Länderspiel gegen Deutschland
Doppelter Härtetest für Polen

Mit einem Freundschaftsspiel gegen Deutschland will Polen das EM-Stadion in Danzig eröffnen. Neun Monate vor dem EM-Start trüben gewaltbereite Hooligans, Baupannen und Korruption die Vorfreude.
  • 0

WarschauNull-Toleranz für Hooligans: Der EM-Appetithappen gegen Deutschland diente Polen neun Monate vor dem Turnierstart auch als Härtetest für das Sicherheitskonzept. Randalierern drohte direkt nach der Festnahme im Stadion ein Urteil im Schnellverfahren, wie der Präsident des nationalen Fußballverbandes PZPN, Grzegorz Lato, am Vorabend des Spiels in der Ostsee-Stadt ankündigte. Auf alle Rechtsbrüche werde es schnelle Reaktionen geben, versicherte der PZPN-Rechtsbeauftragte, Ex-Justizminister Janusz Kaczmarek. 

Ein Großaufgebot von 1600 Polizisten sollte für Ruhe und Ordnung in und außerhalb der Danziger EM-Arena sorgen. Dabei musste die Polizei der Stadt sogar Verstärkung aus anderen Regionen des Landes holen. Auch ein Hubschrauber und 150 Polizeifahrzeuge standen für alle Fälle zur Verfügung. 

Ziel der Übung: Mit einem störungsfreien Testspiel gegen Deutschland wollten Polens Behörden allen Zweiflern beweisen, dass sie das Gewaltproblem endlich im Griff haben. Denn Randale und rassistische Parolen in den Stadien, brutale Auseinandersetzungen zwischen Anhängern rivalisierender Mannschaften vor und nach den Spielen sowie Handgreiflichkeiten gegenüber Spielern und Schiedsrichtern waren bis zuletzt Alltag des Fußballs, vor allem in der polnischen Provinz. Verletzte und Tote gehören zur traurigen Bilanz. 

Nach heftigen Ausschreitungen mussten im Mai und Juni mehrere Stadien für die Zuschauer geschlossen werden. Die Vereinigung „Niemals mehr“ hat vom September 2009 bis März 2011 insgesamt 130 rassistische und antisemitische Zwischenfälle bei Sportveranstaltungen festgestellt. 

Im Sommer verschärfte dann das Parlament in Warschau drastisch Strafen für Hooligans. Das Gesetzespaket umfasst unter anderem Fußfesseln für Straftäter mit Stadionverbot, Schnellgerichte für Randalierer und ein Vermummungsverbot. Auch Geldstrafen wurden verhängt. 

Doch nicht nur die Gewalt in den Stadien bringt Polens Politiker und Sportfunktionäre bei der Umsetzung des Prestige-Projekts EURO 2012 um den Schlaf. Kurz vor dem Spiel gegen Deutschland drohte den Organisatoren eine Blamage, weil die Feuerwehr wegen fehlender Dokumentation eine Genehmigung für das Duell in der EM-Arena verweigert hatte. „In diesem Land ist alles möglich“, klagte PZPN-Generalsekretär Zdzislaw Krecina. Wie konnte eine solche Panne passieren, fragten Kommentatoren.

Seite 1:

Doppelter Härtetest für Polen

Seite 2:

Mit eiserner Hand gegen die Korruption

Kommentare zu " Länderspiel gegen Deutschland: Doppelter Härtetest für Polen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%