Kommentar zur Fifa-Präsidentenwahl
Große Skandale, kleine Denkzettel

Für den Blatter-Herausforderer Al-Hussein war bei der Fifa-Präsidentenwahl am Ende nicht mehr als ein Achtungserfolg drin. Der Patriarch darf weiterregieren. Und auch die Uefa spielt in diesem Spiel eine traurige Rolle.
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Ein Achtungserfolg – mehr war für die Blatter-Gegner beim 65. Fifa-Kongress nicht drin. Der Fußballpatron verpasste im ersten Wahlgang um sieben Stimmen die nötige zwei Drittel-Mehrheit. Und die Europäer konnten 20 Stimmen mehr hinter ihren Kandidaten Prinz Ali versammeln, als die Uefa selbst auf die Waage bringt. Mehr nicht. Blatter ist gewählt. Prinz Ali war so höflich und ersparte dem 79-Jährigen einen zweiten Wahlgang.

Das System Blatter hat Schrammen bekommen, aber es funktioniert. Wenn aber die Mehrheit der Fifa-Mitglieder keine Konsequenzen daraus ziehen will, dass im unmitellbaren Umfeld Blatters die Korruption blüht, dann ist das ein Zeichen dafür, dass der Weltfußballverband ein tiefreichendes Struktur-Problem hat. Und es sind Zweifel erlaubt, ob diese Organisation überhaupt selbst die Kraft aufbringen wird, dies je zu ändern.

Blatter hat in seiner Ansprache einen wahren Punkt angesprochen: Die Fifa ist kein Verein mehr, sie ist ein Weltkonzern. Und braucht entsprechende Governance-Regeln und Strukturen. Doch Blatter ortet das Reform-Problem nicht bei der Fifa selbst. Sondern bei den untergeordneten Verbänden, etwa den Konföderationen wie der Uefa oder der von Korruption zerfressenen Konföderation der Fußballverbände Amerikas, Concacaf.

Damit macht es sich der Patriach des Weltfußballs zu leicht. Denn er weiß, dass gerade die Verbände, die ihm am Freitag erneut die Treue hielten, keinerlei Interesse daran haben, Strukturreformen wie eine dringend benötigte Amtszeit-Begrenzung durchzusetzen. Das System Fifa ist stabil, aber sie blockiert sich auch selbst – und steuert auf ihren Abgrund zu. Mit Sepp Blatter an der Spitze.

Der europäische Spitzenverband Uefa spielt in diesem Spiel ebenfalls eine traurige Rolle. Uefa-Präsident Michel Platini hat auf dem Kongress mit Prinz Ali einen schwachen Kandidaten aufgestellt. Weil er es scheute, selbst gegen seinen alten Mentor Blatter anzutreten. Es darf aber auch daran gezweifelt werden, ob eine Fifa unter Platinis Führung einen so viel besseren Präsidenten hätte.

Im Vorfeld der erneuten Wahl mehrten sich die Appelle der Europäer, jetzt stärker vereint aufzutreten. Nur um gleich erneut in verschiedene Richtungen zu marschieren. So will Englands Kandidat für das Fifa-Exekutiv-Komitee, David Gill, nach der Wiederwahl Blatters dem Fifa-Vorstand fernbleiben und bringt gar einen WM-Boykott ins Spiel. Doch der DFB will weder etwas von einem Gremien-, und noch weniger von einem Turnier-Boykott wissen. Solange Blatters Gegner so zerstritten sind, hat er leichtes Spiel.

Vermutlich muss der entscheidende Reform-Impuls von außen kommen. Entweder von der US-Justiz, die sich als Weltpolizist die korrupten Fifa-Funktionäre einen nach dem anderen vornimmt. Oder aber vom Schweizer Gesetzgeber. Der Basler Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth brachte ins Spiel, dass die Top-Sportverbände in der Schweiz unter staatliche Aufsicht gestellt werden.

Mit ihrer Präsidentenwahl haben die Verbände der Fifa bewiesen, dass sie auf sich allein gestellt die Probleme nicht in den Griff bekommen werden. Oder gar: nicht bekommen wollen.

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  • Ich würde Herrn Blatter den Rat geben, die Amis aus seinem Umfeld zu entfernen.

    Dann gibt es auch keine Probleme.

    Denn so wie es sich herausstellt ist ein krimineller Ami für das Ganze verantwortlich.
    Uefa soll beim Sport bleiben, und das politisieren anderen überlassen. Merkel kann den DFB auch
    nicht immer helfen, weltmeister zu werden.

  • Ethik und Moral verfallen zu obskuren geldgierigen machthungrigen Diktaten. Die FIFA sollte verboten werden. Die Korruption geht von oben nach unten, darum wurde Blatter wieder gewählt. Ein 79 jährig sollte seine Rente genießen und keinen Milliardenpoker mehr betreiben. Jeder Manager wäre gefeuert worden.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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