Lehren aus dem Länderspiel
Was Jogi Löw besser machen muss

Der Auftakt in die Länderspielsaison hat viele Antworten zur Form des Weltmeisters gegeben. Das Spiel gegen Aserbaidschan hat aber auch einige Fragen aufgeworfen. Von den Stärken und Schwächen der Löw-Elf. Ein Kommentar.
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DüsseldorfFünf Spiele, fünf Siege, 20:1 Tore – an der Bilanz der deutschen Fußballnationalmannschaft in der laufenden WM-Qualifikation gibt es nichts zu bemängeln. Bundestrainer Joachim Löw murrt zwar ein wenig. Doch die Spieler, die sich auf Länderspielreisen regelmäßig aus der Formkrise spielen dürfen, sind zufrieden. Selbst Teammanager Oliver Bierhoff dürfte angesichts der guten Einschaltquoten glücklich sein. Es ist schwer, an der gut funktionierenden Maschine DFB-Auswahl Schwachstellen auszumachen. Aber nicht unmöglich.

Die Stärken der Nationalmannschaft

Konstanz
Seit dem WM-Triumph 2014 hat die Nationalmannschaft drei Pflichtspiele verloren. Drei von 18. Mit dabei: Niederlagen in der EM-Qualifikation gegen Irland und Polen und das Aus im EM-Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich.

Im aktuellen Wettbewerb ist außer Deutschland nur noch die Schweiz ohne Punktverlust. Löw versteht es seit Jahren, die Mannschaft auf den Punkt richtig einzustellen. Dabei wechselt jedoch das Personal auf dem Platz nahezu jedes Mal. Die Konstanz in den Leistungen zeigt also, dass Kader und erweiterter Kader genug Qualität hergeben, um einzelne Spieler zu ersetzen. Und das ist nicht zuletzt eine entscheidende Eigenschaft von Turniermannschaften.

Dominanz
Es gibt keine Kleinen mehr, so das Mantra im Weltfußball der vergangenen Jahre. Noch bei der Europameisterschaft haben einstige Fußballentwicklungsländer wie Island und Wales reihenweise Favoriten zur Verzweiflung gebracht. Auch die DFB-Auswahl tat sich regelmäßig schwer, spielerische Überlegenheit in Tore und damit deutliche Ergebnisse umzumünzen.

In der WM-Qualifikation ist das bisher anders: Die engste Partie war bisher das Spiel gegen Nordirland, gegen deren Abwehrbeton schon beim vorherigen Zusammentreffen bei der EM nur ein Treffer heraussprang. Inzwischen funktioniert das eigene, auf Ballkontrolle ausgelegte Spielsystem so gut, dass sich im Spielverlauf nicht nur ausreichend Chancen ergeben, sondern diese auch genutzt werden.

Die Torschützen verteilen sich auf alle Mannschaftsteile, was das Team trotz immer wieder ausbleibender Kreativelemente schwer ausrechenbar macht. Löws Truppe belohnt sich für ihre energieintensiven Auftritte in dieser Spielzeit konsequent selbst.

Gier
Leistungsloch statt Sommerloch. Der überspielten, sichtlich müden WM-Mannschaft wollte direkt nach dem Titelgewinn so gar nichts gelingen. Es dauerte einige Monate, bis das Team sich das ihm attestierte Kopfproblem als solches akzeptierte. Erst zur EM 2016 schien es, dass Gegner und vor allem Spiele wieder richtig ernst genommen wurden. Dennoch war das Halbfinal-Aus gegen Frankreich in der Wahrnehmung eher ein abwendbarer Betriebsunfall denn Tragödie.

Das Motivationsproblem ist inzwischen Geschichte, die zuvor erwähnte Dominanz ist auch Konsequenz aus der wieder entdeckten Gier. Das liegt auch an der Integration neuer Spieler in das bestehende Gefüge. Die Nachrücker hinter den Arrivierten machen Druck, wollen ihrerseits Titel holen. Was in den Vereinen gemeinhin mit „Konkurrenzkampf auf jeder Position“ beschrieben wird und oft von geräuschvollen Spielertransfers begleitet wird, moderiert Löw weitgehend reibungslos.

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