Kritik der Fans wird lauter, Sponsoren überdenken ihre Engagements
Chemie stimmt bei Bayer nicht

Angetreten waren die „Pillendreher“, um in der Tabellenspitze ein Wort mit zu reden. Nun verfolgt der Mutterkonzern mit Sorge das Abrutschen seiner Fußball Gmbh in das Bundesliga-Mittelmaß und den schleichenden Imageverlust des Champions-League-Finalisten von 2002. Die Kritik der Fans wird lauter, Sponsoren überdenken ihre Engagements.

dpa LEVERKUSEN. Beim Werksclub Bayer 04 Leverkusen stimmt einmal mehr die Chemie nicht. Mit Sorge verfolgt der Mutterkonzern das Abrutschen seiner Fußball Gmbh in das Bundesliga-Mittelmaß und den schleichenden Imageverlust des Champions-League-Finalisten von 2002.

"Ich halte das Wort Krise für überstrapaziert, darauf reagiere ich allergisch. Richtig ist aber, dass wir in einer schwierigen Phase stecken", sagte Meinolf Sprink, Sportbeauftragter des Bayer-Konzerns, zum begonnenen "gefühlten Abstiegskampf".

Angetreten waren die "Pillendreher", wie sie sich in einer neuen Werbekampagne mit Selbstironie nennen, um in der Tabellenspitze ein Wort mit zu reden. Nach den Niederlagen beim VfB Stuttgart (0:3) und gegen den Hamburger SV (1:2) stehen die Leverkusener auf Platz 14, einen Punkt von der Abstiegszone entfernt und in der Kritik der Fans. Sie forderten nach der Pleite gegen den HSV schon Ex-Coach Christoph Daum (1996 bis 2000) zurück, der mit Bayer drei Mal Vizemeister wurde und wegen einer Kokain-Affäre gehen musste.

"Wir versuchen Ruhe zu bewahren und lassen uns nicht auseinander dividieren", erklärte Sprink. Trotz des Abwärtstrends steht Chefcoach Michael Skibbe nicht zur Diskussion. "Die Beziehung zwischen Spieler und Trainer stimmt absolut", stellte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler fest. Auch an "Moral und Qualität" mangele es im Kader nicht, wohl gebe es aber individuelle Probleme. Stürmer-Talent Stefan Kießling und Routinier Sergej Barbarez sollten Dimitar Berbatow ersetzen, doch nur Barbarez gelang bisher ein einziges Bundesliga-Tor. Der zu Tottenham Hotspurs gewechselte Bulgare erzielte in den letzten drei Spielzeiten allein 57 Treffer.

Dass die von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser seit dem Abgang seines Vorgängers Reiner Calmund betriebene Sparpolitik Grund für die sportliche Rezession ist, bestreitet man in Leverkusen. "Mit sparen hat das gar nicht zu tun", sagte Sprink. Bayer gehöre in der Bundesliga weiter zu den Clubs mit den größten Etats. "Da ist genug da, um unser Ziel Platz fünf oder sechs zu erreichen", meinte auch Völler. Gerüchte über seinen möglichen Wechsel zu Eintracht Frankfurt wurden zwar rasch dementiert, sorgten aber für unliebsame Unruhe.

Rund 25 Mill. Euro gibt allein die Bayer AG für den Unterhalt des Bundesliga-Kaders dazu. Allerdings verlieren die Leverkusener bei anderen Sponsoren an Attraktivität. Firmen wie O2 oder Samsung haben ihr Engagement bereits beendet, Trikotsponsor RWE überlegt einen Rückzug zum Saisonende. "Insgesamt ist es auf dem Sponsorenmarkt nicht so leicht", sagte Sprink, "Erfolg ist dabei nicht schädlich." Nun ist beim Werksverein wieder Maloche angesagt. Sprink: "Mit ehrlicher Arbeit und klaren Analysen, wollen wir uns wieder an die Spitze heranpirschen."

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