Korruption bei der Fifa
Vier Kunstrasenplätze für eine WM-Stimme

Im jüngsten Fifa-Korruptionsfall hat einer der Funktionäre sein Fehlverhalten eingeräumt. Der Tahitianer Reynald Temarii, Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, bat um die Einleitung einer Untersuchung. Verbandspräsident Sepp Blatter ist alarmiert - mal wieder.
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HB ZÜRICH/BERLIN. Im FIFA-Korruptionsfall hat einer der beiden unter Verdacht geratenen Funktionäre einen Fehler eingeräumt und den Weltverbands-Präsidenten Joseph Blatter um eine Untersuchung gebeten. Er sei absolut integer, sagte der Tahitianer Reynald Temarii der Nachrichtenagentur AP am Montag. „Aber ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe“, so das Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Er habe sich am Sonntag mit Blatter getroffen.

Die britische Zeitung „Sunday Times“ hatte berichtet, dass Temarii und ein weiteres Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, der Nigerianer Amos Adamu, empfänglich auf ein fingiertes Angebot von Reportern reagierten, die sich als amerikanische Lobbyisten ausgaben. Die Funktionäre erklären sich demnach bereit, ihre Stimmen bei der Entscheidung über die Austragungsländer der Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verkaufen.

Blatter hatte am Sonntag die Mitglieder der „FIFA-Regierung“ in einem Brief über die „sehr unschöne Situation“ informiert und eine „eingehende Untersuchung“ angekündigt. Die unabhängige Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes will den Korruptionsfall am Mittwoch prüfen. Die Untersuchung durch die Ethikkommission werde in Zusammenarbeit mit Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke durchgeführt. Blatter bat das Exekutivkomitee von öffentlichen Stellungnahmen abzusehen, machte aber keine Angaben, ob die für den 2. Dezember anberaumte Abstimmung angesichts der Untersuchung verschoben wird.

„Wir sollten das in dem vorgesehenen Zeitraum schaffen. Die Untersuchungen können sofort beginnen“, sagte stattdessen FIFA- Funktionär Chuck Blazer aus den Vereinigten Staaten.

Adamu und Temarii gehören zu den 24 Mitgliedern des Fifa-Ausschusses, der im Dezember in Zürich in geheimer Abstimmung über die Gastgeberländer für die Spiele 2018 und 2022 entscheidet. Der US-Fußballverband betonte in einer Erklärung, dass er, wie in dem „Sunday Times“-Bericht auch deutlich gesagt worden sei, nichts mit dem Fall zu tun habe. Auch für die weitere Untersuchung sei allein die Fifa zuständig. Der Weltverband erklärte, das Vergabeverfahren werde ohnehin genau überwacht. Jetzt warte man auf die Unterlagen zu dem Zeitungsbericht.

Im Rennen um die WM 2022 sind neben den USA noch Australien, Japan, Südkorea und Katar. Für 2018 gibt es vier Bewerbungen aus Europa: England, Russland sowie die gemeinsamen Bewerbungen von Belgien und Holland sowie Spanien und Portugal.

Adamu wurde dabei gefilmt, wie er erklärte, er wolle 800 000 Dollar (570 000 Euro) für vier Kunstrasenplätze in Nigeria. Adamu habe eine Garantie angeboten, dass er bei der Abstimmung über 2018 für die USA stimmen werde, für 2022 seien sie nur zweite Wahl. Da habe er sein Wort schon einer anderen Partei gegeben, erklärte er. Die USA hatten erst kurz zuvor ihre Bewerbung für 2018 zurückgezogen. Temarii wollte laut „Sunday Times“ drei Millionen neuseeländische Dollar (1,6 Millionen Euro) für eine Fußballakademie in Auckland. Zwei Unterstützer anderer Länder hätten ihm schon zehn und zwölf Millionen Dollar für seinen Verband angeboten, erklärte er demnach.

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