Kritik an den Medien
Lippi trotz Achtelfinal-Einzug stocksauer

Die Stimmung bei den rund 8 000 Fans auf den Tribünen war nach dem 2:0-Erfolg Italiens gegen die Tschechische Republik ausgelassen, die Mannschaft feierte den Gruppensieg und den Einzug ins Achtelfinale. Nur Trainer Marcello Lippi ließ sich nicht anstecken und war trotz des Triumphes stocksauer.

Die Stimmung bei den rund 8 000 Fans auf den Tribünen war nach dem 2:0-Erfolg Italiens gegen die Tschechische Republik ausgelassen, die Mannschaft feierte den Gruppensieg und den Einzug ins Achtelfinale. Nur Trainer Marcello Lippi ließ sich nicht anstecken und war trotz des Triumphes stocksauer. Die tagelangen Diskussionen über den Fußball-Skandal und seine Taktik gaben den Ausschlag für Lippis Wutrede. "Glaubt das Ausland wirklich, dass unsere Spieler sich hier damit beschäftigen", sagte der 58-Jährige mit dem markanten grauen Haupthaar und der Reibeisenstimme nach dem Erfolg.

Lippi, der nach der WM in Deutschland ohnehin seinen Hut nehmen wird, polterte weiter. "Das interessiert uns im Moment überhaupt nicht. Alles andere kann man nach der WM regeln", meinte der Coach zu der möglicherweise ungewissen Zukunft einiger Stars. Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass der Fußball-Verband (Figc) gegen die Großklubs Juventus Turin, AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz Anklage erhebt. Im schlimmsten Fall droht den betroffenen Vereinen ein Zwangsabstieg.

Lippi attackiert italienische Medien

Einmal in Rage holte Marcello Lippi zu einem Rundumschlag gegen die italienischen Medien aus. "Ganz Italien diskutiert meine Taktik, meine Aufstellung und meine Art, die Mannschaft zu führen", wütete der ehemalige Juve-Trainer in bester Trapattoni-Manier: "Sie machen eine Talkshow über meine Aufstellung und regen sich darüber auf, dass ich das nicht diskutiere."

Lippis Spieler beschäftigen sich zumindest äußerlich tatsächlich nur mit Fußball, das dokumentierte zum Beispiel Marco Materazzi. Der Ersatzspieler, in Italien von den Fans wegen seiner harten Gangart als "Tier" verschmäht, erzielte mit dem 1:0 (26.) sein erstes WM-Tor und wurde zum "Man of the Match" gewählt. "Das war göttliche Gerechtigkeit. Es ist der schönste Tag in meinem Leben. Ich bin für den größten Verteidiger der Welt ins Spiel gekommen", meinte er zu seiner Einwechselung für Alessandro Nesta.

"Wir haben die Chance, weit zu kommen"

Für die Entscheidung sorgte in Filippo Inzaghi (87.) ebenfalls ein Einwechselspieler vor 50 000 Zuschauern. Damit war der Sieg in der Gruppe E vor Ghana perfekt. "Wir sind uns unserer Stärke bewusst und haben die Chance, weit zu kommen", sagte Inzaghi nach seinem 50. Länderspiel. Italien erreichte zum achten Mal in Folge ein WM-Achtelfinale und trifft dort am 26. Juni in Kaiserslautern auf Australien (17.00 Uhr). Tschechien musste nach drei verpassten Endrunden in Folge eine erneute Enttäuschung hinnehmen.

Als es vorbei war, kniete sich Pavel Nedved kurz auf den Boden der Arena und sprach ein schnelles Gebet. Anschließend tauschte er das Trikot mit seinem "Juve"-Mannschaftskameraden Alessandro del Piero. Nedved war erst zu den beiden WM-Relegationsspielen gegen Norwegen in das Team zurückgekehrt und hat nun in der Hansestadt wohl seine letzte internationale Partie bestritten. "Nedved gehörte zu den besseren Spielern bei diesem Turnier", lobte sein Trainer Karel Brückner, "davon hätten wir mehr gebraucht."

Brückner nimmt seinen Hut

Auch Brückner wird nun seinen Abschied nehmen, er hatte dies bereits vor dem Turnier angekündigt. "Nicht dieses Spiel hat uns das Aus gebracht, sondern die Partie gegen Ghana, wo wir unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt haben", meinte der 66-Jährige, "heute haben wir gut gespielt und waren sogar mit zehn Mann ebenbürtig."

Der Nürnberger Jan Polak musste in der 45. Minute nach wiederholtem Foulspiel vom Platz. Schwerer gewogen hat aber offensichtlich der Ausfall von Jan Koller, der sich nach seinem Führungstreffer im ersten Spiel gegen die USA (3:0) einen Muskelfaserriss zugezogen hatte und im Angriff schmerzlich vermisst wurde.

© SID

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