KPMG über Gehälter im Fußball Was die Kader von Bayern, Real und Juventus kosten

Das Gehaltsgefälle im Fußball ist enorm: Die Landesmeister in großen Ligen geben für Spieler mindestens drei Mal so viel aus wie jene in kleinen Ligen. Krösus ist Real Madrid, der Klub, der die Champions League dominiert. Bisher.
Kommentieren
Bayern, Real, Juventus: Was die Kader der Landesmeister kosten Quelle: AP
Finale der Champions League

Real Madrid spielte am 3. Juni 2017 gegen Juventus Turin: Das Ergebnis von 4:1 für die Spanier demonstrierte eindrucksvoll nicht nur deren sportliche, sondern auch wirtschaftliche Überlegenheit.

(Foto: AP)

DüsseldorfDer Fall Aubameyang bei Borussia Dortmund zeigt es gerade mal wieder. Die besten Fußballspieler drängen dorthin, wo sie am meisten verdienen können: Das tun sie nicht in der Bundesliga, sondern in der englischen Premier League, bei spanischen Spitzenklubs und neuerdings auch in China.

Die Folge dieser Legionärshaltung im Fußballgeschäft: Wenn Real Madrid, der FC Barcelona oder ein Spitzenklub aus England locken, spielen mitunter die vernünftigsten Spieler verrückt, um einen Wechsel zu erzwingen. Haben sie ihr Ziel erreicht, mutieren wieder zum Musterprofi. Für den Fußball bedeutet dies, dass sich die sportliche und wirtschaftliche Spaltung der Branche verstärkt.

Die Spanne zwischen Reich und Arm im Fußball wird durch keine Kennzahl deutlicher als den Lizenzspieleretat, also die Gehaltskosten der Profikader. Die Wirtschaftsberatung KPMG hat diese Daten für die Landesmeister in den wichtigen Ligen Europas gesammelt und im „European Champions Report 2018“ vorgelegt.

Das Ergebnis: Real Madrid, Juventus Turin und AS Monaco haben gemessen am Umsatz (ohne Transfers) in der Saison 2016/17 relativ am meisten für ihre Spieler ausgegeben – mindestens 61 Prozent der Einnahmen. Die drei Klubs schnappten sich nicht nur die jeweiligen Landestitel, Juventus und Real spielten im Finale der Champions League, Monaco schaffte es überraschend unter die letzten Vier.

Ein Blick auf die Kaderkosten erklärt auf den ersten Blick überzeugend, warum Real am Ende gewonnen hat. Mehr als 400 Millionen Euro kosteten die Gehälter der madrilenischen Spieler vergangene Saison. Das ist ein Spitzenwert. Auch Juventus zählt mit mehr als 260 Millionen Euro zu den großen Gehaltszahlern im Fußball. Doch der Abstand zwischen beiden ist gewaltig.

Hohe Gehälter im Fußball sind dennoch keine Erfolgsgarantie, wie diese Saison zeigt. Real Madrid spielt bisher im nationalen und internationalen Wettbewerb unter seinen Möglichkeiten. Ohne Zweifel erhöht es aber die Siegchancen, viel Geld in die besten Spieler zu investieren.

In dieser Saison wird diese These am besten von Manchester City in England und Paris Saint Germain in Frankreich belegt. Beide Klubs haben – durch die mehr als großzügige Hilfe von Investoren aus dem Nahen Osten – ihre Ausgaben enorm hochgeschraubt. Das zahlt sich bei Manchester City mit einigen Jahren Verspätung sportlich aus, bei Paris tut es das seit jeher (mal von der vergangenen Saison abgesehen).

Wie die Kaderkosten die Spaltung im Fußballgeschäft vergrößern, dokumentiert die KPMG-Studie verblüffend klar. Die Spitzenvereine aus Spanien, Deutschland und England dominieren seit Jahren den europäischen Fußball – und das ist eine direkte Folge ihrer wirtschaftlichen Stärke. Frankreich folgt auf Platz vier, Portugal auf Rang fünf.

Um dauerhaft in der europäischen Spitze mitzuspielen, müssen die Superklubs wohl mindestens 200 Millionen Euro pro Saison für ihre Profis ausgeben. Das ist bei Chelsea, Juventus, Bayern und natürlich Real Madrid der Fall. Der AS Monaco ist aufgrund seiner guten Jugendarbeit in der vergangenen Saison überraschend in die Spitze vorgedrungen.

Doch die Spielerverkäufe des Klubs nach der Saison zeigen, dass die Monegassen nicht auf Dauer ganz vorne mitspielen werden. Ein ähnliches Problem wie Monaco hat Borussia Dortmund: Die wirtschaftlichen Möglichkeiten geben es noch nicht her, an die großen Rivalen aus Spanien, England, Frankreich, aber auch den FC Bayern München heranzukommen.

Wie die vergangenen Spielzeiten gezeigt haben, haben die auch Münchener, Deutschlands Primus im Fußball, erhebliche Schwierigkeiten, mit Real Madrid und dem FC Barcelona Schritt zu halten. Letztlich ist dies auch eine Folge der zögerlichen Transferpolitik in München.

Es ist zwar wirtschaftlich effizient, nur 45 Prozent der betrieblichen Einnahmen in den Kader zu investieren, wie die KPMG-Studie aufzeigt. Sportlich musste in München jedoch der Preis gezahlt werden: ein frühes Ausscheiden in der Champions League.

Mehr Geld in die Hand zu nehmen, ist zwar keine Garantie für größere Erfolge. Doch wie die Beispiele Juventus und Real mit Investitionsquoten von 64 und 61 Prozent des Umsatzes belegen, erhöht es die Chance auf den ganz großen Coup im Fußball.

Die Spezialisten von KPMG loben daher die Bayern zwar für ihre wirtschaftliche Effizienz. Doch folgt aus dem Vergleich, dass die Kaderkosten der Bayern weiter steigen müssen, wenn sie in Europa auch künftig oben mitspielen wollen. Ansonsten dürften – angesichts der Finanzkraft der englischen und spanischen Spitzenvereine – internationale Erfolge seltene Glücksfälle bleiben.

Startseite

Mehr zu: KPMG über Gehälter im Fußball - Was die Kader von Bayern, Real und Juventus kosten

0 Kommentare zu "KPMG über Gehälter im Fußball: Was die Kader von Bayern, Real und Juventus kosten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%