Löw zeigt Nachsicht mit Rot-Sünder
Podolski nach Frust-Rot genervt

dpa ROSTOCK. Lukas Podolski war sofort bewusst, dass er eine Dummheit begangen hatte. Nach seiner Tätlichkeit an Gegenspieler Surab Chisanischwili war für den 21 Jahre alten Nationalspieler der erste Platzverweis in seiner Fußball-Karriere unausweichlich.

„Na klar. Ich habe ja sofort gesehen, dass der Schiri in seine Gesäßtasche greift und die Rote Karte zückt“, äußerte Podolski zu seinem Tritt in der 48. Spielminute beim 2:0 gegen Georgien. Eine billige Entschuldigung für seinen Blackout suchte Podolski nicht, eine einleuchtende Begründung hatte der Verlierer des Abends aber auch nicht parat. „Das war ein Reflex von mir, Absicht war es nicht“, beteuerte der Stürmer, der die Szene so schilderte: „Der Gegenspieler hat das schon provoziert. Ich habe den Ball angenommen und der Gegner hat von hinten geschlagen. Ich habe dann halt mit dem rechten Fuß ausgeholt. Ist halt mal passiert, auch wenn es mir nicht passieren darf. Daraus kann man nur lernen, aber das Leben geht weiter. Ich habe ja keinen Menschen umgebracht.“

Spontan blieb Podolski nicht viel mehr übrig, als sich bei seinem Team für die Schwächung zu entschuldigen und für kommenden Mittwoch den unbedingten Willen zur Wiedergutmachung anzukündigen: „Vielleicht kann ich das mit einem Tor gegen die Slowakei wieder gutmachen.“

Vom Weltverband Fifa kam die erwartete Bestätigung, dass Podolski nicht für das EM-Qualifikationsspiel gesperrt wird, sondern lediglich für eines oder mehrere Freundschaftsspiele im kommenden Jahr. „Eine Sperre gilt immer nur für den gleichen Wettbewerb. Es war ein offizielles Länderspiel, aber ein Freundschafts-Länderspiel. Podolski kann am Mittwoch zu hundert Prozent spielen“, sagte Fifa-Mediendirektor Markus Siegler.

Diese Nachricht hörte auch Joachim Löw gerne. Der Bundestrainer zeigte öffentlich Nachsicht mit seinem jungen Rot-Sünder: „Der Gegner hat ihm mehrfach hinten reingeschlagen, ihn provoziert. Lukas hat im Affekt gehandelt.“ Intern kündigte Löw jedoch einen Rüffel an: „Das kann man nicht gutheißen, ich werde mit ihm sprechen. Wir können von Glück reden, dass er am Mittwoch nicht gesperrt sein wird.“

Dass sein Frust-Foul nach einem bis dahin unglücklichen Auftritt im Rostocker Ostsee-Stadion mit seiner unbefriedigenden Situation bei Bayern München zusammenhängen könnte, stritt Podolski vehement ab. „Ist ja klar, dass das jetzt kommt. Aber das hat damit nichts zu tun. Ich bin nicht frustriert oder unglücklich in München“, sagte Podolski spürbar genervt.

Aufmunternden Beistand bekam er von seinem Bayern-Kumpel Bastian Schweinsteiger. „Natürlich darf er das nicht machen, aber man wird immer wieder provoziert. Es ist nicht leicht, da ruhig zu bleiben“, sagte der 22-Jährige, der nicht nur wegen seines Traumtores zum 1:0 das Kontrastprogramm zu Podolski bot. Mit dem 12. Treffer im 39. Länderspiel krönte Schweinsteiger seine prächtige Vorstellung. „Vor allem Bastian hatte einen Klassetag“, lobte Löw seine Nummer 7.

„Ich versuche, dem Spiel meinen Stempel aufzudrücken“, sagte Schweinsteiger. Augenfällig ist dabei, dass seine Distanzschüsse in jüngster Zeit immer häufiger ihr Ziel finden. Zwei Mal traf Schweinsteiger mit Weitschüssen beim 3:1 gegen Portugal im Spiel um Platz drei bei der WM. Beim erneuten „Doppelpack“ gegen San Marino (13:0) donnerte er einen Freistoß mit Vollspann in den Winkel. Jetzt ließ er es in Rostock wieder krachen - und kommentierte bescheiden: „Ich trainiere das schon ein bisschen.“

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