Löw gegen Österreich vorraussichtlich mit drei Neuen
„Es darf auch mal unsachlich sein“

Vor dem Spiel gegen Österreich offenbart das auf Harmonie getrimmte Gebilde der Nationalmannschaft erste Risse.

TENERO. Von Öl sprach Oliver Bierhoff. Und von Diamanten. Beides seien Elemente, die unter Druck entstünden, sagte der Manager der Nationalmannschaft. Um sogleich den Zusammenhang zur deutschen Elf herzustellen, denn die brauche ebenfalls Druck. Nun ist Bierhoff ein Fernbetriebswirt mit Abschluss in Hagen, nach 26 Semestern. Geologe ist er nicht. Und so ist auch nicht ganz klar, wie er das wohl gemeint haben mag.

Michael Ballack ist ein Freund klarer Worte, natürlich nur intern, wie am Freitagnachmittag. Ohne die Trainer habe sich die Mannschaft ausgesprochen. Das dürfe dann auch mal unsachlich sein, sagt Ballack. Es müsse nicht immer der richtige Ton getroffen werden. „Das muss man abkönnen.“

Vier Tage sind vergangen, seit Kroatien die deutsche Mannschaft in Klagenfurt vorgeführt hat. Seit klar ist, dass die Elf von Bundestrainer Joachim Löw heute im letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Österreich nicht verlieren darf. Vier Tage Ratlosigkeit ob der eigenen Leistung, denn noch immer haben sie keine Antwort auf die Frage gefunden, wie dieses Spiel nur passieren konnte.

Stattdessen versuchen sie ihre Hilflosigkeit mit Sätzen zu kaschieren, die eher nach Losungen klingen denn nach Lösungen. „Wir werden das Viertelfinale erreichen. Das verspreche ich.“ (Löw). „Es kann nur einen Sieger geben. Und das ist Deutschland.“ (Bierhoff)

Dass die Mannschaft heute in Wien aus dem Turnier fliegen kann, darüber wird in Tenero nicht offen debattiert. Nur lässt sich der Riss, den das Spiel innerhalb des Teams hinterlassen hat, nicht länger verbergen. Ein Riss, der sich vielleicht am ehesten zwischen dem Manager und dem Kapitän beschreiben lässt.

Oliver Bierhoff war früher Fußballer, ein Malta-Füßler, wie es Rudi Völler vor ein paar Monaten ausdrückte. Heute ist er Verkäufer. Der DFB bezahlt ihn dafür, das Produkt Nationalmannschaft so gut es geht zu vermarkten. Als einen Masterplan, der nichts dem Zufall überlässt. In der jeder alles für den Erfolg zu geben bereit ist. Bierhoff ist einer, der sich zu Power-Point-Präsentationen, McKinsey-Rhetorik und Motivationstechniken hingezogen fühlt. Teamgeist und Harmonie sind Dinge, über die er besonders gerne redet, egal ob beim Basketball, beim Tischtennis oder beim gemeinsamen Loungen mit den Spielerfrauen am Pool. Wenn es um Teamgeist und Harmonie geht, ist Bierhoff kreativ. Im Foyer des Mannschaftshotels „Il Giardino“ hat er zum Beispiel Plakate anbringen lassen, mit denen er gedenkt, die Spieler wach zu rütteln. Eines ist bedruckt mit einem Satz von Jens Weißflog, Deutschland bestem Skispringer. „Man fliegt nur so weit, wie man im Kopf schon ist.“

Seite 1:

„Es darf auch mal unsachlich sein“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%