Kommentar zum Götze-Wechsel
Die seltsame Rückkehr des Wunderkinds

Mario Götze kehrt zu Borussia Dortmund zurück. Kaum ein Wechsel hatte die Gemüter so erregt wie der Abgang des einstigen Publikumslieblings. Ein Dortmund-Anhänger gibt Einblick in seine Fan-Seele.
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DüsseldorfNun ist er also wieder da: Die reumütige Rückkehr von Mario Götze nach drei Jahren im Münchener Exil zu Borussia Dortmund ist seit Donnerstag besiegelt. Wirklich überraschend war das nach monatelangen Medienspekulationen und dem Reservistendasein des 24-Jährigen auch für mich nicht mehr. Und Jubelstürme, wie es sie noch nach der gelungenen „Free Shinji“-Aktion um den japanischen Nationalspieler Kagawa gab, löst die Nachricht im schwarz-gelben Herz nicht aus.

Zu tief war die Wunde, die Götze 2013 mit seinem umstrittenen Wechsel gerissen hatte. Wie kaum ein anderer Spieler symbolisierte er den Aufschwung der Ära Jürgen Klopp. Der pausbäckige Sohn eines Dortmunder Uni-Professors debütierte mit 17 Jahren in der Bundesliga und wurde als bester Nachwuchsspieler seiner Altersklasse ausgezeichnet. Zusammen mit anderen jungen Wilden wie Mats Hummels, Marcel Schmelzer oder Marco Reus eroberte er die Herzen und Titel im Sturm. Nach zwei Meisterschaften griff er mit Borussia Dortmund sogar nach dem Champions-League-Titel.

Umso heftiger dann die Enttäuschung, als er 2013 seine Ausstiegsklausel zog und zu Bayern München wechselte. „Ausgerechnet“ war das Wort der Stunde, ein Transfer nach England oder Spanien wäre das geringere Übel gewesen. So konnten sich die Bayern wieder einmal einen Schlüsselspieler ihres Rivalen sichern. Dass Götze – ausgerechnet – dieses Spiel mitspielte, verletzte die Fan-Seele tief, viel tiefer als bei Robert Lewandowski oder Mats Hummels. Folgerichtig ging dann noch das Finale der Champions League in London an die Münchener, Götze fehlte wegen einer Verletzung – ausgerechnet.

Auf den Rängen des Dortmunder Stadions gab es nicht wenige, die auf ihren schwarz-gelben Trikots den Namen Götze mit Klebestreifen unkenntlich machten. Wüste Schmähungen begleiteten jeden weiteren Aufstieg des einstigen Publikumslieblings. Nun müssen diese Anhänger hoffen, dass der Kleber auf ihren alten Trikots wasserlöslich ist. Die Wut ist zwar verflogen, doch die Nachricht löst bei mir seltsamerweise kaum große Gefühle aus, weder Begeisterung noch Ablehnung. Herbeigesehnt habe ich ihn nicht – eine Chance hat er trotzdem allemal verdient.

Götze ist nach drei Jahren um viel internationale Erfahrung und einen Weltmeistertitel reicher. Aber der Aufstieg zum deutschen Ausnahmespieler des Jahrzehnts, der ihm noch 2013 vorgezeichnet schien, ist ihm nicht gelungen. Sein Marktwert, gemessen an der Ablösesumme, dürfte um mehr als 10 Millionen Euro gesunken sein. In seiner letzten Saison verbrachte er mehr Zeit auf der Bayern-Bank als auf dem Platz, und auch bei der Europameisterschaft in Frankreich gab Götze keine gute Figur ab. Sein Talent und sein Können sind auch bei BVB-Fans unbestritten. Mein Herz und die der Dortmunder muss er aber ganz von neuem erobern.

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  • Jetzt muss Ann Kathrin wieder in der Pampas im rostigen Westen Deutschlands versauern, statt in der High-Society Münchens Götzes Kohle verbraten. Wenn das nicht ein Trennungsgrund ist ....

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