Korruption in der Fifa
Fußball braucht Kontrolle von außen

Die USA attestieren der Fifa eine Kultur der „zügellosen, systemischen und tiefverwurzelten“ Korruption. Kriminelle Geschäfte werden begünstigt, es gilt das Gesetz des Schweigens. Dagegen hilft Druck. Ein Gastkommentar.

BerlinNeunundachtzig Prozent der stimmberechtigen Mitgliedsverbände haben auf dem Fifa-Kongress in der vergangenen Woche einem dringend notwendigen Reformpaket zugestimmt. Mehr als ein erster Schritt ist damit jedoch nicht getan, wenn es darum geht, dem von amerikanischen und schweizerischen Ermittlern aufgedeckten Geflecht aus Patronage und Profit beizukommen.

Im Mai 2015 hatte die Verhaftung von sieben Fifa-Funktionären und Managern in Zürich den Stein ins Rollen gebracht, der immer mehr Offizielle des Verbandes mit sich riss. Bei der Anklage durch die US-Justizbehörden geht es insbesondere um 150 Millionen US-Dollar Bestechungsgeld für den Zugang zu TV- und Marketingrechten für internationale Fußballturniere; weitere Vorfälle seit 1991 werden untersucht, die Anklagen lauten auf Geldwäsche, Betrug und organisiertes Verbrechen. Im Zuge der Enthüllungen sind Zusammenhänge offengelegt worden, die nicht auf Verfehlungen Einzelner, sondern auf kriminelle Strukturen hinweisen.

Geflecht aus Patronage und Profit

Ausgangspunkt dieser Strukturen ist die simple Tatsache, dass es um sehr viel Geld geht. Beliefen sich die Einnahmen der Fifa 2006 noch auf 749 Millionen US-Dollar, waren es 2014 – ebenfalls ein Weltmeisterschaftsjahr – schon über zwei Milliarden US-Dollar.

Während die Fifa Dreh- und Angelpunkt eines rasant wachsenden Marktes im internationalen Fußball ist, hat sie den Rechtsstatus eines im Handelsregister eingetragenen Vereins mit Sitz in Zürich. Offiziell darf sie daher nicht gewinnorientiert handeln, agiert aber de facto wie ein Konzern, der über Rücklagen von mittlerweile 1,5 Milliarden US-Dollar verfügt. Zudem ist sie mit ihren 209 Mitglieds- und sechs Kontinentalverbänden ein internationales Gremium, das großen gesellschaftlichen und politischen Einfluss ausübt.

Schwache Kontrollmechanismen und intransparente Entscheidungsstrukturen bilden angesichts dieser Machtfülle den Nährboden für die Misere. Das bislang regierende Fifa-Exekutivkomitee beispielsweise wurde mit Ausnahme des Fifa-Präsidenten nicht von dem aus allen 209 Mitgliedsverbänden bestehenden Kongress gewählt, sondern von den sechs Kontinentalverbänden bestimmt. Statt einer institutionalisierter Gewaltenteilung dominieren in der Fifa persönliche Abhängigkeiten.

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