Verpflichtung des argentinischen Innenverteidigers Nicolas Otamendi vom FC Valencia für 40 Millionen bekannt. Gigantische Summen, bei denen das Gros der Finanzchefs deutscher Vereine allenfalls neidisch grienen kann. Die englischen Vereine, vom Mega-Deal der Fernsehvermarktung profitierend, greifen in ihre Portokassen und wedeln mit den Pfund-Scheinen. Ein Paradies für deutsche Vereine, sie reagieren auf Angebot und Nachfrage. Marktwirtschaft, was willst du mehr?

Wie immer bei einem derartigen Geschäft gibt es Gewinner und Verlierer. Zu gratulieren wäre zuvorderst dem Protagonisten selbst. In England soll der 24-Jährige jährlich bis zu 20 Millionen Euro verdienen, dreimal mehr als derzeit in Niedersachsen - exklusive Prämien. Da lacht der Belgier - und dessen Bankkonto. De Bruyne hat ausgesorgt.

Zu gratulieren ist zum anderen dem VfL und dessen genial verhandelndem Manager Klaus Allofs zu einem Erlös, auf den er gleichwohl nur bedingt angewiesen ist. 22 Millionen hatten die Niedersachsen im Januar 2014 für De Bruyne an den FC Chelsea überwiesen. Mehr als 50 Millionen Euro Transfergewinn sind in der Bundesliga ein Novum. Chapeau, Klaus Allofs!

Zu gratulieren ist zuletzt dem Berater De Bruynes: Patrick De Koster verdient an dem Wechsel ein schmackhaftes Millionen-Sümmchen. Monatelang hat er den Transfer vorbereitet - mit Erfolg. Berater leben von eben jenen Transfers. Die wirtschaftlichen Ressourcen der Premier League sind für sie und die Vereine ein Geschenk.

Zu den Verlierern des Geschachers gehören indes die Anhänger des heimischen Fußballsports. Sie verlieren nicht nur den „Spieler der Saison 2014/15“. Auch dem Meisterkampf droht ein erneuter Verlust der Attraktivität. Seit drei Jahren stellen die Bayern einen Rekord nach dem anderen auf, triumphierten zuletzt dreimal. Nach dem BVB war mal wieder ein Konkurrent in Sicht, der für eine gepflegten und ansehnlichen Kampf um Platz eins hätte sorgen können.

Nun wäre es zu einfach, den VfL Wolfsburg auf einen Spieler zu reduzieren. Doch durch den Weggang seines Besten könnte der Vizemeister aus Niedersachsen seine Rolle als erster Herausforderer der Münchener schneller los sein als ihm lieb ist. Egal, ob nun noch Julian Draxler vom FC Schalke kommt oder nicht. Darunter leidet nicht nur der VfL, sondern die gesamte Liga.

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  • Wo das hinführen soll, ist doch klar.
    Nur noch Vereine mit Oligarchen- oder Milliardärs-Inhabern können sich die besten Spieler kaufen.
    Das sieht unsere Bundesliga alt aus, vor allem auch, wenn die Vorstände im Knast sitzen.

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