Löw verspricht Weiterkommen
Eine folgenschwere Begegnung der vierten Art

Jeder kenne ja die Geschichte vom dritten Mann, sagt Joachim Löw. Die Novelle von Graham Greene und der Film von Carol Reed spielen im Wien der Nachkriegszeit. Löw aber verfolge der vierte Mann, seit anderthalb Jahren schon. Am Montagabend in Wien hat er ihn gestellt.

TENERO. Der vierte Mann ist in diesem Fall der Slowene Damir Skomina, der vierte offizielle Schiedsrichter der Uefa. Zu lange habe sich Löw für dessen Geschmack in der "Coaching Zone" aufgehalten, jenem abgegrenzten Bereich, der es Trainern erlaubt, ihrer Elf Befehle vom Rasenrand aus zu erteilen. Er wollte sich doch nur auf das Spiel konzentrieren, sagt Löw, aber der vierte Mann habe ihn permanent davon abgelenkt. "Das habe ich ihm mehrmals gesagt und in der 40. Minute bin ich halt etwas deutlicher geworden."

Der Schiedsricher verbannte Löw deshalb auf die Tribüne. Und egal, ob die Uefa ihn heute für das Viertelfinale sperrt oder nicht, diese Begegnung der vierten Art zeigt, dass der Bundestrainer nach nur drei Spielen nicht mehr wieder zu erkennen ist. Selbst Eugen Strigel, Schiedsrichter-Lehrwart des DFB, hat sich über Löws Verhalten gewundert. "Eigentlich ist er ja ein ganz Ruhiger."

Eigentlich lehnt sich Löw lässig gegen die Trainerbank und bearbeitet seinen obligatorischen Kaugummi, während er das Spiel verfolgt. Aber was ist schon normal in diesen Tagen an Joachim Löw? Im Spiel gegen die Österreicher tänzelte er bis zu seinem Platzverweis stets im äußersten Winkel der Coaching Zone, fuchtelte wild mit dem linken Arm, um seiner Mannschaft zu bedeuten, ihr Spiel so weit es ihr möglich war, in die Hälfte des Gegners zu verlagern.

"Es war ein gewisser Ausnahezustand", sagt Löw (48). Ein Ausnahmezustand für den deutschen Fußball, denn wenn dieses Spiel daneben gegangen wäre, hätte er womöglich nicht nur seinen Job verloren, es wäre vermutlich das Ende eines Projektes gewesen, das unter ihm eigentlich zu einer Reform hätte wachsen sollen. Das wusste auch Löw, das war ihm vor dem Spiel anzumerken und auch nach dem Spiel noch.

Er wirkt nicht mehr so souverän wie während der EM-Qualifikation. Er versucht nur noch, souverän zu wirken. Dabei weiß er nicht, ob er sich noch auf dem rechten Weg befindet, den er gemeinsam mit Jürgen Klinsmann vor vier Jahren eingeschlagen hat. Denn nicht nur er, auch das Spiel der deutschen Mannschaft ist nicht wieder zu erkennen.

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