Logistische Meisterleistung
Vier Stunden vor Spielbeginn ist alles an seinem Platz

Wenn die Fans vor Spielbeginn die WM-Stadien betreten, ist von den Logitsikdienstleitern in aller Regel nichts mehr zu sehen. Sie müssen nämlich vier Stunden vor dem Anpfiff ihre Arbeit erledigt haben. Für die Frachtunternehmen eröffnet ein Ereignis dieser Größenordnung strategische Chancen.

HB BERLIN. Auf dem Rasen geht es um das frühe "Eins zu null". Doch hinter den Kulissen der Fußball-Weltmeisterschaft lautet die zentrale Vorgabe "minus vier" - zumindest für die Frachtspezialisten an den zwölf WM-Stadien von Hamburg bis München. Vier Stunden vor dem Anpfiff müssen die letzten Lastwagen aus den Sicherheitszonen um die Arenen rollen. Dann hat alles an Ort und Stelle zu sein, was Fans und Spieler für das Spektakel brauchen: von TV-Kameras über Nachschub für die Bierstände bis zum Mannschaftsgepäck. Im Geschäft für große Sportveranstaltungen mischen deutsche Anbieter vorne mit.

Bei der Steuerung der Warenströme für das Fußballfest 2006 laufen die Fäden meist bei der Spedition Schenker zusammen. Die Tochter der Bahn bekam den Zuschlag als "Offizieller Logistikdienstleister" des Turniers und verantwortet über 80 Prozent der Transportaktivitäten. Dabei läuft die Verteilung über 13 zentrale Meldestellen für jedes der zwölf Stadien sowie das Internationale Fernsehzentrum der WM in München. Vor der Fahrt in die abgesperrten Lieferzonen wird dort jeder Wagen auf Fracht und Papiere kontrolliert, bevor es mit einer Genehmigungskarte für einen festgelegten Zufahrtspunkt weiter geht. Denn Staus vor den Eingangstoren soll es möglichst nicht geben.

"Wir haben Berührung mit jeder Ware, die hereinkommt", sagt Axel Schiek, der als Stadionmanager bei Schenker für die Endspielarena in Berlin zuständig ist. Bevor an diesem Dienstag (13. Juni) beim Spiel Brasilien gegen Kroatien das erste Mal der Ball rollt, fuhren in der heißen Vorbereitungsphase täglich bis zu 300 schwere und kleinere Lkw auf das Areal rund um das Olympiastadion. Denn um die "gute Stube" des Bundesligisten Hertha BSC zur WM-Stätte für insgesamt sechs Spiele zu machen, waren größere Umbauarbeiten nötig.

Palettenweise hoben Gabelstapler Kartons mit 400 Monitoren für die erweiterten Reportertribünen von den Ladeflächen der Lastwagen - jeder erhielt eine Nummer für den späteren Abtransport. In die Ehrenloge, in die sich Fifa-Präsident Joseph Blatter und der Chef des WM-Organisationskomitees Franz Beckenbauer während der Halbzeit zurückziehen können, kamen weiße Polsterstühle. An den Türen der Umkleidekabinen im Bauch des Stadions kleben jetzt auch zusätzliche Schilder im grünen WM-Dekor auf Englisch. Am Spielfeldrand stehen eigens Mannschaftsbänke nach WM-Norm. Und auf dem Maifeld vor der Arena entstand eine Zeltstadt für Journalisten und VIP-Besucher.

Zu den Spieltagen geht es nun vor allem um die Anlieferung von Getränken und Lebensmitteln von Champagner bis zur Grillwurst. Die Sponsoren brauchen Werbematerial. Nach dem Finale am 9. Juli beginnt für die Frachtmanager dann eine Phase unter verschärftem Zeitdruck: Was vor der WM binnen zwei Wochen aufgebaut werden konnte, muss zur Not in Rund-um-die-Uhr-Schichten in drei Tagen wieder heraus - am 15. Juli steigt im Stadion bereits das erste Musikkonzert.

Für die Transporteure sind Mega-Ereignisse mit ihren besonderen Anforderungen denn auch eine Bühne, um sich für neue Auftraggeber zu empfehlen. "Für uns zählen vor allem Folgeaufträge von Kunden, mit denen wir über die großen Sportevents ins Geschäft kommen", sagt Thomas Lieb, Vorstand für Luft- und Seefracht bei Schenker. Denn bei allem Prestige geht es an sich um ein Nischengeschäft: Bei Olympischen Spielen, wo die Deutschen ebenfalls als "Offizieller Lieferant für Zollabfertigung und Spedition" im Boot sind, lagen die Erlöse 2004 in Athen in einer Größenordnung von 35 Mill. Euro - bei einem Gesamtumsatz von inzwischen 8,9 Mrd. Euro.

Die strategischen Chancen spektakulärer Wettkämpfe hat allerdings auch die Konkurrenz erkannt, selbst wenn sich die Sportverbände Werbelizenzen teuer bezahlen lassen. Die Post-Tochter DHL engagiert sich als Logistikpartner der Formel 1. Und zur Weltmeisterschaft flog Lufthansa Cargo mehr als 3000 Tonnen Fußbälle um den Globus.

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