Kopfstoß im WM-Finale
Lippenleser analysieren Zidane-Ausraster

Frust statt Feiern. Nach einer freudlosen Nacht in Berlin flogen Frankreichs Fußballer heute zurück nach Paris. Besonders der unrühmliche Abgang von Zinedine Zidane sorgt in Frankreich für hitzige Diskussionen. Das ganze Land sucht nach einer Erklärung für den Kopfstoß gegen den Italiener Materazzi. Ein Lippenleser will die Antwort gefunden haben.

HB PARIS. Der Ausraster von Frankreichs Kapitän Zinedine Zidane im Finale der WM gegen den Italiener Marco Materazzi am Sonntagabend beschäftigt die Fußballwelt. Dabei wird nicht nur in Frankreich nach dem Grund für den plötzlichen Kopfstoß gesucht. Die britische Zeitung "The Guardian" zum Beispiel beteiligte sich ebenfalls an den Spekulationen: Sie zitierte Zidanes Agent Alain Migliaccio, der erklärt haben will, der Franzose sei von Materazzi heftig beleidigt worden. "Ich kenne Zizou gut genug, um zu wissen, dass er nie sagen wird, was genau ihm Materazzi zugerufen hat. Aber eines Tages wird er seine Reaktion erklären", sagte der Agent dem Blatt zufolge.

Auf der Suche nach dem Auslöser für den Kopfstoß Zidanes holte Brasiliens führende Fernsehanstalt Globo sogar Lippenleser zu Hilfe. Damit wollen sie nun entschlüsselt haben, was Materazzi zu Zidane gesagt hat, bevor dieser seine mit Rot bestrafte Attacke vollführte.

Nach Ansicht der Lippenleser beleidigte der Italiener dabei Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte. Die Lippenleser von Globo hatten sich schon in der Gruppenphase der WM hervorgetan, als sie im TV-Magazin "Fantastico" die Worte von Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira gedeutet hatten. Parreira hatte das als Eindringen in seine Privatsphäre bezeichnet.

Weiteren Gerüchten zufolge soll Materazzi den Franzosen als "Terroristen" beschimpft haben. Zidane stammt aus einer Familie algerischer Einwanderer. Materazzi wies diese Vorwürfe allerdings zurück. "Das ist nicht wahr", zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Montag Materazzi, nachdem die "Squadra Azzurra" nach Italien zurückgekehrt war. "Ich habe ihn nicht einen Terroristen genannt. Ich bin ein Ignorant. Ich weiß nicht mal, was das Wort bedeutet."

Frankreichs Sportminister Jean-Francois Lamour sagte, er wisse nicht, was Materazzi zu Zidane gesagt habe, aber "wir können uns vorstellen, dass es eine Provokation war". Trotzdem sei Zidanes Verhalten unentschuldbar. "Es ist ein merkwürdiger Abgang für jemanden, der ein außergewöhnlicher Champion bleibt", sagte Lamour dem Sender LCI.

Seite 1:

Lippenleser analysieren Zidane-Ausraster

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%