Löw verteidigt Neid
Fronten zwischen DFB und Liga verhärtet

Die Fronten zwischen dem DFB und der Bundesliga sind nach dem unbefriedigenden WM-Abschneiden der Fußball-Frauen und der gegenseitigen Kritik verhärtet. Nun müssen alle Beteiligten schnell an einen Tisch finden.
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FrankfurtJetzt hat sich sogar Weltmeister-Trainer Joachim Löw in die öffentlich entbrannte Debatte um das unbefriedigende WM-Abschneiden der deutschen Fußball-Frauen eingeschaltet. Schon vor der Ankunft des DFB-Teams in der Heimat am frühen Montagnachmittag sprang der Bundestrainer seiner in die Kritik geratenen Kollegin Silvia Neid bei.

„Was in der Öffentlichkeit vom einen oder anderen Trainerkollegen gesagt wurde, ist einfach mieser Stil - vor allem die Art und Weise. Kritik unter Kollegen sollte man direkt mit den beteiligten Trainern besprechen. So haben wir es beim DFB immer gehalten“, polterte Löw in der „Bild“-Zeitung (Montag).

Neid hatte dies ähnlich empfunden und nach der ernüchternden 0:1-Niederlage gegen England im Spiel um Platz drei zurückgekeilt. Ihren Vorwurf, die Spielerinnen seien „in einem katastrophalen Zustand“ zur WM gekommen, ließen die Bundesligavertreter nicht auf sich sitzen.

„Der angebliche katastrophale körperliche Zustand trifft auf meine drei Spielerinnen nicht zu“, widersprach Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder der Bundestrainerin. Er warf Neid mangelnde Kritikfähigkeit vor. „Der unter Druck geratene Hund sitzt in der Ecke und fängt an zu bellen. Ich kann doch nicht einfach pauschal zurückschlagen“, meinte der 72-Jährige: „Jeder muss auch mal den Wert einer Kritik beachten.“

Auch Siegfried Dietrich, Manager des Champions-League-Siegers 1. FFC Frankfurt, reagierte verwundert. „Es ist ein bisschen irritierend, dass Silvia Neid den katastrophalen Zustand der Spielerinnen erst nach den zwei Niederlagen erwähnt hat.

Zumal sie das Team zuvor nach den Spielen gegen Norwegen und Schweden noch für ihre gute Verfassung und Leistung gelobt hatte“, sagte Dietrich der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind pauschale und zu undifferenzierte Vorwürfe, die man so aus Vereinssicht nicht stehen lassen kann, zumal die Saisonbelastungen ja nicht für alle Spielerinnen gleich waren.“

Es gibt also erhöhten Redebedarf. Denn Bundesligatrainer wie Frankfurts Colin Bell, Wolfsburgs Ralf Kellermann und Schröder hatten bei der WM einige Defizite im deutschen Spiel ausgemacht.

„Alle müssen so sachlich wie möglich bleiben und die sportlich Verantwortlichen sollten sich so schnell wie möglich an einem Tisch zusammensetzen“, forderte Dietrich.

Aus seiner Sicht seien die Clubs und der DFB gleichermaßen daran interessiert, „perspektivisch eine gemeinsame Orientierung zu haben, um auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene zur Weltspitze zu zählen.“

Dafür müsse man die Qualitäten zusammenzuführen. Sorgen um die Zukunft des deutschen Frauen-Fußballs macht er sich nicht: „Ich bin sicher, dass die hochgeschlagenen Wellen wieder abebben und eine konstruktive Zusammenarbeit stattfindet.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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