„Les Bleus“ ist in Hannover zu neuem Leben erwacht
Verrat am eigenen Spiel

Spaniens junge Mannschaft, so schien es nach der WM-Vorrunde, hat endlich ihren eigenen begeisternden Stil gefunden. Doch als es im Achtelfinale gegen Frankreich wirklich wirklich darauf ankam, verfiel die Seleccion in die Spielart alter Prägung und wurde vom von den Iberern schon so oft verfluchten Turnier-Trauma eingeholt.

HANNOVER. Nostradamus hat sich geirrt. Leider für Spanien. "Wenn der sechste Monat des Jahres 2006 zu Ende geht", hatte der Prophet im Jahre 1555 verkündet, "wird der spanische König mit seinem Heer die Pyrenäen überschreiten. Die Legionen des Beelzebub erwarten ihn zur Schlacht in den Ebenen Zentraleuropas. Zerstörung und Niederlage werden über die Bösewichter kommen. Der Heilige Gral wird nach Spanien zurückkehren."

Nun ist Luis Aragonés nicht unbedingt ein König. Und es war auch keine Schlacht, was die spanische Nationalmannschaft bei dieser Fußball-WM abgeliefert hat. Im Gegenteil. Doch nach dem Auftreten der "jungen Wilden" in der Vorrunde, war sich ganz Spanien sicher, dass es das WM-Turnier gewesen sein muss, über das der Prophet sich da vor 451 Jahren ausgelassen hatte.

Das junge Team - Durchschnittsalter gerade einmal 25,2 Jahre - brillierte insbesondere gegen die Ukraine, schien endgültig seinen eigenen Stil gefunden zu haben. Einen begeisternden Stil sogar, angelehnt an den offensiven, risikoreichen, technisch versierten Fußball, mit dem der FC Barcelona in der abgelaufenen Saison Fußball-Europa mitriss. Kein geringerer als Johan Cruyff hatte diese Schule des endlosen Kombinationsfußballs einst als Erster von Ajax Amsterdam nach Spanien, traditionell eher der Defensivwucht verbunden, zum katalonischen Vorzeigeklub importiert.

Doch als es wirklich darauf ankam, als mit dem Achtelfinale gegen Frankreich nach drei schönen, aber nicht unbedingt gegen Gegner der höchsten Kategorie heraus gespielten Erfolgen wirklich die erste ganz große Prüfung auf die jungen Helden wartete, begingen sie Verrat an der eigenen Sache. Die Spanier verkrampften, verfielen über weite Strecken zurück in den Fußball alter spanischer Prägung, für den auch ihr Trainer lange Zeit stand: Defensivstärke, Kampf und Einsatz statt Angriffsfußball, Technik und Spielwitz. "Wir haben verloren, weil wir sehr ähnlich gespielt haben wie die Franzosen", analysierte der 67-jährige Coach niedergeschlagen. Das, was "Les Bleus gezeigt hatte, der Fußball aus einer kompakten, gut organisierten Defensive, war beileibe nicht schlecht und wäre deshalb nichts Unehrenhaftes. Aber es war eben nicht der spanische Jugendstil, der die Iberer bis dahin ausgezeichnet hatte. Das Ergebnis war eine bittere 1:3 (1:1)-Niederlage, die erste in 26 Spielen seit dem Amtsantritt von Aragonés im Juli 2004.

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