Fußball
Kritik an Klinsmann ebbt nicht ab

Acht Monate vor WM-Beginn ebbt die Kritik an Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach den zuletzt dürftigen Leistungen der Nationalelf nicht ab. Klinsmann zeige zu wenig Präsenz in Deutschland, so einer der Angriffspunkte.

Nun hat sich auch Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC Berlin, in die Schlange der Klinsmann-Kritiker eingereiht. Die Front gegen den Bundestrainer wird immer breiter. Klinsmann zeige acht Monate vor Beginn der WM zu wenig Präsenz in Deutschland, so der Hauptvorwurf aus der Liga. Zudem sehen auch einige Vertreter die Kommunikation gestört.

Der Bundestrainer war am Donnerstagmorgen nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Hamburg gegen China (1:0) in seine Wahlheimat USA zurückgeflogen. Dadurch ist offenbar auch ein geplantes Gipfeltreffen mit einigen wichtigen Managern und Trainern aus der Bundesliga geplatzt.

Beckenbauer: "Jürgen darf sich nicht wundern"

"Jürgen darf sich nicht wundern, wenn ihm das aufs Butterbrot geschmiert wird. Natürlich wäre es besser, er würde sich bei Schalke gegen Bayern zeigen", meinte WM-Chef Franz Beckenbauer in der Bild-Zeitung. "Man kann sich fragen, warum er nicht erst am Sonntag zurückfliegt", sagte Schalke-Trainer Ralf Rangnick gegenüber der Münchner AZ.

Dieter Hoeneß forderte Klinsmann via Süddeutsche Zeitung auf, endlich Klarheit über vier grundlegende Gesichtspunkte zu schaffen: "Die überflüssige Diskussion um die Nummer eins, seine Präsenz in Deutschland, einen Stamm von Spielern um Sicherheit reinzubringen." Der vierte Kritikpunkt betrifft das Fitnessprogramm. "Es geht eben darum, dass man andere darüber ausreichend informiert und sich gegebenenfalls mit den Klubtrainern abstimmt."

Die Forderung nach besserer Zusammenarbeit mit den Bundesliga-Trainern jedoch verhallt im Moment scheinbar ungehört. "Ich hab ja nur das kleine Latinum, aber ´ko´ heißt gemeinsam und ´operieren´ arbeiten", sagte Rangnick und monierte mangelnde Kommunikation. Die müsse "fruchtbar" sein, "nicht rege". An Absprachen würde sich seitens des DFB-Trainerstabs nicht gehalten.

"Persönlicher Kontakt ist notwendig"

Es würden somit Diskussionsherde geschürt, die überhaupt nicht notwendig sind, wie auch der Disput mit Christian Wörns, erklärte Dieter Hoeneß. "So etwas kann man eben nicht immer mit dem Telefon oder per E-Mail regeln. Der persönliche, unmittelbare Kontakt ist notwendig."

Der Hertha-Manager verwies einmal mehr auf die unbefriedigende Wohnsitzsituation des Bundestrainers, der mit seiner Familie in Kalifornien lebt. "Es geht doch darum, dass der Bundestrainer in Deutschland präsent ist, dass er aktuell auf Entwicklungen reagieren kann." Klinsmann könne nicht von allen ständig Opfer verlangen, "ohne dass man selber Opfer bringt". Der Bundestrainer habe zwar vieles in Schwung gebracht, so Hoeneß weiter, "aber die vielen unnötigen Reibungspunkte tragen jetzt leider dazu bei, dass wir eine unangenehme öffentliche Diskussion haben."

Diese Diskussion hatten zuletzt schon Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß, Rangnick, Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs und Schalkes Manager Rudi Assauer angeschoben. Uli Hoeneß hatte von einem "katastrophalen Zustand" der Nationalelf gesprochen und ebenfalls die mangelhafte Kommunikation kritisiert. Man müsse sich nun dringend an einen Tisch setzen, forderte Hoeneß deshalb.

Rückendeckung von höchster Ebene

Die Kritik an Klinsmann führte zuletzt sogar dazu, dass sich die DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger dazu veranlasst sahen, dem Bundestrainer öffentlich den Rücken zu stärken. Klinsmann mache seine Sache glänzend, die Vorwürfe seien abenteuerlich, erklärte "MV". Er habe noch nie einen Trainerstab erlebt, "der so gesprächsoffen ist".

Auch Kapitän Michael Ballack unterstützt weiter den Kurs von Klinsmann. "Jürgen Klinsmann zieht sein Ding durch: Das, was er vertritt, wofür er steht, auch jetzt, wenn es mal nicht so gut läuft. Das finde ich eigentlich toll, dass er sich da nicht verbiegen lässt", meinte Ballack.

Klinsmann selbst hatte in den vergangenen Tagen mehrmals betont, dass er keine Lust habe, es allen recht zu machen: "Wir haben ein offenes Ohr, aber letztendlich entscheiden wir, was bei der Nationalmannschaft abläuft."

© SID

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