„Letztendlich wird er die Entscheidung treffen.“
Ballack: Mannschaft wartet auf Klinsmanns Zeichen

Der Kampf um Jürgen Klinsmann geht auch am Tag des „kleinen WM-Finals“ auf breiter Front weiter. Allen voran die Mannschaft „wartet auf ein Zeichen“ des Bundestrainers, wie Kapitän Michael Ballack vor dem Spiel gegen Portugal verkündete.

dpa STUTTGART. Der Kampf um Jürgen Klinsmann geht auch am Tag des "kleinen WM-Finals" auf breiter Front weiter. Allen voran die Mannschaft "wartet auf ein Zeichen" des Bundestrainers, wie Kapitän Michael Ballack vor dem Spiel gegen Portugal verkündete.

Für Klinsmann geht es dagegen nicht vordringlich um seine Person, sondern für den heftig Umworbenen steht nach der grandiosen WM im eigenen Land die Zukunft des deutschen Fußballs auf dem Spiel.

"Er will das so aufstellen, dass das System über Jahre hinaus funktioniert, egal, ob er jetzt dabei ist oder nicht", sagte sein engster Berater Roland Eitel dem ARD-Hörfunk. "Das ist kein System Klinsmann", hatte der Bundestrainer bereits selbst betont.

Für Eitel steht auf jeden Fall fest, dass Klinsmann selbst bei einer Entscheidung gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht wieder komplett in Kalifornien verschwinden würde. "Er wird dem Fußball mehr verbunden bleiben als früher, also mehr im europäischen Fußball in irgendeiner Form", sagte Klinsmanns langjähriger Vertrauter und schuf damit Raum für weitere Spekulationen.

Der Bundestrainer hat immer wieder vor allem seine Frau Debbie und die Familie als entscheidende Komponente für seine Zukunftsplanung genannt. Er möchte aber vor allem seine Aufbauarbeit schützen - womöglich durch eine Beförderung von Co-Trainer Joachim Löw und den bisherigen U 21-Coach Dieter Eilts. "Es ist nicht so, dass praktisch die Debbie entscheidet, wer in Deutschland Bundestrainer wird", betonte Eitel: "Letztendlich wird er die Entscheidung treffen."

Ballack kündigte an, dass er noch einmal persönlich mit Klinsmann reden wolle. Ob er die Entscheidung des Bundestrainers beeinflussen könne, beurteilte der Kapitän skeptisch. "Das ist natürlich schwer mit einem, der in zwei Jahren immer seine Meinung hatte - zu welchem Thema auch immer - und sie immer durchgesetzt hat", sagte Ballack der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Kapitän sieht Klinsmann aber grundsätzlich in der Pflicht, seinen Weg nun auch zu Ende zu gehen: "Wenn man im Halbfinale in der letzten Sekunde der Verlängerung gegen Italien ausscheidet, dürfte es gar keine Diskussion für einen Trainer geben, der ein junges Team zusammen gestellt und geformt hat. Er hat nachgewiesen, dass es funktioniert und sein Weg richtig war."

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat in mehreren Interviews Klinsmann wie bei dessen Amtsantritt 2004 praktisch wieder eine Carte Blanche zugesichert, falls sich der Wahl-Amerikaner zu einer Verlängerung seines am 31. Juli auslaufenden Vertrages entschließen sollte. "Grundsätzlich wollen wir das, was Klinsmann auf den Weg gebracht hat, weiter mit ihm durchsetzen", betonte der DFB-Boss.

Zwanziger hat auch seine Vorstandskollegen inzwischen auf eine gemeinsame Sprachregelung eingeschworen. "Einige Helden im Präsidium können ja den Mund nicht halten und sind überglücklich, wenn sie mal einer anruft", wies der Jurist zwar im Spaß, aber durchaus mit ernstem Hintergrund auf Bemerkungen von DFB-Vizepräsidenten hin, die Klinsmann bitter aufgestoßen waren. "Es gibt ein paar Sachen, die man nicht vergisst", bemerkte Eitel und verwies auf den Konflikt zwischen alter und neuer Denkweise im DFB: "Wir haben Stallgeruch gegen Powerpoint." Zwanziger betonte dagegen die einmütige Haltung in der Verbandsspitze: "Es gibt im DFB-Präsidium keinen, der ernsthaft eine Vertragsverlängerung mit Jürgen Klinsmann in Frage stellen würde."

Zwanziger will neue Debatten um Klinsmanns Wohnsitz in Kalifornien, seinen teuren Stab oder die Eigenständigkeit der Nationalelf innerhalb des Verbandes derzeit unbedingt verhindern. Der Präsident sicherte Klinsmann zudem einen großzügigen wirtschaftlichen Rahmen zu. "Jürgen Klinsmann wird mit Oliver Bierhoff seine nächsten Aufgaben beschreiben, und er wird festlegen, was er braucht, um diese Aufgaben erfüllen zu können", betonte Zwanziger und ergänzte: "Das wird sich in einer Bandbreite bewegen, die wir sehr ähnlich sehen."

Klinsmann wiederum weiß, dass das derzeit kollektive Werben um ihn im Tagesgeschäft Fußball kein dauerhafter Schutz vor neuer Kritik wäre. "Wenn der Jürgen sagt, er macht weiter, muss man wissen, dass vielleicht schon in fünf Wochen wieder die Wohnsitz-Diskussion kommt", sagte Eitel. Der Berater verwies auf die lange Zeit bis zur nächsten WM 2010 in Südafrika. "Viele Jahre kann man das nicht machen. Mit Hinfliegen, Zurückfliegen und dem Jetlag", meinte Eitel.

Für den Fall, dass Klinsmann geht, schließt Zwanziger eine Übergangslösung aus. Er strebe dann "sofort" eine Lösung an, die bis zur Europameisterschaft 2008 trage.

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