Korruption bei der Fifa

Niederlande und Belgien bezahlten „Stimmensammler“

Genutzt hat es nichts, aber nun schadet es vielleicht dem Ansehen: Die Niederlande und Belgien bezahlten 2009 den Helfer eines korrupten Fifa-Oberen. Trotzdem scheiterte die Bewerbung für die WM 2018.
Die Fußballweltmeisterschaft 2018 findet in Russland statt. Die Fußballverbände der Niederlande und Belgiens sollen versucht haben, Stimmen für die eigene Kandidatur zu kaufen. Quelle: dpa
Sepp Blatter und Wladimir Putin

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 findet in Russland statt. Die Fußballverbände der Niederlande und Belgiens sollen versucht haben, Stimmen für die eigene Kandidatur zu kaufen.

(Foto: dpa)

AmsterdamDie Fußballverbände der Niederlande und Belgiens haben im gemeinsamen Bemühen um die Ausrichtung der Fußball-WM von 2018 einem afrikanischen „Stimmensammler“ 10.000 Euro bezahlt.

Der belgische Fußballverband KVBV bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht der niederländischen Zeitung „Volkskrant“. Er bestritt aber, dass es sich um Stimmenkauf gehandelt habe. Der niederländische Fußballverband KNVB zeigte sich überrascht über die Vorwürfe und kündigte eine Untersuchung an.

„Er erhielt eine Vergütung für Reisekosten und geleistete Lobbyarbeit“, sagte der belgische Verband zu der 2009 erfolgten Zahlung an den Lobbyisten.

Der „Volkskrant“ zufolge handelte es sich bei dem Empfänger um den Guineer Amadou Diallo, der damals die „rechte Hand“ des katarischen Mitglieds des Fifa-Exekutivkomitees, Mohamed bin Hammam, gewesen sei. Hammam war 2012 wegen Korruption lebenslang gesperrt worden. 2010 wurde die Weltmeisterschaft 2018 Russland zugesprochen, für 2022 ging sie an Katar.

Wen die Fifa-Ethikhüter durchleuchten und abstrafen
Franz Beckenbauer
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Nach der Anklage der Ermittler um den Schweizer Cornel Borbely wird nun das Urteil der rechtsprechenden Kammer erwartet. Beckenbauer musste wie alle Mitglieder, die bei der WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt waren, vor der Ethikkommission aussagen. Dies hatte er zunächst verweigert und war deshalb im Sommer 2014 vorläufig gesperrt worden. Dieser Bann wurde aufgehoben, die Ermittlungen liefen aber weiter.

Franz Beckenbauer
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Um Interessenkonflikte zu vermeiden, wird nicht der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert das zeitnah erwartete Urteil über Beckenbauer fällen. Dem 70-Jährigen droht im Extremfall eine Sperre für alle Fußball-Aktivitäten, es gibt aber Anzeichen für eine mildere Strafe.
Die Vorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland beschäftigen die Ethik-Kommission allerdings noch nicht.

Michel Platini und Sepp Blatter
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Auch nach den 90-Tage-Sperren gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter (rechts) und UEFA-Chef Michel Platini gehen die Ermittlungen in diesem Fall unter Hochdruck weiter. Erstmals bestätigten die Ethikhüter, dass die Untersuchungen im Zusammenhang mit einer Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken von der FIFA an Platini stehen. Die beiden Top-Funktionäre haben gegen die Suspendierung Berufung eingelegt, ihnen droht eine mehrjährige Sperre.

Michel Platini und Sepp Blatter
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Auch angesichts der bevorstehenden Wahl eines Nachfolgers des scheidenden Weltverbands-Präsidenten Blatter (Mitte) am 26. Februar 2016 wird mit schnellen endgültigen Urteilen gerechnet. Rechtzeitig vor der Strafe hatte Platini (rechts) noch seine offizielle Bewerbung eingereicht.

Jérôme Valcke
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Der FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke (rechts) ist ebenfalls für 90 Tage verbannt. Dem Franzosen wird offiziell „der Missbrauch von Geldern und andere Verletzungen gegen die Regeln und Regularien der FIFA“ zur Last gelegt. Gegen Valcke waren Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe von Ticket-Kontingenten laut geworden.

Ángel María Villar Llona
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Wie im Fall Beckenbauer sind auch die Untersuchungen gegen den spanischen FIFA-Vizepräsidenten Ángel María Villar Llona abgeschlossen. In seiner Funktion als Vize der Europäischen Fußball-Union ist er nach dem Bann gegen Platini aktuell ranghöchster UEFA-Funktionär. Villar Llona war zudem erst am Dienstag bei der FIFA zum Vorsitzenden des WM-Organisationskomitee ernannt worden.

Ex-Exkomitglieder
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Die FIFA-Ethikkommission nannte noch weitere sechs frühere Mitglieder der Weltverbands-Regierung, gegen die ermittelt wird. Die früheren Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln, im Bild) und Eugenio Figueredo (Uruguay) waren ebenso wie Nicolas Leoz (Paraguay) nach Ermittlungen durch die US-Justiz vorläufig gesperrt worden.

„Ich nehme die von der Zeitung aufgeworfenen Fragen sehr ernst“, erklärte der damalige Generalsekretär des niederländischen Fußballbundes und Chef der belgisch-niederländischen WM-Bewerbung, Harry Been. Man habe damals versucht, „auf unsere eigene Art und Weise“ die Fifa von der Bewerbung zu überzeugen.

Dies sei „durch Freundlichkeiten und in sehr begrenztem Rahmen“, mit viel Enthusiasmus und einem guten Plan geschehen. Er könne sich an keinerlei Unregelmäßigkeiten erinnern.

Been verwies darauf, dass die belgisch-niederländische Bewerbung schon 2014 von der Fifa untersucht worden sei. Dabei seien keine Unregelmäßigkeiten entdeckt worden.

Die „Volkskrant“ zitierte einen Fifa-Sprecher mit der Äußerung, Ermittlungen könnten bei Vorliegen neuer Erkenntnisse jederzeit aufgenommen werden: „Wenn Geld ohne klaren Grund bezahlt wurde, dann besteht zumindest ein Verdacht.“

Die Zeitung berichtete, in einer ihr vorliegenden Email habe Diallo seinem Chef bin Hammam am 6. Januar 2010 mitgeteilt, „die Belgier“ hätten ihm „eine Siegprämie“ für den Fall angeboten, dass die WM 2018 an die Niederlande und Belgien gehe. Auch eine solche Prämie sei ein Verstoß gegen die Regeln der Fifa gewesen. Die Zahlung an Diallo sei über die gemeinnützige Firma Beltomundial gelaufen, die für das Management der Bewerbung gegründet worden war und von den Verbänden kontrolliert wurde.

  • dpa
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