Last-Minute-Ausgleich
Da Silva rettet BVB einen Punkt

Antonio da Silva hat Borussia Dortmund vor einem empfindlichen Rückschlag in der Fußball-Bundesliga bewahrt. Der 32-jährige Mittelfeldspieler sorgte in der 3. Minute der Nachspielzeit mit einem direkt verwandelten Freistoß für großen Jubel beim verdienten 1:1 (0:1) gegen Hoffenheim.

DORTMUND. Von so einem Auftritt im Herbst der Karriere träumt jeder Fußballer: Der in Karlsruhe ausgemusterte Antonio da Silva wird in Dortmund zum Helden des Abends und mit Ovationen gefeiert. Ausgerechnet der erst kurz vor dem Ende der Transferfrist lediglich als Ergänzungsspieler verpflichtete Brasilianer erwies sich für die Borussia in der Stunde der Not als Glücksgriff. Mit einem Kunstschuss in der Nachspielzeit bewahrte er seine müden Mitstreiter beim 1:1 (0:1) gegen 1899 Hoffenheim am Sonntagabend vor einem empfindlichen Rückschlag. „Ich habe den Ball vorher geküsst. Es war unsere allerletzte Chance. Gott sei Dank habe ich sie genutzt“, sagte der Freistoßschütze.

Noch während sich die BVB-Profis von ihren Fans feiern ließen, bestürmten die wütenden Hoffenheimer Schiedsrichter Wolfgang Stark. Der entscheidende Freistoßpfiff des Unparteiischen aus Ergolding nach einer angeblichen Regelwidrigkeit von Chinedu Obasi an da Silva brachte sie auf die Palme. „Ich war beim Schiedsrichter und habe ihm gesagt, dass es ein Foul an Obasi und nicht von Obasi war“, klagte Ralf Rangnick. Stark gab seinen Fehler nach dem Studium der Fernsehbilder zu. „Wenn man das hier so sieht, dann hat er den Ball gespielt. Der Schiedsrichter hat eine gewisse Wahrnehmung und deswegen habe ich so entschieden“, sagte er dem Pay-TV-Sender Sky.

Sichtlich verärgert trauerte Gäste-Trainer Rangnick der vergebenen Chance auf einen Sieg nach: „Das fühlt sich an wie eine Niederlage, nicht wie ein Punktgewinn.“ Zu allem Überfluss verlor Hoffenheim nicht nur zwei Punkte, sondern auch noch Sejad Salihovic. Der Mittelfeldspieler sah im hektischen Getümmel um den Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff die Gelb-Rote Karte.

Dagegen traten die Dortmunder nach dem Schlusspfiff wie Sieger auf. Zwar verpassten sie den avisierten Vereinsrekord mit acht Siegen in Serie, werteten den späten Ausgleichstreffer aber als verdienten Lohn für harte Arbeit. „Ich würde sagen, es war ein glücklicher Punktgewinn von Hoffenheim“, kommentierte Manndecker Mats Hummels.

Nur drei Tage nach dem unglücklichen 1:1 in der Europa League gegen Paris St. Germain mangelte es der zuletzt hochgelobten Borussia jedoch lange Zeit an zündenden Ideen. Anders als in den vergangenen Wochen suchten sie nach dem frühen Rückschlag durch Demba Ba (9. Minute) ihr Glück mit der Brechstange. Für die fehlende Spielkunst machte Hummels die Terminhatz der vergangenen Wochen verantwortlich: „Die letzten drei Spiele waren unglaublich eng und anstrengend.“

Für Hoffenheim hatte sich der taktische Kniff ihres Trainer allein schon wegen des Tores gelohnt: Ragnick ließ Luis Gustavo auf der linken Abwehrseite agieren. Das war zwar ungewohnt, aber effektiv. Der Brasilianer wurde schön vom ansonsten enttäuschenden Mlapa in Szene gesetzt, passte mustergültig in die Mitte, so dass Ba nur noch einschieben musste.

Den Last-Minute-Treffer von da Silva empfand BVB-Coach Jürgen Klopp als Ausgleich für einige unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichters in den Spielminuten zuvor. So hatte Stark dem erfolgreichen ersten Elfmeter von Nuri Sahin (15.) die Anerkennung verweigert, weil Torjäger Lucas Barrios zu früh in den 16-Meter-Raum lief. Im zweiten Anlauf scheiterte der Türke beim Versuch, schon früh für den Ausgleich zu sorgen.

„Das ist ja wahnsinnig, lächerlich“, klagte Klopp, „das ist an Ungerechtigkeit kaum mehr zu überbieten.“ Er hat damit vor allem deshalb Recht, weil sich der Keeper deutlich zu früh von seiner Torlinie bewegt hatte. Dieser Elfer hätte erstrecht wiederholt werden müssen. Sahin selbst zeigte seine Klasse nach diesem ärgerlichen Missgeschick erstrecht. Anstatt sich zu verkriechen, zog er die Bälle magisch an und kam auf erstaunliche 123 Ballkontakte. Zudem hatte er dann auch die Größe, beim Freistoß kurz vor Abpfiff Antonio da Silva den Vortritt zu lassen.

Klopps Team gelang es auch in der zweiten Halbzeit nur sehr selten, die gut stehende Hoffenheimer Abwehr mit spielerischen Aktionen in Verlegenheit zu bringen. Der Druck war zwar groß, aber es herrschte eher das Prinzip Brechstange, also lange Pässe auf Barrios oder den eingewechselten Lewandowski, die dann ablegten. Eine Ausnahme bildete die 61. Minute, wo Barrios eine glänzende Gelegenheit hatte, aber an Keeper Starke scheiterte. Ansonsten war der BvB eher nach Standardsituationen gefährlich.

Doch der mit dem späten Ausgleich belohnte Sturmlauf nach Wiederanpfiff ließ Klopp seinen Ärger vergessen: „Was wir heute in der zweiten Halbzeit abgerissen haben, war unglaublich - ich bin superstolz“. Dass die Tabellenführung an die in Leverkusen siegreichen Mainzer verloren wurde, wird er da verschmerzen können.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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