Lahm und Schweinsteiger
Die silberne Generation

Sie sind das Zentrum der goldenen Generation der Bayern – und des deutschen Fußballs: Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger. Doch sie holen einfach keine goßen Titel. Auch das Finale der Champions League ging verloren.
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MünchenPhilipp Lahm war der einzige, der stand. In dem Moment, als Didier Drogba den letzten Elfmeter zum 4:3-Sieg der Londoner verwandelt hatte und alle Bayern-Spieler im Mittelkreis zusammenklappten. Vor Lahm lag Bastian Schweinsteiger, der kurz zuvor verschossen hatte. Die beiden Leader der Bayern – und der deutschen Nationalmannschaft – bleiben weite ohne großen Titel.

Und so führte Lahm sein Team mit viel Größe zu den Gegner, um zu gratulieren, und auf das Podest, um die verhasste Silbermedaille in Empfang zu nehmen. Seine Klasse zeigte er hier genau wie im Spiel. Er brachte die Bayern mit seiner tollen Vorlage zum 2:1 im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid erst hierher. Und auch im Finale war Lahm ein absoluter Führungsspieler, zeigte eine Weltklasse-Leistung, gerade auch als es nach dem 1:1 so richtig eng wurde. Er übernahm den ersten Elfmeter und brachte sein Team in Führung.

Das genaue Gegenteil davon war Bastian Schweinsteiger nach dem Abpfiff: Einfach nur versinken wollte der „Sechser“ nach dem Empfang der Silbermedaille. Selten sah meinen Fußballer so traurig. Es ging ja nicht nur dieses Traumfinale, den wichtigsten Vereinstitel im eigenen Stadion.

Willy Sagnol, der die Trophäe 2001 gewann, hatte vor dem Spiel ein bemerkenswertes Interview gegeben mit überaus deutlichen Zitaten, als er um einen Vergleich der Mannschaft damals mit der heutigen gebeten wurde: „Die Spieler haben sicher mehr Qualität, wir waren dagegen eine Mannschaft mit Charakter. Das fehlt dem Team heute.“ Und auch eine Spitze gegen Lahm und Schweinsteiger konnte er sich nicht verkneifen: „Die Leadership ist nicht optimal. Das sieht man in schwierigen Phasen. Aber ein Verein kann nicht immer einen Effenberg, einen Kahn oder einen Jeremies haben.“

Damit brachte der Franzose auf den Punkt, was auch die meisten Fans fühlten – diese brennende Frage, ob die jetzige Bayern-Ära eine der Goldenen Generation ist – oder eine der verlorenen? Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger standen beim "Finale dahoam" unter besonderem Druck. Die beiden Kapitäne von Bayern München warten in ihrer Fußball-Karriere noch auf einen großen internationalen Titel. Erst der würde das Duo auf eine Stufe mit Legenden des Rekordmeisters wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Oliver Kahn oder Stefan Effenberg hieven.

Kommentare zu " Lahm und Schweinsteiger: Die silberne Generation"

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  • jetzt kommens wieder raus, die falschen 50er, die angeblich was vom fußball verstehen wollen und die bayern niermachen möchten. ich muss erst mal sagen, dass ich bayernfan bin und natürlich maßlos enttäuscht wurde. da spielt bayern fast wie ne dampflokomotive und scheitert an der englischen mauer. man hat gemerkt, dass sich diese taktik diesmal ausbezahlt hat. aber fußball sollte doch etwas mehr sein als nur 89 minuten mauern und dann eine torchance glücklich reinbringen. heute hat es nur pech für die bayern gegeben, auch wenn wetter, fans und die allgemeine stimmung in münchen für einen sieg sprachen. genützt hat es nix. fußball ist nun mal auch so. es spielt eine grandiose mannschaft fußball, aber die andere gewinnt den pott. ich hab auch gemerkt, dass die bayern vielleicht zu viel und es unbedingt erzwingen wollten. man hätte vielleicht die ersten 45 minuten taktischer spielen sollen. auch ist heynckes eher unglücklich mit der unnötigen auswechslung von müller gewesen. ich hätte müller drin gelassen, auch wenn van buyten keinen fehler beim gegentor nachzuweisen war. vielleicht hätte müller noch ein doppelpack geschafft? naja. egal. nächstes jahr in wembley könnte es ja klappen. aber dann nicht gegen chelsea und hoffentlich auch nicht gegen madrid oder barcelona.

  • Das ist doch Quatsch mit silberner Generation und Taktik-Gedöns. Am Ende waren es (vielleicht) nur die 3 mm, die dem Elfer von Schweini gefehlt haben, und alles wäre gut ausgegangen...
    Aber in Wirklichkeit muss man den Bayern doch gratulieren: Sie haben uns die Champions bis ins Endspiel auskosten lassen, haben uns vorher internationale Spiele mit Hochspannung geboten, und am Schluss ein Herzinfarkt-Finale inklusive "tragischem" Elfmeterschießen geboten. Fußball ist doch Showbizz - und wir haben alles bekommen, sogar ein trauriges Ende, das uns mehr unter die Haut geht, als das selbstverständlich erwartete Happy End.
    Ich, als nicht Bayern-Fan, kann da nur sagen: Merci, ihr Bayern, das soll euch erst mal eine andere deutsche Mannschaft nachmachen!

  • Die ganze Sache ist eigentlich ganz einfach, die Bayern sind an ihrer Braesigkeit , an ihrem mia san mia gescheitert. Wer wie gegen Dortmund fuenf mal in Folge verliert, gegen einen Gegner, der diese fuenf Mal den gleichen Trainer hatte, dann muss ich mich doch fragen, bin ich intellektuell nicht in der Lage, das Konzept zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Oder, ich erkenne das Konzept, nur habe ich nicht das Potential etwas entgegen zu setzen. Den Bayern fehlt einfach der Intellekt, gepaart mit dieser Ueberheblichkeit, die sich durch ganz Bayern zieht in seiner oeffentlichen Darstellung, ist es keine gute Mischung. Wenn Stoiber braesig in jeder Talkshow verkuendet, Bayern hat einen ausgeglichenen Haushalt, also sind die Bayern finanzpolitisch hoch kompetent, dann vergisst er zu erwaehnen, wieviel Kompetenz Bayern an den Tag gelegt hat bei der Bayerischen Landesbank. Genauso sind die Bayern, sie reden und denken sich an sich selbst besoffen und sind nicht mehr in der Lage auch mal kritisch sich selbst zu betrachten.

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