Löw will den EM-Titel auf Anhieb
Der nette Perfektionist und der Gipfel

Joachim Löw will bei seinem ersten Turnier als Chefcoach etwas schaffen, was selbst den Weltmeister-Trainern Franz Beckenbauer und Helmut Schön nicht vergönnt war. Schon bei seinem ersten Turnier als Chef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft soll der Titel her.

dpa ASCONA. "Warum sollen wir mit dem Zweitbesten zufrieden sein, wenn wir das Beste erreichen können?", sagte Löw, der sich vor der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz ganz und gar nicht wie ein Bundestrainer-Lehrling fühlt. Als rechte Hand von Jürgen Klinsmann hatte der Badener schon von an 2004 die Revolution in der Elite-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wesentlich mitgeprägt. Dem nahtlosen Übergang vom Assistenten zum Boss folgte die souveräne EM-Qualifikation - und auch für den erhofften Gipfelsturm sieht sich Löw gerüstet: "Ich gehe mit Sicherheit und Überzeugung in das Turnier."

Von den 22 Länderspielen unter seiner Regie verlor das DFB-Team nur zwei. Nur Jupp Derwall konnte eine bessere Bilanz in der Zeit bis zum ersten Turnier vorweisen: In den 15 Partien vor der EM 1980 war die Nationalmannschaft sogar ungeschlagen geblieben - und in Italien wurden Schumacher, Schuster, Rummenigge, Hrubesch & Co. dann Europameister. Das gleiche Kunststück strebt Perfektionist Löw in Österreich und der Schweiz an. "Die WM-Spieler haben sich entwickelt", skizzierte der 48-Jährige jenes Qualitäts-Merkmal, das ihm für die Umsetzung seines "Drehbuchs" besondere Zuversicht gibt.

Löw ist nicht der Draufgänger, der kompromisslose Durchpeitscher, wie es Klinsmann von 2004 bis 2006 war. Löw ist eher ein Mann der zurückhaltenden Töne, ein Analytiker, der aber auch über den Fußball-Tellerrand hinausschaut und einen ebenso direkten Weg geht wie sein ehemaliger Partner Klinsmann. Spätestens die Streichung von Torwart Timo Hildebrand und später von "Frischling" Marko Marin, den Löw erst lobte und dann doch für zu leicht befand, aus dem EM-Kader, hat auch der Öffentlichkeit demonstriert, dass der "nette Herr Löw" seine Linie konsequent durchziehen kann.

Der Leiter der "Bergtour 2008", der selbst schon so manchen Alpen-Gipfel und sogar den Kilimandscharo in Afrika bestiegen hat, möchte auch wenige Tage vor dem EM-Auftakt gegen Polen seine Rolle nicht überhöhen. Auf der Promibühne bewegen sich die Löws nur in Ausnahme-Fällen. Seine Frau Daniela lebt lieber unerkannt und blieb auch zu Hause, als etliche Nationalspieler oder auch Torwart-Coach Andreas Köpke ihre "besseren Hälften" mit ins Trainingscamp nach Mallorca nahmen. Löw hat seine Freunde "außerhalb des Fußballs", er weiß aber natürlich: "Wenn ich vor die Haustüre gehe, bin ich ein Stück Allgemeingut." Das ist der Preis eines Bundestrainers.

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